Ich kenne das schon: Brumm. Matschiger Klang. Und überhaupt… Und dann: »Mach mal.« Yaqin MS-300B auf den Tisch geknallt und »Ciao. See you later alligator.«
Typisch. Typisch Yaqin. Bevor man nämlich ans Innenleben kommt, muss man Schraubendreher werden. Nach gefühlten 500 Schrauben kann man endlich die Bodenplatten anheben und sich an die elektrischen Innereien ergötzen. Auch hier: Typisch Yaqin. Insgesamt sehr solide. Sowohl mechanisch als auch elektrisch. Widerstände? Poti? Trafo? Übertrager? Bei diesem Yaqin gibts eigentlich nix zu meckern. Trotzdem - ein kleiner Yaqin-typischer Wehrmutstropfen muss sein. Warum Entstörkondensatoren als Koppelkondensatoren eingesetzt werden, weiss nur die HighEnd-Gottheit aus der Erbsenzählerabteilung.
Das Innenleben. Ohje! Man muss nicht zweimal hinsehen, um den »Fehler« zu entdecken: Da liegt ein Elko im sterben und hat vermutlich schon einen Teil seines Innenlebens ausgekotzt. Scheint kein Einzelfall zu sein, denn es gibt mehrere Berichte, die genau in diesem Bereich einen Elko in diesem bemitleidenswerten Zustand zeigen.
Um an die Unterseite (Lötseite) der Platine zu kommen, müssen zunächst verharzte Kreuzschlitzschräubchen (werden später durch vernünftige M3-Schrauben ersetzt) entfernt werden. Danach die Platinen für die Kopfhörerbuchse und Motorpoti (Vorsicht bei den scharfen Kanten, denn diese werden immer noch nicht vernünftig entgratet). Es stellt sich heraus, dass der defekte Elko Bestandteil der Siebkette für die Gleichrichter ist. Hier sind zweimal 10µF seriell geschaltet und ergeben somit etwa 5µF Ladekapazität. Im Schaltplan fehlen die erforderlichen Spannungsteiler, damit jeder Elkos auch wirklich nur die Hälfte an Spannung »sieht«. In der Praxis sind diese aber sehr wohl vorhanden - nämlich auf der Unterseite der Platine. Bedingt durch Wärmestau (die Röhren heizen ordentlich ein und auch im Innenraum wird es mächtig warm) sehen die Widerstände nicht nur ungesund aus, sie sind es auch.
Als Gleichrichterröhre kann / darf so ziemlich alles eingesetzt werden, was zwei 300B's nebst Vor- und Treiberstufe mit ausreichendem Strom versorgen kann und in einer Okatalfassung passt. Angefangen bei 274B (respektive 5Z3P-A) bis hin zu 5U4G-B. Zumindest was die 274B (5Z3P-A) betrifft, sind die 5µF Ok. Attention please: Sollten Sie im Besitz eines MS300B-C sein, tun Sie der Gleichrichterröhre einen Gefallen und sorgen Sie für gesunde Verhältnisse. Ein Blick ins Datenblatt kann sehr erhellend sein. Es tut der Gleichrichterröhre nun einmal überhaupt nicht gut, wenn diese eine hundertmal grössere Ladekapazität sieht. Eine Unsitte übrigens, die man auch bei wesentlich teueren Röhrenverstärker findet, die nicht chinesischen Ursprungs sind.
Im Falle einer 5U4G sind die 5µF allerdings etwas dürftig. 40µF dürften es laut Datenblatt sein. Da die eingesetzte 5Z3P-A durch den defekten Kondensator sowieso etwas gelitten hat, wird hier sofort auf 5U4G (ohne B-Präfix) umgerüstet und umgehen damit Beschaffungsschwierigkeiten. Also 5U4G. Und zwar die Winged-C Black Plated Version. NOS natürlich. Dazu nur rund ein Viertel MKP-Ladekapazität als das, was im Datenblatt steht. Das hat sich einfach bewährt - zumal danach ja noch eine dicke Drossel sowie weitere Siebkapazität kommt. Für mehr MKP-Kapazität ist an dieser Stelle übrigens auch kein Platz und jetzt zeigt sich auch der Nachteil einer Platine: Das Lochrastermaß schränkt gewaltig
ein.
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