Wie oft der 6AS7G Röhren-Vollverstärker aus meinem Buch Hören mit Röhren nachgebaut wurde, kann ich nicht sagen. Es müssen aber, wenn man die Anzahl der Rückmeldungen zugrunde legt, einige hundert Exemplare sein. Obwohl das Buch und damit der Schaltplan nun schon in die Jahre gekommen ist und sich einiges geändert hat (z.B. die Verfügbarkeit und Qualität der verwendeten Endröhren), erfreut sich dieser Verstärker nach wie vor grosser Beliebtheit und reger Nachfrage nach eventuell verfügbaren Verbesserungen.
Zeit also, diesen Röhren-Vollverstärker aufzubohren und aller 6AS7G-Hype zum Trotz (die übrigens erst durch das Buch entfacht wurde), das maximal mögliche aus dieser Schaltung herauszukitzeln. Entscheidendes Kriterium für dieses update ist einzig und allein das klangliche Ergebnis.
update: 14.12.2011
Obwohl schon länger bekannt, komme ich erst jetzt dazu, dieses update hinterher zu schieben. Einige Aussagen, Bauteilempfehlungen und Messwerte von damals sind schlichtweg falsch. Betrachten Sie bitte diesen Artikel als Reissbrett-Entwurf! Ein Nachbau, so wie beschrieben, ist nicht so ohne weiteres möglich. Ich bemühe mich um schnellstmögliche Korrektur, die dahingehend ausgerichtet wird, die Erkenntisse dieser Erweiterung mit dem ursprünglichen Verstärkerschema zu verbinden. Erste Tests laufen bereits und lassen Gutes erahnen…
Das Konzept eines quasi-symmetrischen Verstärkers hat aufgrund der klanglichen Vorteile viele (mehr oder minder gute) Nachahmerschaltungen hervorgebracht. Obwohl das Schaltungskonzept an sich ein alter Hut ist, wurde es erst durch »Hören mit Röhren« und mit dieser Röhrenbestückung populär. Einige technischen Eckpunkte und Merkmale der Originalschaltung:
Leistung: knapp 15W
Frequenzgang: 16Hz - 35kHz 45kHz (-3dB) bei 10W(!)
Betriebsart: Gegentakt-AB
Eingangsempfindlichkeit: 250mV
niedrigere Eingangsimpedanz
quasi-symmetrische Vorstufe
Umrüstung auf XLR-Eingang möglich
einfache Schaltung…
…daher auch für Anfänger geeignet
Aus »Hören mit Röhren«: 6AS7G-Röhrenverstärker (1999)
Die Ursprungsschaltung dieses 6AS7G-Verstärkers beinhaltete keine Gegenkopplung. Das machte diesen Verstärker einerseits recht pflegeleicht im Zusammenspiel mit den unterschiedlichsten Lautsprechern, andererseits wurde der Verstärker unter bestimmten Betriebsbedingungen instabil. Auch falsch dimensionierte Übertrager und/oder mangelnde Qualität der Endröhren selber führten oftmals zu Frustpotential.
Diverse Experimente mit einer Über-Alles-Gegenkopplung (quasi als Notfallhilfe) erwiesen sich schnell als vergebene Liebesmüh': Der Klang verschlechterte sich proportional zur erzielten Stabilität. Man muss also die Sache ganz anders angehen. Ich konzentrierte mich daher zunächst auf das Netzteil.
In der Ursprungsschaltung wurden die 6AS7G-Röhren über einen Röhrengleichrichter (GZ34 oder zwei parallel geschaltete EZ81), der Vorstufen- und Treiberbereich (ECC83 und ECC82) wurden hingegen durch einen Brückengleichrichter mit Spannung versorgt. Auffällig war, dass der Verstärker mit ganz viel µF-Siebungskapazität protzte - auch für die ECC83 und ECC82. Die Kanaltrennung erfolgte, damals ein Unikum, mittels kleiner Serienwiderstände und nachgeschalteter Siebungskapazität (man bedenke, dass damals für den High-fidelen Stereoliebhaber Monoblöcke ein unabdingbares Muss war).
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