Ratz-Fatz

Und dann geht es – ratz-fatz – auf einmal ganz schnell. Erlebt man oft genug. Man geht abends ins Bett und wacht morgens in einer neuen Welt auf. Da sind dann neue Dinge, oder Altgewohntes gibt’s nicht mehr. Ratz-Fatz – einfach so. Doch das Gefühl trügt. So schnell und so plötzlich läuft gar nichts. Es gibt immer Zeichen, die eine Änderung ankündigen.

Nehmen wir beispielsweise die ehemaligen DDR-Bürger. Die »Revolution« damals konnte man nur noch »ignorieren«, wenn man blind und taub in seinem – von der Aussenwelt abgeschotteten – Kämmerlein saß. Selbst das »Auswechseln« der Führungsriege half nicht mehr. Und – ratz-fatz – gab’s die DDR nicht mehr.

Realitätsverweigerer sind so selten ja nicht. Nicht nur in der Politik. Sie sind auch in der Wirtschaft zu finden.

Ein Anzeichen, dass da etwas nicht stimmt, ist, wenn sich ein Unternehmen »neu orientiert« und/oder eine Führungsriege – von jetzt auf gleich – auswechselt. Wenn es dann die Spatzen von den Dächern pfeifen, ist es zu spät. Ein totes Pferd reitet man nicht…

Die HiFi- besonders die Röhren-HiFi Szene:

Ratz-Fatz scheint sich da was geändert zu haben. Einige Anbieter von Röhrenverstärker scheinen quasi »verschwunden« zu sein. In gewissen Diskussionsforen werden sie überhaupt nicht mehr erwähnt. In den Ergebnisseiten der Suchmaschinen rangieren sie mit einem »Keyword« nur noch unter »Ferner liefen«. Stattdessen tauchen neue Namen auf.

Die entsprechenden Homepages zeugen von vergangenen Tagen und selbst im Fratzenbuch ist der Patina-Ansatz deutlich zu sehen. Trend verpennt?

Dabei lebt gerade diese »Community« von Aktualität. Social-Media Marketing nennt sich das. Beweist letztendlich aber nur, wie Schnelllebig diese Zeit geworden ist. Das, was gestern noch »in« war, ist morgen »out«. Wenn man da nicht täglich etwas Neues liefert, ist man schnell weg…

Ein redaktionelles HiFi-Online-Portal hat sich da innerhalb kürzester Zeit – ratz-fatz – ebenfalls metamorphisiert. Da geht es nicht mehr nur um HiFi, wie Anfangs. Lifestyle muss es nun sein. Da wird nun mehr über Schnaps, Zigarren und Autos philosophiert. Dazwischen, locker eingestreut, ein Reisebericht. Hier und da eine »Rezension« einer CD-Neuerscheinung. Und zu guter Letzt versuchte man sogar einen Retro-Hype zu entfachen (was nicht funktionierte).

Ich habe nichts dagegen. HiFi ist nicht alles. Ich persönlich kann aber weder mit Schnaps noch mit Zigarren etwas anfangen. Das klingt zudem irgendwie nach Alt-Herren-Riege…

Und überhaupt: Richtig durchgegart erscheint das nicht. Ein nettes Mädel, die mit einer Western Electric 211 kokettiert, wäre dagegen als Eyecatcher nicht schlecht. Statt Playmate, das HiFi-Girl des Monats.

ohmy

Diese Idee ist übrigens nicht auf meinem Mist gewachsen. Das gab’s in den 1950’er Jahren schon. Sex sells. Man muss nicht alles so ernst nehmen.

Eine Warnung: Empfindsame Gemüter könnten sich an den dort gezeigten Bildern »stören«! Einen direkten Link auf das »explizite« Material erspare ich mir. Wer suchet, wird finden 😉 Wer dagegen mal wissen will, was »früher« lief, dem sei diese Website ans HiFi-Herz gelegt.

Untergangsstimmung scheint auch in der »offiziellen« HiFi-Presselandschaft zu herrschen. »Auf einmal« verzeichnet man – ratz-fatz – einen besorgniserregenden Abwärtstrend und versucht verzweifelt dagegen zu steuern. Mit der Folge, dass es nur noch schlimmer wird.

Die Zeiten ändern sich.

Man kann heute nicht mehr so verfahren, wie noch vor fünf Jahren. Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Das heisst nun nicht, dass man einfach nur – wie eigentlich immer schon – einen Trend hinther hechelt. Wie in der Politik auch, so gilt: Man sollte dem Volk schon auf’s Maul schauen (Martin Luther).

Hätte man das getan, so würde man heute über Retro-Plattenspieler (kommt mir bloss nicht wieder mit Technics…) schreiben und wie man diese wieder »in Schuss« bekommt. Da würde man beschreiben, wie man sich zuhause einen Musikserver aufsetzt… Ach, geht ja nicht. Von wegen Anzeigenkunden…

Davon profitieren die »echten« HiFi-Liebhaber und die »Freizeit-Journalisten«. Diese haben – ratz-fatz – ihre Marktlücke erkannt und erfolgreich besetzt. Bevor nämlich ein 50.000 Euro Plattenspieler seinen Besitzer wechselt, sind dreissig Retro-Plattenspieler restauriert und an den Mann gebracht. Und was das Redaktionelle betrifft: Losgelöst vom Werbekunden lässt sich wesentlich leichter über Dieses und Jenes »reden«. Die Klickzahlen im Online-Bereich beweisen, dass das goutiert wird.

Übrigens: Der kurzzeitig gepuschte »Mono-Trend« hatte noch nicht einmal die Halbwertzeit von einem halben Jahr erreicht.

Was der Trend ist?

Weiss ich nicht. Ich weiss nur, dass sich in meinem weiteren Bekanntenkreis keiner mehr findet, der Musik über die Heimkinoanlage laufen lässt. Weil es nämlich irgendwie nervig klingt. Das fing schon 2015 an…
Streaming? Eigentlich ein alter Hut. Da finde ich nämlich mehrere Bastlerlösungen, die aber alle eines gemeinsam haben: Eher zur Hintergrund- und Partybeschallung gedacht.
Musikserver? Ein alter PC oder ein Laptop haben schon vor zehn Jahren das Haus mit Musik versorgt…
Röhrenverstärker? Gibt’s das auch ohne »Bling-Bling«?

Und immer öfter werde ich nach einem solchen »kleinen« Stereo-Verstärker gefragt. Nix besonders. Kein Chrom, kein Plunder. Soll nur Stereo sein und vernünftig klingen. Zum »Selber-zusammenschrauben«…

– In diesem Sinne –
Friedrich Hunold

frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg’ ich ein Hörnchen.

Autor der Bücher:
Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen.
Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2):
Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und
EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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