Thema Sicherung

Hey, Elektriker!

Wie man’s – besonders den Fi – angeschlossen bekommt, bleibt dem Kunden überlassen. Es klingt schon fast nach Selbstschutz, dass die Schlemihls hierfür einen Fachmann (in diesem Fall einen Elektriker) empfehlen. Wenn’s keine zwielichtige Gestalt ist, wird der Fachmann aber einem was husten. Aber so was von. Da würde jeder Mediziner auf akute Bronchitis tippen…

Der Kasten mit der Sicherung ist Hoheitsgebiet des, mit Brief und Siegel ausgestatteten, Fachpersonals. Alles, was in diesem Kasten passiert, muss dokumentiert werden. Deshalb wird jeder verantwortungsbewusste Fachmann einen Deibel tun und da obskure Dinge verbauen. Gehen Sie mal mit selbstgesammelten Pilzen in ein Restaurant und bitten den Koch, mit diesen Pilzen ein Essen zu zaubern. Ja, der zaubert. Nämlich Sie auf den Asphalt vor die Türe…

Die oft explizit hervorgehobenen IEC/EC-Normen dürften reine Gaukelei sein. Manchmal wirbt man noch mit einer UL-Norm… Tja, diese Norm mag für die Leute jenseits des grossen Teiches wichtig sein, aber nicht im alten Europa und schon gar nicht in Deutschland.

Das schon in 10Km Entfernung erkennbare CE-Zeichen sagt gar nichts, da es nur eine verwaltungstechnische Selbsterklärung des Herstellers ist. Das CE hat mit VDE genauso viel zu tun, wie der neue Kaiser von Amerika mit Vernunft, gesundem Menschenverstand und Weltfrieden.

Zum Dahinschmelzen

Da ist es mit der kleinen Schmelz-Sicherung einfacher. Mindstanforderung ist, dass man den Unterschied zwischen Schlitz- und Kreuzschraubendreher kennt und in welcher Richtung man die Schrauben zu drehen hat. Gerät aufschrauben, Sicherung austauschen – fertig. Wenn man selbst das nicht kann, muss die Ehefrau ’ran oder der Sohn vom Bekannten eines Freundes…

Und jetzt wird’s Psychologisch: Da die Sicherung ja richtig Knete gekostet hat, ist die Erwartungshaltung extrem hoch. Also wird man einen „besseren Klang“ hören wollen… Klar.

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Wenn man dagegenhält, das da nix ist, kommt dieses „Ich hör’s doch“. Also, da machste nix mehr, denn kein Mensch gibt freiwillig zu, dass er sich selber dabei getan hat. Oder, um es mal ganz platt zu formulieren: Das man sich selber beschissen hat.

Selbst das stundenlange Sitzen auf dem Strafbock oder die Physio-Behandlung auf der Streckbank wird da nichts dran ändern können. Es war teuer, also muss da was sein. Das Gleiche gilt oft für Kabelgedöns, aber immer für Strasssteinchen, Pyramiden, Klangschalen oder den Schumann-Generator.

Das Drama will ich nicht erleben (das walte Hugo), wenn die Sicherung im Ernstfall doch tatsächlich das macht, wozu sie gedacht ist. Sie geht kaputt. Unter Umständen sind 150 Euro (für das besonders edle Exemplar) schlicht und einfach für’n Popo.

Wenn…

Ja, wenn die Sicherung auch wirklich Eins-zu-Eins ausgetauscht werden würde. Das setzt natürlich voraus, dass man zuvor die Schriftzeichen die auf der Metallkappe der Tölpel-Sicherung eingestanzt wurde, identifizieren kann. Zur Not mit Lupe oder man fragt jemanden, der noch Adleraugen hat. Also „mal eben“ die profane 750mA, durch eine Kling-Klang 750mA tauschen. So der Vorsatz.

