TAC-834

Tic-Tac-Toe: TAC-834 Röhrenverstärker

So rein vom Prinzip her ist der TAC-834 die Stereoversion der VR80-Monoblöcke, nur eben mit anderem Namen. Prinzipiell gilt für diesen Verstärker deshalb dasselbe, wie schon im VR80-Artikel beschrieben. So rein vom Prinzip her. Leider hat der TAC-834 aber noch ein paar zusätzliche »Eigenarten« im Gepäck, die man mindestens als »kurios« bezeichnen könnte. Zumindest die Verstärker, die »vorne« mit 12AX7 (B) und 12AU7 bestückt sind.

Neuere 834’er weisen in der Vorstufe 6N3 Röhren auf. Ob die Beschaltung entsprechend geändert wurde (eine 6N3 ist ja keine 12AX7 oder 12AU7), kann nicht gesagt werden. Zurück zum »alten« TAC-834.

Neben den VR80-Eigentümlichkeiten weist der (alte) TAC-834 eine doch sehr »kreative« Beschaltung einiger Röhren auf. Die doch etwas zu dünn geratene Leiterbahn, die sich beim Lötvorgang nur zu gerne vom Trägermaterial ablöst, spielt dagegen nur für den »Lötkolbenjongleur« eine Rolle (Ganz ehrlich jetzt? Das Lötzinn ist eine Katastrophe). Da in dem TAC-834 zwei VR80-Monoblöcke quasi zusammengefasst werden, geht es auf der doppelseitigen Platine zudem sehr beengt zu und man muss an einigen Stellen schon höllisch aufpassen, will man nicht ungewollt eine Lötverbindung herstellen.

Das Netzteil steht, insgesamt gesehen, auf etwas zu wackligen Füssen. Hier sind lediglich die Siebelkos, die oben aus dem Chassis ragen, dem Bedarf eines potenten Leistungsverstärkers angepasst. Unter der Haube findet sich beim TAC-834 (Stereo) die gleiche Netzteilelektronik wie bei einem VR80-Monoblock. Also kann dieser Customize Bericht entsprechend kurz ausfallen (in genau der gleichen Reihenfolge):

  • Bestandsaufnahme
  • Zehnmal das Platinenlayout kontrollieren und ggf. korrigieren
  • Prinzipiell das gleiche Prozedere wie beim VR80, dazu
  • – Fehlende Bauteile ersetzen
  • – Wenn vorhanden, »überflüssige« Bauteile entfernen
  • Aber, man ahnt es vielleicht, ganz so einfach ist das alles nicht. Der TAC-834 ist, gemessen am VR80, ein eher seltener Gast – mal mit »Überraschungen«, mal gänzlich ohne. Es kommt irgendwie darauf an. Worauf? Weiss ich doch nicht. Eine genaue Bestandsaufnahme ist wirklich keine schlechte Idee. Auch gibt es manchmal Verstärker, die schlichtweg zurückgebaut werden müssen, weil irgendwer es zu gut mit dem »Tuning« gemeint hatte, letztendlich aber nicht die »Kuriositäten« des »alten« TAC-834 beseitigten.

    Kuriositäten-Schau

    tac-834_platine Einmal waren je zwei Elkos pro Kanal (also insgesamt vier Stück) »irgendwo« im Bereich der Ruhestromregelung (BIAS) angebracht worden. Das Wort »irgendwo« beschreibt es dabei »irgendwie« ziemlich genau. Hätte man das richtig gemacht, hätten acht Elkos eingesetzt werden müssen. Hätte man die Elkos dann auch korrekt beschaltet, hätte man nicht jenes EL34-Pärchen (pro Kanal) eine Nahtod-Erfahrung beschert. Permanent durchgebrannte Kathodenwiderstände verhinderten dann Schlimmeres.

