Her mit den kleinen Pentoden!

Genauer: Kleinsignal-Pentoden. Also die bösen Röhren, die rauschen, hochohmig sind, dem Klang auch noch ganz gemeine ungradzahligen Oberwellen (Klirr) hinzufügen und manipulierende Hirnwellen ausstrahlen. Deswegen hat man ja die kleinen Pentoden aus dem HiFi-Bereich verbannt. Zwei, drei Trioden in Kathodenbasis müssen es nun richten.

Oder eben, wenn eine hohe Verstärkung erforderlich ist, die SRPP nebst Derivate. Es scheint kaum noch HiFi-Röhrenverstärker ohne SRPP zu geben… Ach wie gut haben es da die Musiker. Da sind Pentoden im Eingang eines Verstärkers keine Seltenheit.

Das man sich mit Trioden auch ein, zwei Nachteile einhandelt, hat man natürlich verschwiegen. Pentoden waren (und sind) die Wurzel allen Übels. Punkt. Wenn das Pentoden-Rauschen nicht abschreckend genug wirkt(e), muss(te) sie zu allem Übel auch noch mikrophonisch werden. Letztendlich sieht man nicht oder kaum das betörende Glühen des Heizfadens. So etwas kann ja nichts sein. Ausser in der legendären 300B-Schaltung. So eine WE310A ist schon was Schickes, nicht wahr? Vor allem als Geldanlage. Und nur deshalb. Dabei ist es nur eine (gute) Pentode. Nicht mehr und nicht weniger. Genauso wie die 6BS7, 6C6 oder EF86.

In meinem Umfeld kenne ich übrigens keinen Röhren-HiFi-Bastler, der Pentoden generell verschmäht. Im Gegenteil. Weil man nämlich festgestellt hat, dass man sich ohne diese Gläser klanglich eine Menge vergibt. Für gewisse volltriodisierte japanische »Edelverstärker« hat man in diesen Kreisen – nunja – nicht viel übrig.

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Wenn man selbst anfangen will, mit Kleinsignal-Pentoden Verstärker zu bauen, dann gibt es leider ein paar Stolperfallen. Diese ergeben sich wohl dadurch, dass das Know How, über den Umgang mit solchen Röhren, wohl nicht mehr ganz so präsent ist. Auch kursieren »Berichte« bzw. Behauptungen, die zwar im Kern richtig sind, aber falsch und aus dem Zusammenhang gerissen, dargestellt werden. Man kennt das…

Also höchste Zeit, mal etwas für die kleinen Pentoden zu tun. Und vor allem mal ein wirklich gutes Vorstufenkonzept vorzustellen. Die Idee an sich ist aber nicht neu! Erwarten Sie deshalb keine Sensation.

Pentoden-Nachteile

Richtig ist, dass Pentoden ein höheres Eigenrauschen besitzen, als Trioden. Den Begriff »Pentodenrauschen« hört und liest man öfter, als »Triodenrauschen«. Ja, auch Trioden rauschen.

Noch mehr Nachteile

Pentoden erzeugen auch gerne ungradzahlige Oberwellen (Klirr). Je höher die Verstärkung, desto höher die Klirr-Anteile. Da Pentoden von Hause aus schon recht hoch verstärken – dazu sind sie auch mal erfunden worden – ist sie also auch nicht sonderlich Klirrarm. Und dann ist da noch die doch recht hohe Ausgangsimpedanz bedingt durch den sehr hohen Röhren-Innenwiderstand (Ri).

Und sonst so? Tja, das war es eigentlich schon.

HF = NF?

Diese Nachteile treten (bzw. traten) in der Hochfrequenztechnik, in Tuner bzw. Empfängerschaltungen, auf. Das schwache HF-Nutzsignal wurde durch die Pentode sehr leicht »verwässert«. Eine niederohmige Schaltung, in der HF-Technik generell eine gute Idee, ist mit Pentode so auch nicht machbar. Um diese Nachteile zu umgehen und trotzdem eine hohe Verstärkung zu erzielen, wurde die Cascodenschaltung erfunden. Die Cascode, als Vorläufer der SRPP, war zunächst die perfekte Symbiose aus Triode und Pentode… Das sollte hier und jetzt reichen. Wir sind ja nicht in der Hochfrequenztechnik.

