Gehäuse für Röhrenverstärker

Immer das Gehäuse bzw. das Chassis. So manches Selbstbauprojekt scheitert bereits an der Gehäusefrage. Ein Grund sind die Kosten. Denn, wenn es nicht nur funktionell, sondern auch noch »ansehnlich« werden soll, wird’s teuer. Richtig Frust kommt dann aber auf, wenn man, als Allround-Heimwerker, sein Können bei der Bearbeitung eines Selbstbau-Gehäuses etwas überschätzt hat.

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Holz

Holz ist beliebt, weil es sich relativ einfach bearbeiten lässt. Die im Baumarkt angebotenen Stapelkisten (Kiefer, Buche) sind da ein gutes (und preiswertes) Ausgangsmaterial. Zumindest hat man damit schon einmal eine »Zarge«. Der große Rest erscheint wie ein Kinderspiel – wenn man das entsprechende Werkzeug hat. Vorteil: Kleine und mittelgroße Fehler lassen sich leicht kaschieren.

Aber Vorsicht! Holz leidet an ein »Billig-Image« – was aber ein Trugschluss ist. Richtig bearbeitet und aufgehübscht ist ein Holz-Gehäuse bzw. -Chassis keinesfalls billig zu nennen. Auch muss man an die Abschirmung denken. Eine fehlende oder mangelhafte Abschirmung wird man schnell zu hören bekommen. So eine metallene Abschirmung (Metallfolie oder -Gitter) verteuert die Geschichte dann auch wieder spürbar.

Ob man gegenüber einem Metallgehäuse nun wirklich soviel spart, sei also dahingestellt.

Eine »Holzkiste« ist aber immer dann ideal, wenn man etwas ausprobieren will. Nicht alles lässt sich am Computer simulieren. Für die alten Röhren, die ich beispielsweise verwende, gibt es erstens gar keine Modelldaten und zweitens bin ich mit der Try-and-Error Methode wesentlich schneller am Ziel (Na gut, etwas Erfahrung ist da natürlich sehr hilfreich).

Metall

Die metallische Elektronik-Behausung ist eigentlich ideal. Weniger ideal ist die Bearbeitung. Geht man hier zu ambitioniert an die Sache heran, dann ist da kaum noch etwas zu retten. Das richtige Werkzeug und Kenntnisse in der Metallverarbeitung sind zwingend erforderlich.

Diese Kenntnisse hat aber heutzutage aber kaum noch ein Elektronik-Bastler. Auf das »Gehäuse nach Maß« haben sich einige wenige Firmen spezialisiert und bieten ein professionell verarbeitetes Gehäuse nach Kundenvorgabe an. Vorausgesetzt man kann die notwendige technische Zeichnung selber erstellen. Und das ist gar nicht so einfach, wie es sich anhört. Man muss sprichwörtlich an alles denken – die Maschine, die schlussendlich das Werkstück bearbeitet, kann schliesslich nicht wissen, wo sie welches Loch »lasern« soll.

Was mich betrifft: Einen Schaltplan zu erstellen ist kein Problem. Bei einer rein technischen Zeichnung bekomme ich aber wirklich krumme Finger…

Kosten

Wie bereits aufgeführt ist Holz als Ausgangsmaterial zwar sehr preiswert und lässt sich relativ leicht (selber) bearbeiten, aber das richtige (professionelle) Finish geht wirklich ins Geld. Bei einem Metallgehäuse ist das genau umgekehrt. Nicht das Metall an sich ist/wird teuer, sondern die Bearbeitung.

Und das heisst in vielen Fällen: Die Programmierung der Maschine. Heute steht kein Mensch mehr mit der Bohrmaschine und Feile am Werkstück. Entweder wird Millimetergenau gefräst oder gelasert. So paradox es klingt: Jedes Loch kostet Geld, was oftmals durch fehlende Lüftungslöcher »kompensiert« wird (sieht man selbst bei teuren High-End Verstärkern).

