Behördenkram

Ein bisschen Behördenkram ist ja immer. Was wären wir nur Ohne. Ja, gut. Es will alles geregelt sein, damit alles seine Ordnung hat und es keine Streitereien gibt. Aber gerade die bürokratischen Amtsschimmel sorgen oft genug genau dafür. Dass es beispielsweise in einem Online-Shop kaum etwas für Nüsse gibt, sollte eigentlich klar sein. Nicht so beim wiehernden Schimmel.

Den Abzockern aus den »Neulandstagen« des Internets sei Dank, erklärt der Amtsschimmel die Internet-Nutzer seit einiger Zeit für dämlich. Oder, je nach Gusto, für »Selbstbestimmend«.

Die Auflagen, einem Nutzer unmissverständlich klar zu machen, dass es etwas kostet, wenn er dieses oder jenes im Online-Shop macht, sind nicht zu unterschätzen. Genausowenig wie man nicht den neidischen Mitbewerber unterschätzen sollte…

Datenschutz ist auch so eine Sache. Beziehungsweise es wird eine Sache werden. Nun hat Deutschland ja bereits recht gute Bestimmungen (gehabt), was den Schutz der Privatsphäre und der Daten regelt, aber ein bisschen geht noch. Deshalb…

In eigener Sache

Nun will die EU mit einer neuen Datenschutzverordnung (kurz: DSGVO) für klare Kante sorgen. Und sind damit – meiner Meinung nach – sehr weit übers Ziel hinausgeschossen. Und dieses DSGVO hat es wirklich in sich und wird garantiert dafür sorgen, dass es nun erst recht Streit geben wird. Da bekommt selbst das simple E-Mail Kontaktformular einer Website etwas Anrüchiges.

Deutscher Behördenkram ist eine Sache.
Europäischer Behördenkram eine ganz Andere.

Sie werden sicher schon den Link oben rechts zur Datenschutzerklärung bemerkt haben. So ein Pamphlet wird spätestens Anfang Juni 2018 Pflicht werden. Die bisherige Datenschutzerklärung reichte ja offenbar nicht aus. Ganz ehrlich jetzt: Mich persönlich interessieren Ihre Daten nicht. Und ob Sie es glauben oder nicht, mich interessiert noch nicht einmal die Seitenstatistik. Das Einzige, was mich interessiert, sind die unzulässigen Zugriffsversuche. Die Anzahl ist übrigens beachtlich.

Das DSGVO gilt übrigens auch in der Offline-Welt. So wie ich das sehe, muss neben der AGB auch die jeweilige Datenschutzerklärung zugänglich sein. Bin ja mal gespannt, wie so manche »Fitness-Clübchen« das regeln wollen. Die haben doch jetzt schon Schwierigkeiten mit der richtigen Handhabung der AGB…

Ganz normale, technische Vorgänge müssen nun auch explizit hervorgehoben werden. Nur um zu erklären, dass es gar nicht anders machbar ist. Prinzipiell muss man als Gewerbetreibender den Besucher der Website erklären, wie Internet funktioniert und was mit den Daten, die da (zwangsläufig) abgeliefert werden, passiert. Je nach Art des Online-Angebotes kann die richtige Datenschutzerklärung schon mal eine abendfüllende Lektüre werden.

Ich denke, jeder sollte mittlerweile begriffen haben, dass man sich im hellen oder dunklen Internet (auf Dauer) nicht unerkannt bewegen kann. Auch nicht mit TOR. Da will ich gar nicht wissen, wieviele Exit-Knoten von berufsmässigen »Schnüfflern« betrieben werden.

Auch das surfen mittels HTTPS, welches auch ich eingeführt habe, ist so eine Sache. Was meine Website betrifft, da gibt es eigentlich nicht viel, was einer Verschlüsselung bedarf. Genau genommen gar nichts. Aber, nun gut.

Die Sache mit den Cookies ist auch so ein Ding… Da gibt es nämlich noch kein Gesetz, was explizit vorschreibt, dass der Nutzer der »Cookie-Geschichte« zustimmen muss. Aber, weil er ja jetzt zuzustimmen hat, werden – und da möchte ich wetten – garantiert auch sog. Tracking-Cookies eingesetzt. Cookie ist Cookie. Nutzer hat zugestimmt. Ein Bärendienst…

Die Hype um »sicheren E-Mailtransport« ist auch völlig bekloppt. Die einzig (fast) sichere Methode ist übrigens die Verschlüsselung vor dem Absenden und das lokale (!) Entschlüsseln beim Empfänger (die sog. Ende-zu-Ende Verschlüsselung). Sie wissen ja schon, dass seit 9/11 in jedem Rechzentrum mindestens eine SINA-Box steht? Stehen muss. Angeblich aus Gründen der Sicherheit. Wer’s glaubt…

Für Berufsstände, die zB. Internettechnik bereit stellen, wird es extrem haarig. Da dürfte es zu der einen oder anderen »erzwungenen Marktbereinigung« kommen. Für Betreiber von Shops, Blogs oder Foren wird die Datenschutz-Umsetzung nach DSGVO auch kein Pappenstil. Wenn dazu noch ein fehlerhaftes Impressum (was wirklich eine Kunst ist) kommt, dann kann man sich auf unliebsame Post einstellen. Es dürfte keine Frage sein, dass zunächst »Exempel« statuiert werden. Das war immer schon so. Für die Exempel werden natürlich zunächst kleine, aber relative medienwirksame, Fische bevorzugt. Ein Verstoß gegen DSGVO kann schmerzhaft werden. Da ist die falsche Wiederrufsbelehrung, die man in einem Online-Shop stehen hat, weil man mit den »Updates« nicht hinterher kommt, eine Lachnummer.