Trotzdem. Irgendjemand transportierte dann genau diese Probleme Eins-zu-Eins in die NF-Technik mit der Folge, dass die Pentode ins Abseits gedrängt wurde. Genauso wie die Pentoden-Befürworter. Was das »Trioden-Zeitalter« Klangmäßig gebracht hat, ist bekannt. Das vor einer 300B (2A3 oder 845) eine Pentode gehört, scheint sich heute wieder langsam durchzusetzen. Übrigens: Etwa 40 Jahre nach diesem »Umsturz« benutzen die damaligen Trioden-Revolutionäre heute, ganz selbstverständlich, Kleinsignal-Pentoden. Natürlich keine Nachbauten, sondern – Achtung! – genau jene NOS-Gläser, die damals bis in alle Ewigkeiten verdammt wurden.

Im Mainstream ist die Kleinsignal-Pentode trotzdem noch nicht (wieder) richtig angekommen. Wenn hoch verstärkt werden muss, werden heute oftmals mehrere Trioden hintereinander geschaltet. Oder man baut eine (zu 95% fehlerhafte) SRPP. Also, wo findet man heute, in aktuellen HiFi-Röhrenverstärkern, eine Kleinsignal-Pentode? Auch wenn nicht mehr so hoch verstärkt werden muss.

Pentoden-Vorteil

Ist tatsächlich nur Singular. Kurz und knapp: Verstärkung. Ohne Probleme mit Mr. Miller (Triodenproblem) zu bekommen.

Pentoden richtig eingesetzt

Wenn man es richtig macht, kann man mit solchen Kleinsignal-Pentoden mehr erreichen, als mit Trioden-Ersatzschaltungen. Ganz ohne Klimmzüge oder klangtechnische Tricksereien, die manchmal erforderlich sind. Versuchen Sie mal mit nur einem Röhrensystem ein Phono-Vorverstärker aufzubauen, der von 5mV auf mindestens 500mV verstärkt und gleichzeitig entzerrt. Na?

Und schon wieder ein Problem

Wäre da nicht die doch sehr hohe Ausgangsimpedanz. Das Pentodenrauschen bekommt man noch mit geeigneten Röhren im Griff, aber eben nicht die hohe Ausgangsimpedanz. Neben Brummanfälligkeit, Fehlanpassungen macht sich auch noch jedes Zentimeter zuviel an Verbindungskabel deutlich bemerkbar.

Beim Stichwort »Ausgangsimpedanz« könnte nun jeder versierte Bastler eine Lösung präsentieren. Für »Anfänger« will ich aber zunächst mal die »bösen« Röhren selber vorstellen und dann auf eine böse Falle hinweisen, die oftmals gar nicht beachtet wird. Ich wäre auch fast darauf hereingefallen.

Pentoden-Familie

Generell muss man bei den Kleinsignal-Pentoden zwischen Breitband-Pentoden und reinrassigen NF-Pentoden unterscheiden. Die Breitband-Pentoden heissen nicht umsonst so und können nahezu überall eingesetzt werden. Manchmal, oftmals, eigentlich immer werden diese Röhrensysteme in der HF-Technik eingesetzt, weshalb sie dann auch HF-Pentode genannt werden. Frequenzen im Megahertz-Bereich gehören bei diesen Pentoden zur Normalität.

Die reinrassigen NF-Pentoden wurden (werden) ausschliesslich für NF-Zwecke hergestellt. So zB. die EF86. Diese hat mit anderen EF8x nichts am Hut. Die häufig eingesetzte Ersatzröhre EF80 (ausgewiesene HF-Pentode) ist keine EF86. Diese Röhre ist übrigens die letzte Erfindung für NF. Andere, ähnliche Röhren für NF, sind älter. Zum Beispiel die EF37. Die 6C6 bzw. die 210A (Western Electrics »Hausmarke« der 6C6), oder die 6BS7 sind amerikanischen Ursprungs (Europa hatte ja damals etwas anderes zu tun, als NF-Pentoden zu entwickeln).

frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg’ ich ein Hörnchen.

Autor der Bücher:
Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen.
Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2):
Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und
EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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