Als Einzelstück darf man sich über die stolze Summe von dreihundert Euro und mehr nicht wundern. Soll jetzt auch noch richtig (!) verchromt werden, dann darf man nochmals zweihundert Euro hinzurechnen. Preiswerter wird’s, wenn man lackiert oder aber pulverbeschichtet – nach Möglichkeit mit üblichen RAL-Farben.

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Bild zeigt ein »Universal-Gehäuse«. Darin kann man nun alles hineinpacken, was einem so gerade einfällt: 845, 300B, GM70 und mit entsprechenden Adapterplatten auch EL509 oder KT88. Ausbrüche für die Trafos: passend für M102(A/B) oder PM114. Ausbrüche für 4 Cinchpaare, 4 & 8 Ω Lautsprecheransachlüsse, Kaltgeräte-Netzbuchse, Phasenglimmlampe, Kanalwahl, Lautstärke und für einen richtigen Männer-Klack-Netzschalter.

Auch ein Wassertransferdruck ist nicht preiswert zu nennen. Kalkuliert man hier mit etwa zweihundert bis dreihundert Euro, wird man nicht überrascht.

Verchromen?

Ich mag diese »kalte« Hochglanz-Optik nicht sonderlich. Auch Chrom wird irgendwann etwas unansehnlich und ich darf versichern, dass Chrom sehr »allergisch« auf ein zu hartes Putztuch reagiert. Und überhaupt: Es gibt durchaus umweltfreundlichere Galvanisierungsarten, die auch wesentlich besser zur Röhrentechnik passen.

Nicht umsonst ist momentan gebürstetes Aluminium sehr modern. Zumindest als Frontplatte. Gerade da, wo die »Fettfinger« hinkommen, ist so eine Alu-Front von Vorteil. Und sehr pflegeleicht. Die paar verchromten Trafohauben, die jetzt noch bei mir im Einsatz sind, sind übrigens pflegeintensiver als mein Telefunken S600.

Trotzdem hat mich das nicht abgehalten, zwei verchromten Chassis aus einem Kleinanzeigenportal herauszuholen. Ursprünglich beherbergten diese Metallchassis bekannte Monoblöcke mit vier EL34 pro Block.

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Für mein neues Projekt sind diese Metallchassis ideal. Aber anstatt Monoblöcke werden es Stereokisten (Nachbau eines »historischen« Röhrenverstärkers in Studiotechnik). Die passenden Übertrager sind schon da… Ne, ich sach da ma nix mehr weiter zu…

Bastlerlösungen

Es gibt elektronische Schaltungen, für die lohnt sich kein teueres Gehäuse. Eine Abzweigdose mit Aluminiumfolie ausgekleidet beherbergt bei mir beispielsweise einen »RIAA-Simulator«. Die verwendeten Cinchbuchsen waren das Teuerste dieses Adapters, der ja notwendig ist, wenn man einen Phono-Pre durchmessen will.

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Auf die Idee mit der Abzweigdose bin ich nur deshalb gekommen, weil ich kein passendes Bonbon-Metalldöschen auftreiben konnte bzw. verwenden durfte. Wie auch immer – das »Kästchen« tut seinen Dienst. Als nächstes ist der HF-Sniffer dran…

Apropos Phono-Pre: »Mein« PasAk-Vorverstärker hat nun sein neues Zuhause in einem Alu-Gehäuse aus dem Land der Mitte gefunden. Preis? Gegenüber hiesige Verhältnisse lächerlich.

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Die Bearbeitung (Cinchbuchsen, Netzschalter und Lüftungslöcher in der Bodenplatte) war einfacher als zunächst angenommen. Alles was man braucht sind gute Bohrer, etwas Brennspiritus und Geduld.
Hierzu der Hinweis, dass ich das Entzerrernetzwerk nun mit Kiwame-Kohleschichtwiderstände ausgestattet habe.

frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg’ ich ein Hörnchen.

Autor der Bücher:
Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen.
Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2):
Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und
EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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