Pimp the Tower

Auftrag: Aus den 300B-Tower etwas »vernünftiges« bauen. Einen »klassischen« 300B-Verstärker, büddeschööön. Mit »vorne« 6C6. Freiverdrahtet. Ach ja, und mit Ruhestromreglung. Leistung weniger wichtig (100dB Lautsprecher), es muss »nur« klingen. Noppenpelle, you know? Frihu übernehmen Sie.

Jaja, die Mini-Tower aus China. Als Tuning-Objekt scheinen sie ja ganz beliebt zu sein. Weil auch, inkl. Versand und Zoll, nicht preiswert – sondern unerklärlich billig. Auch scheint der Preis eine (geschickte) Verhandlungssache zu sein. Nur weil man sich auf einen Preis einigte, kam es zum Deal. Okay, dann wollen wir mal.

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Zu der »klassischen« 300B-Schaltung gibt’s hier und da zwei Presequels. Wer mag, kann noch das Netz durchforsten… Es ist eigentlich alles gesagt – das Thema sowas von ausgelutscht… Nichts neues also. Ende.

Gute Gelegenheit aber, um mal das Drumherum näher zu betrachten bzw. zu erläutern. Behind the Scenes, quasi.

Die ursprüngliche Verstärkerschaltung der 300B-Tower ist sattsam bekannt. Eine typische Asia-Schaltung. Wie »geplant« war der Besitzer mit den »Tower-Klang« nicht zufrieden. Nicht schlimm, Jim – es sollte eh umgebaut werden.

Inside Dark Tower

Die Planungsphase – Was ist wie machbar? – gestaltete sich langwierig. Erst einmal musste das Gehäuse in seine Einzelteile zerlegt werden. Jede Menge Schrauben, die in der richtigen Reihenfolge gelöst werden wollten. Das Gehäuse-Material ist übrigens eine Aluminium-Legierung, welches sich auch – das vorweg – recht einfach bearbeiten lässt.

Bei einigen Schrauben hat man aber wohl einen falschen Anzugsmoment gewählt und sind mit »Schmackes« in das Gewinde gewürgt worden. Wenn die Schrauben dann auch noch zu weich sind, ist es ein Kinderspiel, den Kopf – so mir nichts, dir nichts – richtig zu verhunzen. Neu in meiner »Werkzeugkiste«: Ein Schraubenausdreher als Problemlöser.

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Was nicht passt…

Als das Innenleben soweit freigelegt war, dass man planen konnte, war alles, was an »Tower-Tuning« angedacht war, hinfällig.

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Das übliche Zeugs, also Trafos und Übertrager, was ich normalerweise verwende, passte von vorne bis hinten nicht. Es haperte eigentlich nur an eine Handvoll Millimeter. Egal, Karl. Die grösste Aufmerksamkeit musste dem Netztrafo – und damit dem Netzteil – gewidmet werden.

Denn der war für ein »klassisches« Röhren-Netzteil (Zweiwegegleichrichtung) so nicht zu gebrauchen. Auch fehlt für die Ruhestromregelung eine Hilfsspannung. Das ist weniger schlimm, lässt sich so etwas doch hervorragend mit einer Ladungspumpe »regeln«. Die ursprüngliche Netzteil-Schaltung degradierte den Röhrengleichrichter nur zur reinen Deko. Bei einer 845 hätte ich dafür ja noch Verständnis. Aber bei einer 300B?

Und jetzt? Ich liebe es, wenn ein Plan nicht zu funktionieren scheint…

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frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg' ich ein Hörnchen. Autor der Bücher: Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen. Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2): Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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