Wenn es die 750mA-Sicherung vom Klangdealer auch geben würde, denn der hat natürlich nicht jede Sicherung „vorrätig“. In diesem Fall übrigens verständlich – selbst das gut sortierte Fachgeschäft für Elektrik-tick dürfte keine 750mA Sicherung vorrätig haben.

Und, wenn man schon jemanden gefunden hat, der sich „klanglich verbessern will“, dann lässt man ihn nicht mit leeren Händen aus dem Laden gehen. Was tut der Schlemihl nun? Klar, er vertickert eine 800mA-Sicherung.

Oder der berühmte gute Bekannte, der sich „damit auskennt“, rät dazu. Noch schlimmer (und in diesem Fall auch passiert), wenn der Händler des Röhrenverstärkers zu dieser Sicherung rät (weil die wirklich oft hops gehen). Überhaupt die 50mA Differenz… Pah. Drauf geschissen. Nur nebenbei: 50mA sind in einem Röhrenverstärker verdammt viel Holz.

Wenn man beim identifizieren der eingestanzten Schriftzeichen genauer hingeschaut hätte, dann hätte man (in diesem Fall) ein F erkennen können. Ein F für Flink. Und für welche Sicherung hat man nun Haus und Hof verpfändet? Für eine mit T – für Träge.

Es ist eine Sache, eine flinke 750mA-Sicherung durch eine flinke 800mA auszutauschen. Eine ganz Andere aber, flink durch träge zu ersetzen. Da kann man ja sofort einen Nagel nehmen.

Flinke Sicherung, träge Sicherung

Bleiben wir nur mal bei diesen beiden Auslöse-Characteristika.

Eine flinke Sicherung haut’s schon fast zuverlässig weg, wenn der Strom nur minimalst den Grenzwert überschreitet. Eine träge Sicherung ist da ziemlich gutmütig. In diesem Fall würde die träge 800mA auch mindestens (!) 1000mA (also 1A) vertragen. Relativ kurzzeitig zwar, kann aber reichen, um mit fast allen Sinnen geniessen zu dürfen: Rauchzeichen bewundern, das lecker „Odeur de brûlé“ riechen und Trash-Metal hören (Bratzel, Knister, Bumm).

Merke: Strom ist verflucht schnell. So schnell kannste gar nicht gucken, wie der Schaden da ist…

Das alles lässt sich vermeiden, wenn die Kling-Klang Sicherung auch so funktionieren würde, wie vorgesehen. Das allerdings darf man genausowenig beim Schlemihl ansprechen, wie der Name von diesem Typen, den man nicht nennen darf.

Also habe ich so meine – nicht ganz unbegründete – „leichten“ Zweifel ob der korrekten Funktion. Unbeschreiblich starke Zweifel aber bei den (selbst-) suggerierten Klangeigenschaften.

Satire?

Sie glauben, ich habe mir das jetzt aus den Fingern gesogen? Falsch.

Die genannten Zahlen sind aus dem prallen Leben gegriffen: Ein (mir) gut bekannter, „preiswerter“, China-Röhrenverstärker. Die Schaltung chaotisch aufgebaut und leicht vermurkst (typische „China-Fehler“). Das Vermurkste kann aber dafür sorgen, dass die Endröhren zickig werden und dann dafür sorgen, dass die werksseitig eingesetzte Schmelz-Sicherung hops geht. Deswegen wurden bescheuerterweise die 800mA empfohlen und eingesetzt.

Normalerweise sollten da die Kathodenwiderstände abrauchen. Geht aber nicht, weil die entweder aus Metall bestehen oder man 5W-Zementbunker verbaut hat (auch so’n Murks). Also Sicherung. Der Klang übrigens etwas seltsam – nicht rund. Wie auch immer…

Das Vermurkste gibt’s nun nicht mehr. Das allerdings, das hört man. Ohne Geschwurbel. Ganz ohne Alu-Hut. Ohne Kling-Klang Sicherung. Und – man fasst es ja nicht – so hält auch eine F-750mA Tölpel-Sicherung.

frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg' ich ein Hörnchen. Autor der Bücher: Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen. Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2): Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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