An und für sich besitzt der Name Antique Sound Lab eine gute Reputation. Trotz der chinesischen Herkunft. Oder gerade deswegen. Denn diese Verstärkerschmiede hat ihren Firmensitz in Hong Kong, bis vor ein paar Jahren noch britische Kronkolonie und, bedingt durch diesen historischen Umstand, ist man dort immer noch britisch angehaucht. So auch der Chief of Antique Sound Lab: Joseph Lau, ein waschechter Hong Kong Chinese mit einem ausgeprägten Hang zu britischer Attitüde, was sich auch in den Produkten niederschlägt. Im Gegensatz zu dem bisher erlebten, gibt es bei Antique Sound Lab keine Blendereffekte wie Chrom oder hochglanzpoliertes Messing. Auch aberwitzige und/oder ausgewürfelte Frequenz- sowie Leistungsangaben sind diesen Verstärkern fremd. Die Verstärker machen tatsächlich das, was auch im Datenblatt steht. Zumindest die Monoblöcke AV25. Von diesen stehen vier Stück vor mir.
Wer diese Endstufen ins Haus geliefert bekommt, braucht nur noch den Ruhestrom einzustellen und könnte dann hinterher völlig problemlos und stressfrei Musik hören. Eigentlich und könnte, wohlgemerkt. Zunächst zur Ruhestromeinstellung: dieses geschieht völlig schmerzfrei über ein an der Chassisoberseite angebrachtes Poti. Nunja, über ein Digitalmessgerät und ein Uhrmacher-Schraubendreher sollte man schon verfügen und, wenn nicht vorhanden, findet sich bestimmt jemand, der das BIAS »mal eben« einstellt. Das Messgerät nach Anleitung angeschlossen, einschalten und das Poti mit dem Schraubendreher solange nach rechts drehen, bis die Anzeige etwa 0,33 bis 0,35 Volt anzeigt. Fertig. Der Schraubendreher ist übrigens nur deshalb nötig, weil Männerhände mit der zierlichen Potiachse nichts anfangen können. Trotzdem: kein herumfuchteln und porkeln mit dem Stahldreher in irgendwelche abgrundtiefe, dunkle, Löcher um den Trimmer (der sich irgendwo »da unten« auf einer Platine befindet) erstens zu finden und zweitens den auch noch äusserst filigran einzustellen (Husten und Zittern verboten!). Bei den AV25 ist alles bequem und vor allem ungefährlich erreichbar. Narrensicher. Auch für erkältete Grobmotoriker. Klasse.
Technisch gesehen machen die Endstufen genau das, wozu sie gebaut sind. Sie verstärken das Musiksignal. Nicht mehr und nicht weniger. Klanglich ist das ganze sehr kontrolliert, Haltung bewahrend, in Grenzbereichen zurückhaltend. Das hört sich dann so an, wie Charles in Ekstase aussieht. An einem Totenbett ist mehr Stimmung. Es gibt Leute, die mögen das. Indeed!
Irgendwelche Brummeffekte gibt es dagegen nicht. Weder durch eine dahingerotzte Schaltung noch durch einen klapperigen Netztrafo. Die Dinger im AV25 sind still. Selbst nach dem einschalten hört man sie nicht - genausowenig wie den Verstärker an sich, wenn man von dem minimalen Rauschen absieht. Wenn da nicht das glimmen der Röhren (12AT7 respektive ECC81 und zwei 6L6) wäre, könnte man meinen, man hätte einen Transistor vor sich.
Also, mag man fragen, warum stehen die Dinger dann auf meiner Werkbank? Die Antwort ist einfach: weil ich den »Kolonial-Briten« ein paar Gefühlsausbrüche beibringen soll. In (nicht nur) meinen Ohren klingen die Dinger nämlich arg langweilig. Trotz des antiseptischen Klangbildes (wegen der Antisepsis beneidet einem jedes Krankenhaus) spielen die AV25 aber immer noch um Welten besser als das, was man an Blenderwerk sonst so kennt.
 Übertrager: Der niedliche des AV25 und »frihu-Übertrager« (rechts)
Wie angedeutet, muss man Abstriche in den Grenzbereichen machen. Der Übertrager des AV25 ist nicht in der Lage, viel weniger als 20Hz umzusetzen. OK, bei einem halben Watt kommt das Subcontra-C noch irgendwie durch, aber Bachs Toccata (Fuge in D-Moll) bei einem halben Watt hören ist wie Sex ohne Anfassen. Auf dem Photo oben wird auch sehr schnell ersichtlich warum. Und auch oben herum könnten diese Röhrenendstufen etwas mehr in den Gehörgängen klingeln. Die Leistung der Monoblöcke erscheint mickrig: aus den beiden 6L6 zaubern die Antique Sound Labs mit Ach und Krach maximale 25 Watt in Class AB1. Da nützt es auch nichts, wenn andere Röhren, wie z.B. die 6L6GC oder gar KT66 eingesetzt werden. Mehr ist nicht drin. Punkt.
Übrigens, die AV25 sind die Nachfolger der berüchtigten AV20-Monoblöcke. Berüchtigt deswegen, weil die AV20 tierisch gebrummt haben sollen. Die AV20-Herkunft können die AV25 übrigens nicht verleugnen - es sind AV20. Nur mit dem Unterschied, dass in den AV25 ein wesentlich besserer Netztrafo arbeitet. Dieser ist zudem noch geschirmt und verhält sich auch so, wie sich ein Trafo verhalten sollte. Ausserdem tragen die AV25 noch den Zusatz »Wave« vor der Typenbezeichnung, also Wave AV25. Typisch übrigens für Antique Sound Lab. Hier tragen einige Röhrenverstärker Namensbezeichnungen die Naturgewalten entlehnt sind: Hurrican, Typhoon oder Monsoon. Je grösser die Naturgewalt, desto mehr Watt.
|