PasAk Phono-Selbstbau

Paraphrase

Bevor man sich an den Selbstbau wagt, sollte man wirklich vorher genau abklären, was man will und wo die Grenzen sind.

Ich für meinen Teil fand die Idee, den Entzerrer quasi ausserhalb des Signalweges zu legen, irgendwie interessant. Der Original-Röhrensatz konnte nicht mit meinen Vorgaben in Einklang gebracht werden (zu teuer). Ausserdem befanden sich in meiner »Röhren-Konvolutskiste« jede Menge Fernseher-Röhren, die sich mächtig langweilten. Also wollte ich einen anderen Weg gehen und nicht nur imitieren.

Phono-Frequenzbereich

Auch wenn man ein Freund einer möglichst grossen Bandbreite ist (so wie ich) – im Phono-Bereich darf man realistisch sein. Wir hören zwar im Bereich von 20Hz bis 20kHz, das wird im Phono-Bereich aber nicht umgesetzt. Und zwar aus technischen Gründen.

Da hat die Ursprungs-Schaltung nämlich einen krachenden Nachteil: Subsonische Frequenzen, die vom Plattenspieler kommen, werden prima mitverstärkt. Da ist ja nichts, was »helfend« eingreifen könnte. Im Gegenteil. Das Entzerrernetzwerk ist ja genau dafür da…

Ein Koppelkondensatörchen zur nächsten Verstärkerstufe könnte da doch sehr hilfreich sein. Dieser könnte dann mit dem nachfolgenden Gitterableitwiderstand die untere Grenzfrequenz von 20Hz ermöglichen. Gerade im Phono-Bereich sollte man den Hahn »unten« wirklich schon bei etwa 20Hz zudrehen. Es gibt sogar in den siebten Himmel gelobte Phono-Pres, die schon bei 40Hz langsam »dicht« machen. Wollte ich nur erwähnt haben. Ist nämlich gar nicht so verkehrt.

Ich kenne auch keine Musik-Schallplatte (Musik!), die tatsächlich Frequenzen unterhalb 40Hz eingeritzt bekommen haben. Und im oberen Bereich ist meistens schon bei etwa 14kHz Feierabend.

Röhrenwahl

Bei der Auswahl der Röhren wollte ich ja auch kein »Röhrengrab«. Maximal drei Röhren, wobei eine Röhre als Kathodenfolger (also Impedanzwandler) für den eigentlichen Verstärkerbereich wegfiel. Bleibt also nur eine Röhre pro Kanal für die eigentliche Verstärkung.

Damit sind einzelnen Pentoden- und Triodensysteme aus dem Rennen. Da die Phasenlage mit dem Eingangssignal übereinstimmen soll, bleiben also nur die sog. Verbund- bzw. Kombiröhren übrig. Das grenzt zwar ein, aber ausgerechnet in diesem Bereich gibt es Röhren, die mehr als nur ideal sind.

Fernseher-Röhren sind keine NF-Röhren. Klar. Oder? Wie man sich doch irren kann. Auch eine ECC88 (respektive PCC88) ist eigentlich eine Fernseher-Röhre. Weil das aber eine Triode ist (auch noch mit Spanngitter) ist dieser ehemalige Einsatzort erfolgreich aus dem kollektiven Bastlergedächtnis gelöscht worden.

Spätestens jetzt sollte man seinen Frieden mit Fernseher-Röhren gemacht haben. Spätestens aber dann, wenn man mal die Datenblätter durchforstet hat. Da ist die NF-Pentode EF86 ein völlig überteuerter Witz. Ja, wirklich.

Ausmessen?

TV-Röhren müssen für NF ausgemessen werden. So die einhellige Meinung. Das Ausmessen kann man sich jedoch sparen. Es schadet zwar nicht (man bekommt nur keinen Abfall), aber man ist sowieso gezwungen, die Röhren für die Schaltung paarweise zusammenzustellen. Man braucht also eh schon etwas mehr als nur zwei Röhren. Das ist auch bei »echten« NF-Röhren an der Tagesordnung.

Auch ist gerade bei Verbund- oder Kombiröhren Mikrophonie – in diesem Fall – ein (kleines) Thema. Aber nicht immer ist die Röhre schuld, sondern oft derjenige, der den Lötkolben hält. Oftmals hat man nur zuviel »Dampf im Kessel«. Wink mit dem Zaunpfahl: Schirmgitter?

Es ist auch gar nicht mal so selten, dass man die Beschaltung etwas korrigieren muss, damit die Röhre wie gewollt funktioniert. Das ist allerdings auch kein Privileg von Fernseher-Röhren. Gerade die speziellen NF-Röhren können das noch besser!

PasAk-Adaption

Herausgekommen ist schlussendlich meine PasAk-Adaption.

pasak03

Die Grundschaltung wurde leicht geändert. Das erschien mir der einfachste Weg zu sein, das »Schirmgitter-Problem« im Griff zu bekommen. Es erwies sich, dass Fernseher-Röhren plus Schirmgitter plus Phono-Bereich eine fricklige Angelegenheit war. Zwei Augen genügen hier nicht. Nehmen Sie, wenn vorhanden, die Hühneraugen dazu.

Bis auf das Entzerrernetzwerk erfährt die Pentode in ihrer Bandbreite keine Beschränkung. Das heisst: Blockkondensator des Schirmgitters und der »Kathoden-Kondensator« sind diesmal sehr grosszügig dimensioniert.

Der Koppelkondensator zur Triode bildet zusammen mit dem folgenden Gitterableitwiderstand eine untere Grenzfrequenz von etwa 10Hz. Achtung: Da noch zwei weitere Kondensatoren im Weg liegen, »relativiert« sich die untere Grenzfrequenz hinterher auf etwa 20Hz (-3dB).

Die Werte der Koppelkondensatoren sind zudem recht klein gewählt. Damit wird nicht nur die untere Grenzfrequenz »in Schach« gehalten, auch die Zeitkonstante ist sehr gering. Was sind bitteschön 0,004 Sekunden, bis sich der Kondensator aufgeladen hat und die Ladung weiterreicht? Zum Vergleich: In guten Leistungsverstärkern sind Werte von 0,01 bis 0,04 Sekunden üblich.

Die verflucht gute Auflösung konnte ich mir mit den (sehr guten) Eigenschaften meiner Röhren alleine nicht erklären, aber mit der Zeitkonstante habe ich vielleicht einen Ansatzpunkt. Vielleicht!

Die Zeitkonstante kann wegen des Entzerrers (anders als bei üblichen Verstärkern) gar nicht kostant sein. Eine statische Berechnung kann zunächst nur auf den 75kΩ Anodenwiderstand der Pentode bezogen werden und ist deshalb nur ein theoretischer Wert. Je mehr das Entzerrernetzwerk »greift«, also alles unterhalb 1kHz gemäß der RIAA-Vorgabe anhebt, desto mehr wird der Anodenwiderstand beeinflusst und damit auch das Tau des Kondensators. Das, was »normale« passive Entzerrernetzwerke gerne »verschlucken«, wird hier RIAA-konform angehoben, verstärkt und fix durchgereicht.

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frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg' ich ein Hörnchen. Autor der Bücher: Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen. Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2): Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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