Butter bei die Fische (1)

So, Leute. Ich bin dann mal weg. Weg von High-End – bzw. was man dafür hält, also eher das Schickimicki-Gedöns, weg von vergeistigten Aluhut-Superhörern, weg von den Röhrentausch-Zirkeln, weg von den Messfetischisten jeglicher Coleur… Moment. Jetzt, wo ich’s so anspreche: War ich schon jemals da in dieser Hifi-High-Society? Hm… Ne, eigentlich nicht. Na dann…

Was mich betrifft, ich will einfach nur entspannt gute Musik hören. Und das gerne auch mal laut und mit richtig Bums in der Hütte. Manchmal muss es eben so richtig scheppern. Zum Beispiel 1980’er-Yello, George Thorogoods (u.a. „Bad to the Bones“ [sic!]), War on Drugs, Jeff Healey, momentan seltener dem Frank Fischer sein Bass und – quasi für akute Notfälle – Rammstein. Jawoll!

So richtig mit Schmackes, um den Kling-Mischmasch von Radiostreams wieder aus dem Kopf zu prügeln. Wenn die Nachbarn an der Haustür bollern, weil man die Türglocke nicht mehr hört, dann ist’s richtig. Gewesen. Denn es sollte klar sein, dass man den Bogen nicht überspannen sollte.

Und glauben Sie bloss nicht, dass ich, wenn die Mucke so richtig ballert, ruhig im Stereodreieck sitze… Ich will Ihnen das Kopfkino ersparen – nur soviel: Pizzateig, bei „Bad to the Bones“ durchgeknetet, wird besonders gut. Ja, ich mache das von Hand. Mit Gefühl. Genauso wie Röhrenverstärker zusammenschustern…

Schlangenöl & Co

Da kann man mit Engelszungen reden, dass diese oder jene Aktion zum angeblichen Kling-Klang Climax nur Schlangenöl und damit potentiell bescheuert ist – es wird trotzdem gemacht. Erinnert mich an kleine Kinder, die zu den Eltern sagen: „Schau mal, ich kann fliegen wie Superman!“ und dann mit einem Sprung von der Sofalehne versuchen, ihre Theorie zu beweisen. Spoiler: Es endet immer mit einem fürchterlichen Bums, Geschrei und evtl. mit einem Arztbesuch. Aber hey, Kinder haben das Recht, ihre Grenzen auszutesten. Wir reden hier aber von Erwachsenen, die sich mit Physik anlegen und denken, sie könnten sie überlisten.

Ich höre sie bereits – diese Fragen: „Was ist Physik? Und was hat das mit Audio zu tun…?“ Ohje! Im Physik-Unterricht „Schiffe versenken“ gespielt, wie? Also, auch wenn Sie’s nicht glauben: Verdammt sehr viel, um nicht zu sagen: Alles.

Okay, ein kleiner Spieltrieb mag ja angehen, aber es wird pathologisch, wenn physikalische Gesetze als Option betrachtet werden. Jeder Dealer und jeder der sich daran beteiligt – ich sage nur „Testberichte“ -, sollte wegen Volksverdummung am Pranger mit überreifen Tomaten abgestraft werden.

Ich bin nun wahrlich kein Physikgenie. Aber ich muss nicht studiert zu haben, um schlusszufolgern, dass so etwas wie „Fußboden-Entkopplungsklötzchen“ für Lautsprecherkabel genauso Bullenscheisse ist, wie Unterseekabel zur Stromversorgung, Klangschalen, HiFi-Sicherungen und was weiß ich, wofür sonst noch Geld verbrannt wird.

Hardcore-Esoteriker, Schwurbler, Scharlatane und Physikverweigerer gab’s immer schon – nicht erst während oder seit „Corona“. Aber seitdem haben sie sich wie die Ratten vermehrt. Vermutlich liegt’s an der Weiterbildungverblödung in den asozialen Medien während der staatlich verordneten Zwangsisolation…

Im Jargon der Schwurbler bin ich sowieso ein „Systemopfer“, der sich „alternativen Wahrheiten“ (Aaaargh!) verschliesst. Ja, wenn ich allein so auf mein Bankkonto schaue, dann bin ich gerne „Systemopfer“. Hurra! !!!1Elf!!!

Thema Röhrentausch

Mir ist durchaus bewusst, dass das Datenblatt für viele Röhren-Nutzer nur ein bedrucktes Blatt Papier ist. Wer sich jedoch mit dem Austausch von Röhren beschäftigen möchte, von dem erwarte ich, dass er das Datenblatt zumindest grob lesen und entsprechende Schlüsse ziehen kann.

Vorausgesetzt, dass man die vorherrschenden Betriebsbedingungen des Verstärkers ermitteln kann. Tja, da geht’s schon los. Was nützen Datenblätter, wenn man nicht weiss, wie man im Röhrenverstärker wo etwas richtig misst?

Ich meine damit jetzt nicht unbedingt den Austausch einer ECC83 durch eine ECC83 eines anderen Herstellers. Trotzdem kann es unter Umständen ratsam sein, mal nachzufragen. So zum Beispiel bei der 300B. Da gibt’s Gläser, die in dieser oder jenen Schaltung nur ganz schlecht wenigstens zufriedenstellend arbeiten wollen. Oder die Geschichte mit der GZ34. Steht alles so nicht im Datenblatt – das sind Erfahrungswerte und die haben die Wenigsten.

Es gab bzw. gibt ja durchaus Röhren, die schreien einem ja förmlich an, vorher das Datenblatt zumindest querzulesen. Oder man fragt Fachleute. Und damit meine ich richtige Fachleute, nicht jene Experten, die 24/7 in virtuellen Selbsthilfegruppen über Klangeigenschaften von Bauteilen referieren, aber spätestens beim Thema „Anodenstrom ermitteln“ in Schockstarre verfallen.

Und nein, die Händler sind oftmals keine guten Ansprechpartner, weil sie mit ihren Angeboten auch für maximale Verwirrung sorgen. Bestimmte Datenblätter von gewissen Herstellern sind auch so eine Sache… Beispiel gefällig? Suchen Sie mal – vor 2 Monaten musste ich das tatsächlich – nach einem adäquaten Ersatz für die 350B bzw. 350C. Irgendwann wird Ihnen 6L6 (ohne GC) empfohlen. Tja, leider falsch…

Genauso wie die rusische 6P3C (fast immer) als Äquivalent zur 5881 oder gar 6L6GC offeriert wird.

frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg' ich ein Hörnchen. Autor der Bücher: Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen. Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2): Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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