Ariand T84-P

Der Ariand T84-P sieht nach einem netten und einfachen EL84-Gegentakter aus. Aufgrund der Röhrenbestückung (ECC83, ECC82, EL84) vermutlich eine Reminiszenz an den legendären Leak ST20. Nur eben kleiner, hübscher und schaltungstechnisch scheinbar in das Hier und Jetzt gehievt. Zusätzliches Schmankerl: XLR-Eingänge und zuschaltbarer Kopfhörer-Anschluss.

Reminiszenz? Einfach? Leak?
Quark.
Bis auf hübsch, nett und klein, bleibt nichts übrig. Schaltungstechnisch hat das mit Leak überhaupt nichts zu tun und insgesamt ist alles eher unnötig… Nunja… kompliziert, teilweise komplett daneben.

Das fängt schon beim Kopfhöreranschluss an. Um den Kopfhörer bestimmungsgemäß zu aktivieren, sind manuell zwei Schalter zu betätigen. Eigentlich unnötig, da die verbaute Kopfhörerbuchse quasi einen Schalter mitbringt, der den Lautsprecher ab- und den Kopfhörer zuschaltet, wenn die Klinke eingestöpselt wird.

Oder die Art, wie der Verstärker zusammengeschraubt ist. Beim T84-P ist die Platine an der Bodenplatte verschraubt. Es blieb auch wohl nichts anderes übrig, weil nämlich die Oberseite des Chassis eine leichte Wölbung aufweist.

Oder die Steckverbindungen erst, die irgendwann geradezu einen »Wackel-Dackel« provozieren…

Es ist ein Erfahrungswert, dass es »interessant« wird, wenn selbst die einfachste Konstruktion etwas ausserhalb der Norm ist.

Und es ist ebenfalls ein Erfahrungswert, bestimmte Röhrenverstärker noch nicht einmal mehr mit der Kneifzange anzufassen. Besonders, wenn die China-Lötstation quasi ein Versteckspiel betreibt. Trotz diverser Vorsichtsmaßnahmen lässt es sich aber nicht immer verhindern, dass sich solche »Konstrukte« trotzdem auf der Werkbank ein Stelldichein geben…

t84p-1

Push-Pull mit EL84

Verstärker mit EL84 hatte ich schon ewig nicht mehr auf meiner Werkbank stehen. Damit bin ich mal angefangen und habe so die eine oder andere Erfahrung sammeln können. So klein dieses Pentödchen aussieht, hat es doch einiges zu bieten. Sowohl leistungsmäßig als auch klanglich. Die Musiker wissen das schon länger. Wer nämlich so einen alten VOX AC15 oder AC30 spielt, der gibt ihn nicht so leicht her.

EL84-Verstärker sind übrigens im HiFi-Bereich eher selten anzutreffen. Da setzt man lieber auf die »Oktalversion«: die 6V6. Quasi die »Beam Power Tetrode«-Version einer EL84-Pentode. Ich kann mir denken, warum…

Bei der Arbeit an dem T84-P entstand dann auch die Idee, mal einen kleinen Artikel über EL84-Verstärker zu schreiben. Kleine Pentode, kleiner Artikel – nichts »Besonderes«. Auch wenn die EL84 – technisch gesehen – keine grossen Ansprüche stellt, erwartet sie zwingend, dass man sich an die Regeln – sprich Angaben des Datenblattes hält. Die »allgemeinen« Basics der Röhrentechnik hat man entweder schon intus, oder man ist bereit, zu lernen.

Die Fehlermeldung, mit dem dieser Verstärker hier ankam, klang seltsam: ein sporadisches Krachen und Knallen und in den Musikpausen ein deutlich hörbares Rest-Radioprogramm. Also das, was noch nicht ganz aus dem Äther verschwunden ist.

Kaum angekommen, wurde der T84-P schnell ausgepackt. Das Ergebnis:
Optisch – Yarland. Haptik – Yarland. Olfaktorisch – Verwesung.

Und jetzt muss ich mal etwas ausholen…

Yarland

Hinter dem Namen Ariand steht Yarland. Sowohl Yarland als auch Ariand kennzeichnen eigentlich Produktlinien. Yarland an sich ist bekannt dafür, Verstärker mit einer hohen »Packungsdichte« zu konstruieren. Da wundert man sich manchmal, was alles in so einem niedlichen Gehäuse passt. Und was nicht passt, wird manchmal passend gemacht. Irgendwie.

So steht Yarland für einen Aufbau, der, aus Platzgründen, ein hohes Maß an Improvisationstalent einfordert. Der gleiche Röhrenverstärker aus einem anderen Produktionszyklus kann auch schon mal etwas anders aussehen. Auch Schaltungstechnisch. Um es mit Forrest Gump zu halten: Verstärker von Yarland sind manchmal wie eine Schachtel Pralinen…

t84p-3b

Damit auch alles ins hübsche Gehäuse passt, bedient man sich häufig »getrickste« Trick-Schaltungen. Dann wird es besonders »interessant«, weil das Getrickse eigentlich nicht nötig gewesen wäre. Wie auch immer: Bis zu einem gewissen Punkt funktioniert alles. Keine Frage.

Nun hat Yarland aber mit dem F34-Verstärkermodell bereits einen EL84-Röhrenverstärker im Programm. Schaltungstechnisch sogar… Nunja… Geht in Ordnung, würde ich sagen. Es geht einfacher und besser, aber man kann es so machen…

f34-plan

Warum man sich quasi selber mit dem Ariand T84-P Konkurrenz machen muss, brauche ich nicht zu verstehen. In der Vorstufe werkeln in der Ariand-Version eine ECC83 (12AX7) und pro Kanal eine ECC82 (12AU7). Bei letztere Röhre behauptet der Hersteller (!), dass man auch eine 12BH7 einsetzen kann…

Und aus dem zuvor genannten olfaktorischem Grund, war blindes Einschalten eine nicht ganz so gute Idee. Mal sehen, was da kaputt ist… Und nehme das Ergebnis vorweg: Augenscheinlich nichts. Und es war auch nicht eindeutig zu ermitteln, was die Ursache war. Und dann diese Platine… Ich hatte inständig gehofft, dass ich so etwas nicht noch einmal sehen muss…

Hör mal

Ein Testlauf (alles wieder zusammenschrauben, sonst geht’s nicht) hörte sich zunächst relativ gut an. Relativ heisst: Es war nicht der typische EL84-Sound (ich nenne es mal so). Den habe ich anders in Erinnerung… Weniger aufgedickt, »oben herum« weniger nervig, ohne Loch in der Mitte, eher schlank und rund.

Und dann kam es zu dem besonderen Hörerlebnis: Nach etwa 20 Minuten schepperte es heftig aus den Lautsprechern. Zu einem Stunt geriet dann der Hechtsprung zum Netzschalter. Auch war der Verwesungsgeruch mehr wie deutlich präsent…

frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg' ich ein Hörnchen. Autor der Bücher: Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen. Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2): Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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