Uchida 300B

Netzteil

Ach, was soll’s. Dass Röhrengleichrichter, so simpel es auch aussieht, keine einfachen Gesellen sind, darüber habe ich mich schon ausgelassen. Hier.

Gehen wir da mal ganz pragmatisch heran: Nach Datenblatt-Lage dürfte klar sein, dass die 274B hier nicht hineingehört. Wenn wenigstens sofort die Drossel oder ein Widerstand an die 274B gehängt worden wäre, also »Choke loaded«…

Sun Audio hat eine 5U4G vorgesehen, die an eine Ladekapazität von 47µF hängt. Maximal erlaubt sind aber nur 32µF. Der Spannungsabfall (Vdrop) beträgt 45V. Eine 5U4GB darf dagegen mit 40µF »gefüttert« werden, hat aber 5V mehr Spannungsabfall.

Eine GZ34 (Vorgängermodell war/ist AZ12) darf maximal 60µF »sehen«. Mit Uchidas Original-Ladekapazität liegt man also weit unter der Grenze. Der Spannungsabfall pro Anode beträgt »nur« 20V. Eine GZ34 ist also effektiver, zumal sie den Netztrafo mit 1A weniger Heizstrom deutlich entlastet.

Und da wäre noch die »Wicklungswiderstand« des Netztrafos zu berücksichtigen. Kurz und gut: Mit der GZ34 liegt man hier in allen Belangen voll im grünen Bereich. Wenn man kleinere Umbauarbeiten (Fassung, Heizung) nicht scheut, von mir aus auch die AZ12.

Die Siebkapazität von ebenfalls 47µF ist allerdings wirklich dünn. Sage ausgerechnet ich. Rein rechnerisch und auf zwei 2A3 bezogen (dafür ist Uschi eigentlich bekannt), mag sie richtig sein, praktisch sieht’s bei zwei 300Bs anders aus. Nein, ich werde mich beherrschen und es so lassen.

Was ich aber nicht lassen werde ist, einen Entladewiderstand (Bleeder) einzulöten, damit die Hochspannung wirklich zuverlässig abgebaut wird.

Vorstufenröhren

Mal wieder Theater mit der 6SN7. Ich weiss nicht, was an dieser popeligen Doppeltriode besonders sein soll. Muss allerdings auch zugeben, dass Alt-Ware doch etwas »anderes« sind.

Zu der 6SN7 gibt es die Nachfolgeröhre ECC40. Passt aber leider nicht in eine Oktalfassung. Obwohl der Preis auch schon deutlich anzieht, ist diese Doppeltriode preislich durchaus noch akzeptabel. Ihr Einsatz ist also völlig legitim. Nachteilig ist nur der Umbau-Aufwand.

Wie der Zufall es nun einmal will, verfüge ich über zwei neue alte 6SN7. Sylvania JAN-Material aus gleicher Charge. Hier werden sie endlich ihre neue Bleibe bekommen… Wenn Sie sich nicht scheuen, ein 12V-Trafochen einzubauen, lohnt ein Blick auf das Preisschild für 12SN7.

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Die Wechselspannungsheizung wird mit zwei Widerständen symmetriert und gut ist.

Koppelkondensator

Das, allerdings, ist vermintes Gebiet. Höchst gefährlich. Egal. Augen zu und durch.

Mit Todesverachtung begehe ich den Frevel, die Papier-in-Öl Dinger durch »einfaches« MKP-Material (diesmal Mundorf) zu ersetzen. Zudem Kapazitätsmäßig zurechtgestutzt. Damit ist diese 300B-Uschida wieder nahe am Original-Zustand.

Aus. Fertig.

Ölkondis, Zinnfolie – habe ich alles schon durch. Ich kann da nichts dran finden, ausser dass sie den Klang auf die eine oder andere Art »einfärben«. Kann auch gut sein, dass ich als High-End Proll keine Ahnung habe, was kackteure Kondensatoren alles bewirken können (sollen).

Ganz ehrlich? Ich würde lieber zu MKT-Kondensatoren greifen. Zusammen mit Kohlewiderständen bekommt man mehr »Klang«, ohne zu sounden.

Das Gleiche gilt auch für die 300Bs. Ja, ein Western Electric- oder Cetron-Glas ist schon was feines. Was man von den ausgerufenen Preisen nicht behaupten kann. Ich überlasse es jedem selber, für ein Verschleissteil Haus und Hof zu verpfänden. Was mich betrifft, ich tue es nicht. Eine Shuguang 300B mit Graphit Anode ist gar nicht mal so übel…

Ach ja: Die neueste Masche ist wohl, gebrauchtes Zeugs als »eingebrannt« verhökern zu wollen…

Meine Meinung: Die preisliche Differenz zwischen einem einfachen und guten Bauteil (Industriequalität) und einen mit irgendwelchen Weihen versehenes Bauelement aus dem Schamanen-Discount spendet man zB. an diesem Verein. Damit hat man Sinnvolleres getan, als solche Wunder-Teile es je können werden.

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Ergebnis

Brummen, Störgeräusche – alles weg. Soweit ich das an meinen 93dB-Fostexen feststellen konnte. Der Uchida-Eigner hat zwei 98dB-Geschosse, dürfte aber trotzdem nichts hören, ausser Musik.

Auch wenn ich kein Freund von dieser Schaltungstopologie bin, muss ich die Klangeigenschaften anerkennen. Und vor allem die Lautstärke, was mit den 150mV Eingangsempfindlichkeit auch kein Wunder ist. Die Lautstärkeregler kamen über acht Uhr nicht hinaus.

»Uschi« kann ja einiges. Sie brilliert in den Höhen und löst die Mitten sehr gut auf. Aber einen richtig fetten Tiefton kriegt sie einfach nicht gebacken. Kann auch gut sein, dass das an fehlender Lautsprecher-Anpassung lag. Das sind die Fostexe ja doch etwas eigen…

Die Gleichspannungsmodule für die 300B stammen übrigens von Tentlabs (Niederlande). So gut sie auch sind, sie haben den »Nachteil«, dass Tube-Rolling nicht so einfach vonstatten geht. Die Heizspannung sollte nämlich exakt auf die jeweilige Röhre eingestellt werden. Die Module haben ihren Reiz… Was besonders deren Überhitzungsschutz angeht. Dann nämlich schalten sie sich ab.

Besonders wichtig bei direkt geheizten Trioden. Keine Heizung, keine Emission, keine Havarie…

Nach meinem Dafürhalten sind – Surprise, surprise – die mitgelieferten Black Treasure 300Bs besser als angenommen. Um nicht zu sagen, ganz gut. Wie lange sie jedoch halten, kann ich nicht sagen.

Kommen wir zum Schluss zu dem »fiebrigen« Netztrafo. Eine derartige Temperatur dürfte bei mir kein Netztrafo entwickeln. Meine Meinung…

Und nun: Ab dafür. Bis vielleicht irgendwann einmal.
Mata Kon­do ne.

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frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg' ich ein Hörnchen. Autor der Bücher: Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen. Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2): Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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