Musik! Zwo, drei, vier…

Mit Musik durfte ich mich in den letzten Wochen auf eine ganz andere Art und Weise beschäftigen. Musik nur zu konsumieren ist eine Sache und einfach, sie zu »machen« eine ganz andere. Sie quasi zu verkaufen ist eine Sache, die alles andere als einfach ist. In meinem Fall hiess das, die Leute dazu zu bringen, ein Konzert zu besuchen.

Es war eine interessante Aufgabe, die ich übrigens freiwillig übernommen habe. Noch interessanter war die Vorgabe: Kaum finanzielle Mittel. »Idealismus«, »Improvisation« und eine hohe »Lernfähigkeit« (und das schnell) waren angesagt. Hilfestellung erhoffte ich von Leuten, die diesbezüglich Erfahrung hatten. Nunja, hoffen darf man ja mal…

Erkenntnisse

Aus diesem Abenteuer habe ich reichlich Erfahrungen mitgenommen. Jetzt betrachte ich eine Konzertveranstaltung mit ganz anderen Augen.

1. Social Media

Ohne Social Media läuft heute gar nichts mehr. »Früher« kleisterte man die Städte mit Plakate zu. Das kann man sich heute fast sparen. Social Media Plattformen sind die modernen Litfaßsäulen. Meine Einstellung zu diesen »Diensten« ist bekannt und muss das – wohl oder übel – nun etwas revidieren. Ich kann ja nicht dauernd den Account meines »GbR«-Partners kapern.

Tony Dowlers from the Hellhounds

Zur Plakatwerbung ein Tipp: Nicht zukleistern! Plakate da, wo die Zielgruppe ist. Und öfter kontrollieren, wenn sie nicht selber angebracht werden können… Wenn man Glück hat, findet man ein Plätzchen, das einem quasi »alleine« gehört. Zumindest für eine zeitlang. Denn hängt da erst einmal ein Plakat, kommen sehr schnell andere hinzu.

2. Reklamemaschine

Werbung für Konzerte läuft ganz anders, als die Werbung für ein Produkt (Röhrenverstärker, Lautsprecher, Butter und Brot…). Für ein paar Plakate, die (trotz Social Media) nötig sind, muss ein Eye-Catcher her und die Informationen müssen in fünf Sekunden erfassbar sein. Fünf Sekunden! Mehr Zeit hat man nicht.

Hier, auf dem platten Land, ist ein AC/DC-Cover relativ schnell erkennbar, weil das inzwischen Party-Mucke ist. Ich besuche solche »Tribute-Konzerte« schon nicht mehr. Was aber tun, wenn die Musiker bzw. die Band relativ unbekannt ist? Beziehungsweise die Musik, die sie zum Besten geben wollen? Wie nützlich der QR-Code sein kann, der auf die Band-Homepage verweist, habe ich zu spät erkannt. Memo an mich: Nächstes Mal nicht den QR-Code vergessen.

Apropos Homepage: Da hört Social Media auf. Bitte, liebe Musiker, achtet auf eine responsive und gut gepflegte Homepage. Das ist viel wichtiger, als jeder Social Media Dienst. In meinem Fall stammte die Homepage aus der Anfangszeit des Internets und war mit dem Smartphone kaum nutzbar.

3. Presse

Man ist extrem auf das Wohl und Wehe der Presse angewiesen. Wenn die Redakteure einer Tageszeitung einen Pressetext nicht beachten wollen, dann beachten sie den auch nicht. Da kann man sich auf den Kopf stellen. Nicht nur bei den »Special Interest« Monatsblättchen gibt es eine (lieblose) Pressemitteilung oft nur, wenn man Werbung schaltet. Oder es muss Platz gefüllt werden. Ist leider so. Leider ist es auch so, dass die Redaktion in »Pressemitteilungen« geradezu ersäuft…

Selbst wenn man einen ausgefeilten und fehlerfreien Pressetext abliefert, der zudem mit »Buzz-Words« nur so gespickt ist, heisst das nicht, dass er genauso abgedruckt wird. Das ist übrigens oftmals Azubi- bzw. Volontär-Sache. Und wenn der- oder diejenige keine Ahnung von Musik hat und meint, mit Gewalt Fehler einbauen zu müssen, kann man das nicht ändern…

Ich hatte (bzw. die Musiker hatten) Glück. In einer Tageszeitung saß ein Musik-affiner Redakteur. Also einer, der die Tonleiter unfallfrei spielen und Dur und Moll unterscheiden kann. Also selber Hobby-Musiker. Der haute einen Pressetext heraus, den man nicht besser machen konnte. Hier und an dieser Stelle: Hut ab.

4. Geld, Geld, Geld

Und das hat mich etwas überrascht. Jeder Veranstalter fragt nicht nach der Musikart, die die Musiker spielen. Die erste Frage ist: »Wat kost’ dat?« bzw. »Wie hoch ist die Gage?« Wirklich, jeder Veranstalter. Und dann fängt die geistige Registrierkasse an zu rattern.

Auch das kommt vor: »Rory Gallagher mag ich nicht. Können die zwei Stunden auch ZZ-Top?« Anmerkung: Auf der Setlist standen nur zwei Lieder vom Rory… Ein anderer Konzertveranstalter: »Lynard Skynard? Kenne ich nicht. Wer ist B.B. King?«

5. die Geburt

Stunden bevor das Konzert stattfindet, wird man nervös. Läuft alles so, wie geplant? Glauben Sie mir, als »PR-Mensch« und Veranstalter durchlebt man quasi eine Geburt und man schwört sich, dass man das nicht noch einmal macht. Zumindest nicht freiwillig.

Nachtrag vom 31.10.2017:
Wenn man Glück hat, gibt es von der Presse einen Konzert-Bericht. So auch in meinem Fall. Sollten »Konkurrenzveranstaltungen stattgefunden haben, müssen Sie »Ihre« Presse im Kontext lesen. Also auch die Berichte, die von anderen Konzerten stammen. Es ist gut möglich, dass »Ihr« Bericht gar nicht so schlecht abschneidet, wie es zuerst den Anschein hat…

Nach dem Konzert ist dann vor dem Konzert. Und das bringt mich zur unverhohlenen

Werbung

Und wenn es dann – wie in meinem Fall – so abgeht, wie bei den Tony Dowlers Hellhounds, dann hat man (fast) alles richtig gemacht.

Sollten also die Hellhounds zufällig in Ihrer Stadt spielen, dann dürfen Sie das Konzert besuchen. Wenn die Stimmung gut ist, kann es passieren, dass Tony Dowler über drei Stunden spielt. Und die Stimmung wird fast immer gut. In meinem Fall war es so, dass die Stimmung der überwiegend »reiferen Jugend« doch etwas »eskalierte«, was die Hellhounds nur noch weiter anstachelte. Das Konzertende erfolgte fast schon unter Androhung von roher Gewalt…

Wenn also die Hellhounds auftauchen, dann ist nicht auszuschliessen, dass ich da »zufällig« meine Hand im Spiel habe. Habe ich doch ausserordentlich gute Kontakte zu der »Tourverwaltung«. Anfragen? Immer her damit, ich leite es weiter.

Notizen aus der Provinz
Wenn die Hellhounds mit ihrem klapperigen Tourbus angereist kommen, erfüllt das jedes Klischee.
Die Jungs sind ausserordentlich sympathisch, machen fast jeden Spass mit, spielen aber leider nicht über einen Röhrenverstärker.

Appetizer? Bitte.

frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg’ ich ein Hörnchen.

Autor der Bücher:
Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen.
Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2):
Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und
EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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