Craftsmen 500

„Ham’se Lust auf zwei, gaaanz alte Craftsmen 500 Monos?“, wurde ich gefragt. Mist. Das kommt davon, wenn man sich mit einem Oldtimer beschäftigt hat und auch noch einen Artikel darüber ’rausgehauen hat. Craftsmen. Kurze Recherche. Nicht das ich mir da was anlache, was sich nicht lohnt, oder ich krumme Finger bekomme.

Schlussendlich hatte ich Lust. Weil wegen Oldtimer. Die erweisen sich oft als ganz anderes Kaliber, als die Möchtegernelitären Schickimicki-Verstärker, die man heute so verhökert. Damals konnte man ja noch Röhre… Okay, die Optik verlangt oft einiges an Toleranz, aber sonst so…? Nicht das Schlechteste. Sage ich mal so.

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Bei einer Restaurierung sollte man aber seine (handwerklichen) Grenzen kennen, recherchieren und wenigstens Verständnis der damaligen Umstände aufbringen können. Sicher, aus heutiger Sicht würde man viele Dinge anders lösen. Wenn’s aber keine mordsgefährliche oder fragile Angelegenheit ist, dann belässt man das Gestrige, soweit wie nur irgend möglich. Im Zweifelsfall hält man die Finger still.

Kurze Zeit später durfte ich die Craftsmen selber „bestaunen“. Der Auftrag: Überarbeiten – sprich revidieren, Brumm beseitigen, Sicherheitstechnisch kritische Dinge finden und „weg machen“ (das sah man auf den ersten Blick, dass da einiges nicht koscher war).

Ansonsten „tun’s“ die Craftsmen. Ja, ne. Is‘ klar.
So wie angeliefert hätte ich mich aber nicht getraut, diese Oldtimer unter Strom zu setzen…

Die Craftsmen 500

Technisch gesehen sind die Craftsmen simple, unkapriziös erscheinende Gegentakter mit, als Triode beschaltete, KT66 in Class-A. In der Vor- und Treiberstufe werkeln 6SN7GT-A. Dazu noch einen Röhrengleichrichter entweder 5V4 oder die 5U4 (je nach Herstellungszeitraum). In diesen Monos sitzen die 5U4.

Bei der Ausgangsleistung finden sich Angaben von 10 bis etwa 15 Watt, wobei sich die 10W wohl auf die Vorgängerversion, also mit dem 5V4-Gleichrichter zu beziehen scheint. Mit dem 5U4-Röhrengleichrichter sollten aufgrund der etwas höheren Betriebsspannung etwa 15W zu erzielen sein.

Mit einer kleinen Besonderheit können diese Craftsmen aus dem Land der begrenzten Unmöglichkeiten auch noch aufwarten: Irgendwie hatte da Western Electric die Finger im Spiel sowie ein gewisser Mister Williamson aus dem Vereinigten Königreich. Herstellungszeitraum: Irgendwann Anfang der 1950’er-Jahre.

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Was die technischen Daten betrifft, da brauchen sich die Craftsmen auch heute nicht zu verstecken. Diese sind grösstenteils besser als das, was man heute an Life-Style Verstärkern so unter die Leute zu bringen versucht. Sollte kein Wunder sein – weil wegen Williamson. Okay, okay – wer aus zwei KT66 nur maximal 15 Watt ’rausholt… Naja. Aber ansonsten…?

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frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg' ich ein Hörnchen. Autor der Bücher: Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen. Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2): Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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