EL509 Single-Ended “reloaded”

Aufbauhinweise zum Single-Ended EL509 / PL509

Wie schon im HiFi-Tunes Artikel erwähnt, hat die EL509 (PL509 / 6KG6) – trotz ihrer Vorzüge – eine gewaltige »Macke«: Sie lässt sich sehr leicht zu hochfrequentem Schwingen animieren! Gridstopper sind ebenso Pflicht, wie ein HF-mäßiger Aufbau. Lange Kabelwege sind zu vermeiden.

Eine Masseschiene aus 1,5mm² Kupferader verhindert Masseprobleme und evtl. auch HF-Schwingungen. Da die EL509 richtig Strom zieht, ist Stufenmasse (auch noch mit dünnen Litzen) nicht angesagt. Die Masseschiene setzen Sie aus drei Einzeladern zu einem H zusammen und »legen« diese dann über (bzw. unter) den Röhrenfassungen.

Wenn’s trotzdem schwingt, dann merken Sie das daran, dass innerhalb kürzester Zeit nicht nur das Röhrenglas heiss wird, auch Kathodenwiderstände und die Siebwiderstände im Netzteil werden brandheiss. Metallschichtwiderstände oder gar Aluminium housed Widerstände sind hier völlig fehl am Platz.
Nochmals: Zur Not sollen die empfohlenen Drahtwiderstände zuverlässig durchbrennen.

Etwaige Schwingneigung wird auch durch die lokale Gegenkopplung, die von der Anode der EL509 zur Kathode der 6189 (eine JAN 12AU7) führt, unterbunden. Bei unsauberem Aufbau hilft das allerdings auch nichts mehr!

Lüftung, Lüftung, Lüftung! Die EL509 (PL509) wird wie alle derartigen Röhren – gut heiss. Eine gute Konvektion und ein Metallchassis gehört zum Pflichtprogramm.

Das Netzteil wird, anders als sonst bei mir üblich, mit aussergewöhnlich viel Mikrofarad (µF) ausgestattet. Auch hier ist der Grund in der aussergewöhnlich hohen Stromlieferbarkeit der EL509 zu finden. Bei grosser Lautstärke und bei extremen Impulsen saugt die EL509 – ratzfatz – »kleine« Siebelkos leer. Also muss da etwas mehr Kapazität ‘ran, zumal auch noch auf eine Drossel verzichtet wird. Dicke Elkos benötigen allerdings Platz – ein Umstand den ich damals nicht richtig beachtet habe. Also besser das Chassis etwas grosszügiger planen! Und als Brückengleichrichter verwende ich mindestens ein »starkes« 4 bis 6 Ampere Bauteil: Die Elkos ziehen, besonders im Einschaltmoment und im Peak, Ströme von bis zu 3 Ampere!

Die negative Gittervorspannung wird mit Hilfe einer »Ladungspumpe« (Naja, so ähnlich. Erklärung habe ich hier nachgereicht) gewonnen. Das spart eine Trafowicklung die immer überdimensioniert ist aber aus herstellungs-technischen Gründen nicht »passend« gewickelt werden kann. Diese »Ladungspumpe« besitzt den Nachteil, dass sie einen unsauberen Aufbau mit Schwingneigung quittiert. Ohne einen richtigen ohmschen Abschluss produziert sie zudem aberwitzige Messwerte. Weil es da in der Vergangenheit doch ein paar »Problemchen« gab, wird die BIAS-Spannung nun aus einer separaten Trafowicklung entnommen. Kostet dann halt etwas mehr.

Der Öl-Koppelkondensator ist ebenfalls »eliminiert« worden. Die Gesamt-Koppelkapazität teilen sich nun ein MKP und ein MKT. Ein »nackter« MKP war mir damals etwas zu »clean« – für gewisse »Unsauberkeiten« sorgt nun der MKT (er »sounded« etwas – weshalb er ja auch vorzugsweise in Gitarrenverstärker eingesetzt wird). Wem das nicht behagt, darf auch gerne einen Silver- oder Gold-Oil MKP von Mundorf einsetzen.

EL509 Vorstufe und Netzteil

Die Vorstufe bildet das Gespann PCC189 und 6189. Letztere ist die Military-Version einer 12AU7 oder ECC82 und ist als SRPP-Treiber beschaltet. An diesem Aufbau ändert sich nichts.

Das Netzteil teilt sich in zwei Versorgungsspannungseinheiten auf: Einmal das Netzteil mit Brückengleichrichter für die EL509, zum anderen die Spannungsversorgung für die Vorstufe mit Röhrengleichrichter die hier allerdings im Team mit »starken« Halbleiterdioden zu einem Brückengleichrichter verschaltet werden. Als Gleichrichterröhre kann eine 5T4 (ähnlich einer 5U4G Black Plated Version), eine »normale« 5U4G oder aber eine GZ34 eingesetzt werden. Es reicht theoretisch sogar eine EZ81 – was dann aber wieder einen etwas anderen Netztrafo erfordert.