    Und jetzt kommt eine ganz beliebte »Verschlimmbesserung« die man leider sehr häufig – und nicht nur bei diesem Verstärker – antrifft: Anstatt den Fehler zu suchen (und zu beseitigen), warum die Kathodenwiderstände »alle Nase lang« abrauchen, werden Hochlastwiderstände eingebaut – entweder 5W Metalloxid oder 10 Watt Zementbunker. Das hält dann zwar – aber ab einem gewissen Punkt machte dann die Schmelzsicherung nicht mehr mit (die flinke 5 Ampere Sicherung im Primärstromkreis des TAC-834 spricht sofort an, wenn etwas komplett aus dem Ruder läuft – jeder Trafoexperte dürfte jetzt stutzig werden…).

    tac834-fehlersuche Ein anderes Mal hatte ich es mit einem bösen, hinterhältigen und hundsgemeinen »Feature« zu tun. Die dicht an dicht, von oben nach unten und wieder nach oben geführten Leiterbahnen verhinderten einfach, dass einem der Layoutfehler mit Anlauf ins Gesicht springt. Seitdem steht in meinen Unterlagen, dass man das Platinenlayout besser zehnmal kontrolliert und den Dremel mit dem Schleifaufsatz (zum auftrennen der Leiterbahn) griffbereit hält.

    boese_fehler_1 Bei einem anderen Modell kam der Besitzer gerade noch rechtzeitig. Ein Elko litt unter akutem Vesuv-Syndrom und stand kurz davor, die Sollbruchstelle zu nutzen, um das letzte bisschen Elektrolyt auszuspeien. Ursache: Ein Siebwiderstand, der aufgrund der falschen Bauteildimensionierung in der Vorstufe und aufgrund eines Layoutfehlers hübsch heiss wurde und zudem so zugebaut war, dass eine Luftkühlung unmöglich war. Heisse Widerstände und Elkos – das sind Sachen, die sich überhaupt nicht vertragen. Der Elko altert dann im Zeitraffer, da kann er so gut sein, wie er will, irgendwann ist mal Schluss.

    taeter_opfer Hätten an dieser Stelle die üblichen (!) parallel geschalteten Kohlewiderstände gesessen, wären diese schon längst abgeraucht. Der Bock muss also bekannt gewesen sein und statt das Gerät als Ausschuss zu deklarieren, wurden zwei 5W Metalloxyd-Widerstände eingesetzt – und die geben ja nicht so schnell auf… Konkret: Zweimal 5W 10kΩ parallel geschaltet, halbiert den Widerstandswert auf 5kΩ, verdoppelt aber die Leistung auf 10W. Zehn Watt! Das ist schon eine Hausnummer. Wenn selbst so ein Brummer heiss wird (und das auch noch als Metalloxyd), dann darf man ruhig davon ausgehen, dass da etwas nicht stimmt.

    Generell scheint aber der »Schmier« auf der Platine normal zu sein. Das Zeug verhindert äussert zuverlässig, dass man zügig entlöten bzw. neue Bauteile korrekt eingelötet bekommt. Also ist mindestens eine Platinenwäsche (Quatsch, das ist eine chemische Reinigung mit »Schablonen- und Siebreiniger« von Kontakt-Chemie – nur im Freien anzuwenden – anders kommt man dem Zeug nicht bei…) angesagt.

    Auch das kommt mal vor: Manchmal war die Schaltungsmasse weder direkt noch indirekt mit dem Schutzleiter verbunden. Das Chassis selbst war zwar geerdet und üblicherweise stellt eine Befestigungsschraube der Platine dann den Kontakt zum geerdeten Chassis her. Die betreffende Schraube war zwar vorhanden, trotzdem hing die gesamte Röhrenschaltung »erdungstechnisch« in der Luft (Ursache: Der »Schmier« wirkt absolut isolierend).

    Nach der Runderneuerung und mit neuen Röhren kann der TAC-834 nun endlich seine Muskeln spielen lassen: Filigrane Kost (Klassik) verdaut er ebenso leicht wie kräftiges »Gerumse« (gibts auch im klassischen Bereich). Auch die Stereobühne ist »auf einmal« vorhanden.

    Das ist Hexerei! Früher wären Sie dafür verbrannt worden…

    Update 2014:
    Aktuelle Bilderstrecke aus Juli 2014. Es handelte sich um einen gebrauchten TAC-834, den der Kunde (trotz Hinweise meinerseits) lange Zeit für »toll« gefunden hatte. Bis es rauchte…

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    frihu

    …hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg' ich ein Hörnchen. Autor der Bücher: Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen. Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2): Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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