Auf ein Wort:
Es gibt auf beiden Seiten Betrüger »linke Zeitgenossen«. Nur hat der »Verbraucher« meist den starken Arm des Gesetzes auf seiner Seite. Der Gekniffene ist fast immer der Gewerbetreibende. Besonders schlimm sind da die »Verbraucher«, die in Foren Lug und Trug verbreiten, weil sie den Rechtsweg (zurecht) fürchten. Und es gibt genug Idioten, die das auch noch – ohne zu hinterfragen – glauben und sich zu Eigen machen.

Für die »privaten« Website-Betreiber, die Werbebanner eingebunden haben, dürfte die Schonzeit auch vorbei sein. Waren sie bisher, fiskalisch gesehen, ein kleiner Fisch den zu verfolgen es sich nicht lohnte, werden sie nun durch das DSGVO zu »Datenhändler« und damit zu Gewerbetreibende. Die Folgen kann man sich ausmalen…

Doch was nützen die europäischen Datenschutzbemühungen, wenn die schlimmsten Gangster gar nicht in der EU beheimatet sind? Betreiber von »Special Interest« Angeboten operieren schon lange von ausserhalb der EU. Von den »harmlos« wirkenden Diensten gar nicht zu reden. Im Land des Trumpeltiers lachen die sich über die EU scheckig und scheren sich einen Dreck darum. Ja, gewisse Kreise freuen sich sogar über dieses DSGVO – können sie nun erst Recht anonym agieren. Die Executive versucht bereits, genau das zu verhindern… Geht es nach DSGVO müsste Windows und Fratzenbuch verboten werden.

Auch diese Firmen haben massiv Lobbyarbeit betrieben. Und nicht nur die. Achten Sie bei dem verlinkten Artikel mal auf das Datum.

Nicht das wir uns missverstehen: Ich bin für Datenschutz. Dann bitte auch konsequent. Was ist beispielsweise mit den sog. Inkassodiensten oder Auskunfteien? Was ist mit den Suchmaschinen? Was ist mit Fratzenbuch und Co.? Was ist mit den RFID-Chips? Was ist mit den Überwachungskameras? Wer schützt die ehrlichen Betreiber von Homepages vor den (angeblichen) Datenschützern? Wer schützt uns vor den Idioten, die das Wort Privatsphäre nicht kennen und der Welt tagtäglich beweisen, dass das Hirn wohl bei der Geburt heruntergefallen ist?

Datenschutz hört da auf, wenn es um Sicherheit geht.
Sobald ich einen deutschen Flughafen betrete ist es vorbei mit Privatsphäre und Datenschutz. Nach Holland an die Nordsee? Die Autobahnen rund um die Großstädte sind gespickt mit Kameras. Das gefürchtete Trajectcontrol dient (angeblich) nicht nur zum Aufspüren von Verkehrssündern. Es soll da durchaus vorkommen, dass man sich rechtfertigen muss, wenn man von A nach B eine andere Pendler-Strecke gefahren ist, als sonst üblich.

Da ist Deutschland geradezu ein Musterknabe, was Privatsphäre und Datenschutz betrifft. Um nochmals auf E-Mail sprechen zu kommen: SINA liest mit. Auch beim FAX. Davon ist beim DSGVO allerdings nicht die Rede…

Eins wird das DSGVO wohl hoffentlich bewirken: Die Online-Werbung, die die CPU-Last auf 100% schiessen lässt (wenn man sich nicht davor geschützt hat), wird wohl kurzfristig etwas abnehmen. Genauso wie das Tracking eigentlich »seriöser« (Nachrichten-, Wetter-) Websites.

Dem Vernehmen nach haben einige Anbieter von Online-Angeboten ihren Betrieb schon eingestellt. Andere denken darüber nach. Und ich denke darüber nach, ob es sich noch lohnt, einen regulären Shop online zu stellen.

Zu guter Letzt: Es ist gut möglich, dass meine Datenschutzerklärung »falsch« ist. Eigentlich weiss auch keiner, was da hinein gehört und was nicht. Wer blind kopiert ist selbst schuld. Wohl oder übel muss man den 25.5.2018 abwarten, Tee trinken und hoffen, dass nicht irgendwelche neugegründeten »Datenschutzverbände« plötzlich die Hand aufhalten, weil eine Formulierung nicht richtig ist.

– Friedrich Hunold –

PS: Ihr Besuch gerade auf jener Causal-Dating Website bleibt unser Geheimnis. Meine Kontonummer…

PPS: 08.05.2018
Der Artikel ist redigiert und erweitert worden. Übrigens: Wenn meine Informationen richtig sind, dann ist die »offizielle Datenschützer« -Personaldecke spürbar aufgestockt worden – mit der Maßgabe »zu liefern«.

frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg' ich ein Hörnchen. Autor der Bücher: Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen. Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2): Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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