Blendwerk – SET mit 211

Heizung

Beheizt werden die 211 »wie damals« mit Wechselspannung und einem Symmetrierregler (Hum-Pot). Da die 211 eine direkt geheizte Röhre ist und die Kathode mit dem Glühfaden identisch ist, muss eine »künstliche« Kathode geschaffen werden. Diese Funktion übernimmt dieser Regler.

Der Regler wird dann so eingestellt, dass es aus dem Lautsprecher am wenigsten brummt – daher Hum-Pot(entiometer). Da Röhren altern, muss von Zeit zu Zeit auf Brumm-Minimum nachjustiert werden. Das ist allerdings kein Blendwerk. Die Ultras der DHT-Fans stehen auf so etwas (DHT = Direct Heating Triode).

Netzteil

Die Hochspannung für beiden 211 wird mit Spannungsverdoppler generiert. Normal. Nicht normal sind dagegen die Siebkapazitäten. Üblicherweise findet man Kapazitätsbombast. Aber nicht hier. Das mag auch der Drossel geschuldet sein.

Überhaupt Kapazitäten. So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Ganz nach meinem Geschmack. Fast richtig. Auch wenn die Intention des »Herstellers« wohl eine Andere war. Kapazität kostet nämlich…

Etwas (etwas) mehr wäre hier aber wirklich nicht falsch gewesen. Sowohl für die beiden 211, als auch für die Vorstufe (da ganz besonders). Kapazitätsmäßig wirklich auf Kante.

Blendwerk Nr. 3?

Dazu musste man den Verstärker einschalten. So passabel, wie die 211-Kiste auch aussieht, klanglich war’s doch eher »speziell«. In der Mitte klaffte nämlich ein Loch. Daraus resultierten dann vorlaute Höhen mit einem magersüchtigem Tiefton. Von wegen Blendwerk… Das hört doch ein Blinder, dass da etwas nicht stimmt.

Wenn man das überhaupt noch Tiefton nennen konnte. Das gesamte Fundament war sehr, sehr fragil… Noch nie hatte ich den Frank Fischer so lustlos gehört… Meine angeheiratete Klangprüferinn auch nicht – nach zwei Sekunden verliess sie kommentarlos das Zimmer. Ein ganz übles Zeichen.

Präsens

Und das ist der Grund, warum dieser Röhrenverstärker nun hier zur »Untersuchung« und anschliessendem Customizing steht. Und damit wird der »freiwillige« Hausarrest etwas interessanter. Woraus sich nun übrigens folgern lässt, dass eine persönliche Verstärkeranlieferung derzeit keine so gute Idee ist. Das nur nebenbei.

Da der Besitzer sich schon auf den »Katastrophenfall« eingestellt hatte, wird für einen Neuanfang grünes Licht gegeben. Und Neuanfang heisst auch: Wenn man schon eine 211 hat, dann biedert sich Class-A2 förmlich an, um die 211 wirklich auszureizen.

Aus mehreren Gründen (über die ich mich nicht weiter auslassen will) verwerfe ich diese Idee und bleibe »brav« bei Class-A1 und nehme weniger Watt gerne in Kauf. Unter diesen Umständen also vielleicht 10W, anstatt vielleicht 30 Watt. So what?

Das Schöne nämlich bei Class-A1: Die 211 ist dann leichter handzuhaben als die 845. Am Gitter der 211 braucht’s nur 150Vss. Das ist durchaus moderat zu nennen. Die 845 benötigt übrigens gut 240Vss. Etwaige Klimmzüge in der Vorstufe sind also nicht nötig.

Das war’s mit dem »Customize«. Wäre nur eine üble »Frickelei« geworden. Nichts halbes, nichts ganzes. Das hatte ich doch schon einmal.

Weiter geht’s deshalb irgendwann in der Rubrik »Selbstbau«.

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frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg' ich ein Hörnchen. Autor der Bücher: Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen. Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2): Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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