Etwaiges Brummen gibt es nicht. Zumindest nicht so, dass es nervt. Man könnte dem letzten bisschen Restbrumm nur noch mit noch mehr Siebkapazität begegnen. Das allerdings wirkt sich hörbar auf die Dynamik aus. Wenn’s zu stark brummt, hat man entweder eine Masseschleife (Brummschleife) konstruiert oder einen »unsauberen« Aufbau hingelegt.
Nachtrag 11.2016: Mittlerweile sieht die Vorstufe ganz anders aus. Und es klingt – o Wunder – tausendmal besser als die Geschichte mit SRPP! Siehe Pentodenvorstufe

Leistungsdaten

Knappe 15 Watt (Sinus, nicht das RMS-Geramsche) liegt dieser Eintakter gut im Rennen und schafft, dank der guten 50W-Ausgangsübertrager, einen Frequenzbereich von 10 Hz bis 75kHz (!). Einzig die PCC189 sorgt hierbei für eine ±2dB Abweichung von Ideal-Lineal und für ein ausgewogenes Klirrverhältnis von k2 und k3. Der Lohn des Ganzen: Eine wirklich überwältigende Dynamik die, trotz geringerer Leistung, einem 30W Gegentakter mit zB. EL34 in nichts nachsteht.

Nur zwei Kundenkommentare, die sich den Verstärker (trotz der »Schwierigkeiten«) erfolgreich zusammen gebaut haben:

[…] Wahnsinn! Wenn ichs nicht selber zusammengebaut hätte, ich würde behaupten, da steht ein Gegentaktverstärker.

[…] Ich verkaufe meinen xxx-Verstärker. Der EL509 reicht.


17. März 2016 Update

Da die PCC189 mittlerweile im Preis sehr stark angezogen haben, wird nun eine andere Röhre aus der PCC-Familie eingesetzt. Sollten Sie eine Platine planen, wird das nicht gut gehen.

Die 6189 wird aus dem gleichen Grund ersetzt. Ich sehe es partout nicht ein, für eine solche Röhre Haus und Hof zu verpfänden.

Die Winged-C EL509 gibt es nur noch als Restbestand und ist sehr teuer geworden. Es wird nun auf NOS PL509 gesetzt (also mit Anodenkappe). Hier ist nur die Heizung dieser Röhre zu berücksichtigen!

Die Anodenkappe für die PL509 besteht aus Porzellan und das Anodenkabel ist gut isoliert. Normalerweise braucht man keine Angst vor Elektroschocks zu haben. Die Gefahr, dass sich Kinderhände am Glas »verbrennen« (so dicht kommen aber die Hände erst gar nicht… Da greift kindliche Selbsterhaltung.) ist wesentlich grösser.

Ein Hinweis zu den Übertragern: Andere Hersteller liefern bestimmt auch gute Übertrager. Ich fahre allerdings »meine« Übertrager mit einem ungewöhnlichen Ra. Dann klappt das auch. Momentan (Juni 2016) ist mal wieder viel Nacharbeit erforderlich, weil »falsche« Übertrager eingesetzt wurden. Kenne ich bereits vom 6AS7G-Projekt.

PL509 / PL519 Monoblock

Häufig erhalte ich Anfragen, wie man dieses Konzept als Monoblock realisiert. Hier habe ich nun zwei Lösungsvorschläge.

Einmal mit Röhrengleichrichter und einmal »mit ohne«. Als Röhrengleichrichter setze ich aber auf eine »ungewöhnliche« Lösung. Das sieht nicht nur gut aus, macht auch technisch Sinn. Die Lösung ohne Röhrengleichrichter setzt eine elektronische Schaltung voraus, die die Lautsprecher quasi kurzschliesst.

Die Eingangsröhre wird in der Monoblock-Version durch ein einfaches Triodensystem ersetzt.

Sorry, dass ich die »Ersatzröhren« nicht nenne. Ich will nicht die Preise versauen. Man darf aber ruhigen Gewissens annehmen, dass die »neuen« NOS-Röhren allesamt sehr gut sind. Und preiswert. Noch. (Im Gegenwert für eine 6189 bekommt man den kompletten Satz an Vorstufenröhren nebst Röhrengleichrichter).

Die NOS PL509 ist ebenfalls wesentlich preiswerter als eine Winged-C. Wer trotzdem die Winged-C einsetzen möchte: Fragen kostet nichts. 😉

frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg' ich ein Hörnchen. Autor der Bücher: Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen. Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2): Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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