Ei, Ei, Ei – Urei

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Kurz zu dem »neuen« 509’er

Meine Intention »damals« war, das ich die SRPP »weg« haben wollte. Warum eine zweistufige Vor-Verstärkerstufe, wenn das auch mit einem einstufigen Verstärkerzug geht? Da lagen in meiner »Röhren-Schatzkiste« sehr viele alte, neue und gebrauchte, Pentoden herum, die sich mächtig langweilten. Warum also nicht damit?

»Früher«, also zu der Zeit, als man noch Röhrenverstärker entwerfen und bauen konnte, setzte man in der Vorstufe die Kleinsignal-Pentode EF86 ein. Es gab zwar andere Kleinsignal-Pentoden, aber die EF86 war speziell für NF gedacht. Dazu später mehr.

Eine EF86 fand sich aber nicht in meiner »Schatzkiste«. Dafür andere Pentoden, die mit wesentlich besseren Daten daherkommen. Eine einzige Pentode pro Kanal reicht oftmals vollkommen aus, um selbst »anspruchsvolle« Endröhren ansteuern zu können. Mein Problem: Es mussten drei »Noval-Löcher befüllt« werden. Zwei Löcher nahmen die Pentoden ein. Was tun mit dem dritten Loch? Ein offenes Loch sieht nach Baustelle aus und damit irgendwie doof. Eine Zappelanzeige mit magischem Auge sieht noch doofer aus.

Das Blöde bei den Pentoden ist, dass die Ausgangsimpedanz doch sehr hoch ist. Das kann man ändern, wenn man einen Kathodenfolger als Impedanzwandler nachschaltet. Hierzu reichte eine ECC82 und damit war das Problem mit dem »dritten Loch« gelöst. Ein Kathodenfolger verstärkt nicht, sondern steuert die Endröhre nur niederohmig an. Prinzipiell bleibt es bei einem einstufigen Vor-Verstärkerzug. Das klangliche Ergebnis: Ein »lebendiger« und »hochauflösender« Eintakter.

Im Gegensatz zu meinem Verstärker habe ich hier aber keine Noval-, sondern »Oktal-Löcher«. Zwei Stück pro Kanal. Das schränkt die Röhrenauswahl ein.

Pentoden-Vorstufe

Finden Sie mal eine gute Pentode in Oktal-Version. So etwas gibt es nur in »Alt«, also NOS. Seit meiner letzten »Röhrenkonvolutskiste-Kramerei« weiss ich jedoch, was ich habe. »Vorne« wird zukünftig eine EF39 von Mullard (aus dem »roten Zyklus« von Philips aus dem Jahr 1939) ihren Dienst verrichten. Trotz »Regelkennlinie-Feature« ist sie durchaus für reines NF geeignet und auch gedacht.

Vor gar nicht mal allzu langer Zeit wurde übrigens auch die PCC189 (die ich damals in meinem Verstärker eingesetzt hatte) untauglich für HiFi erklärt. Aus den gleichen Gründen. Mittlerweile scheint man sich Besonnen zu haben und sie gilt nunmehr als preiswerter und durchaus ebenbürtiger Ersatz für eine NOS-ECC88.

EF39

Anders, als man nun vermutet, ist die EF39 keine Nachfolgeröhre der EF37 bzw. EF37A. Die EF39 ist die von Mullard verbesserte Version der Philips-Röhre EF9 von 1938 (mit Quetschfuss-Sockel). Auch wenn man eine EF39 von Philips, Valvo oder von »Was-weiss-ich« in den Händen hält – das ist eigentlich eine Mullard-Röhre.

Kleine Anekdote nebenbei: Kurz nachdem die EF39 (1939) vorgestellt wurde, präsentierte Philips (mittlerweile zu »Gast« bei Mullard in England) die EF50. Diese Röhre war der Durchbruch in der noch jungen Radartechnik. Nach dem Krieg mutierte die EF50 zur EF42 und die wiederum zur EF80.

Warum nicht EF37A?
Die EF37A (bitte auf das Anhängsel »A« achten, von 1942) kann wegen des bifilar gewickelten Heizdrahtes als Vorgängerröhre zu EF86 gelten. Die spezielle Konstruktion des Heizdrahtes diente damals der Brummminimierung in NF-Schaltungen, weil damals alle Röhren mit Wechselspannung beheizt wurden. Die »einfache« EF37 oder das P-Pendant zur EF86 (also PF86) besitzen »nur« den einfachen Heizdraht, sind ansonsten elektrisch gleich (und billiger).

Nachteil: Eine EF37A gibt es so gut wie gar nicht mehr. Da aber die EF39 mit Gleichspannung beheizt wird, ist der »bifilare Heizdraht« uninteressant geworden. Auch hat die EF39 den Vorteil, dass sie ziemlich schnell auf »touren« kommt. Da sollten die anderen Röhren mithalten können. Philips achtete übrigens schon damals darauf, dass die Röhren »universell« einsetzbar waren. Clever, clever…

Die Verstärkung der EF39 wird auf »moderat« ausgelegt. Was man bei Pentoden eben so moderat nennt. Moderat deshalb, weil erstens die Endröhre sehr genügsam und zweitens dies fast schon ein Garant für ein langes Röhrenleben ist. Gleichspannungsgekoppelt schlängelt sich das verstärkte NF-Signal dann über einen 2W Carbon Composit Widerstand (wie auch die EF39: echtes, altes, Material) hin zu einer

Triode

Was gibt es an Trioden mit Oktalsockel? Richtig, 6SN7. Oder eben das russische Pendant 6H8C. Kann man alles nehmen…

vorstufe-pl509

Wie auch bei meinem Verstärker wird die Triode als Impedanzwandler geschaltet. Der Carbon Composit Widerstand hat hier übrigens zwei Aufgaben: Einerseits Schwingschutz, andererseits »dreht« der Widerstand, subtil, am Klang. Über einen Koppelkondensator geht’s dann zur …

PL509

Es standen zur Auswahl: Winged-C EL509-2 (Oktalfassung, ohne »obenliegende« Anode), Winged-C 6S42 und Tesla PL509 (beide mit Anode »on top«). Es wurde die Tesla PL509.

Wie bekannt sein dürfte, werden die 509-Gläser in meinen Schaltungen als ganz »normale« Pentode angesteuert. Naja, fast. Nix mit »Enhanced Mode« oder Schirmgittermodulation. Diesbezüglich bin ich ein bisschen zwiespältig aufgestellt, weil diese Idee aus einer Zeit stammt, als man damals den Röhren zwanghaft Transistoreigenschaften anerziehen wollte. Und so klingt es dann auch. Irgendwie.

EL509 # PL509
Anders als es die Datenblätter vorgaukeln, ist die PL509 (egal ob da Philips, Siemens oder Tesla draufsteht) »irgendwie« keine EL509. Die Winged-C Röhren erst recht nicht. Sie verhalten sich in NF-Schaltungen doch etwas unterschiedlich. Ist kein Witz!

Wenn man sich mit derartigen Röhren beschäftigt, dann sollte man schon über einen gewissen Erfahrungsschatz verfügen. Ausserdem ist ein guter Draht zu einem Funkamateur nicht schlecht. Die kennen sich mit so etwas aus und wissen, wie man solche Röhren »bändigt«. Die Funkamateure wollen zwar Hochfrequenz, das aber in »geordnete Bahnen«.

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frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg' ich ein Hörnchen. Autor der Bücher: Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen. Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2): Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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