Upcycling Music Angel 300B-Verstärker

Die Akte »300B-Verstärker« hatte ich ja eigentlich geschlossen, weil das Thema 300B an sich ausgelutscht ist. Deshalb bleibt diese Akte auch geschlossen. Stattdessen geht’s hier eher um das drumherum. Nun denn… Für dieses Upcycling-Projekt muss diesmal ein Music Angel 300B-Verstärker herhalten, den ich aus dem Pool für Gebrauchtes gefischt habe.

Ein, in Europa (!), eher wenig bekannter Röhrenverstärker. Auch das »Netz« scheint diesen 300B-Verstärker kaum zu kennen. Mit diesem Röhrenverstärker verhält es sich wohl so, wie man es von den 845’er-Modellen her kennt. Und genauso wollte ich diesen 300B-Verstärker »behandeln«: Komplett neu aufbauen und auch optisch »un petit peu« mehr für’s WAF (Women Acceptance Faktor) sorgen. »Nachhaltiges basteln«, also. Oder neudeutsch: Upcycling.

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Nun, man kann den Machern der Music Angel Röhrenverstärker ja so einiges vorwerfen. Die Verwendung von Resterampe-Bauteilen, beispielsweise. Oder die in der Praxis doch recht eigenwillige Interpretation der Schaltpläne. Auch wurde gerne mal der Schutzleiter-Anschluss (Erdung) »vergessen«. Eins waren Music Angel Röhrenverstärker aber nie: Mordsgefährlich zusammengefrickelt.

Kurz die Schaltung: Eine Triodenhälfte der DCC90 arbeitet auf eine 6SL7-»SRPP«. Dann folgt die 300B welche in Class-A (Self-BIAS) beschaltet war.

300B-Verstärker – kein Music Angel

Angeboten wurde dieser 300B-Verstärker als »stark modifiziert«. Oje! Nachtigall ick hör dir trapsen… Es sollte sich um eine Modifikation nach »Lampizator« handeln. Einen kurzen Funktionstest gab’s auch noch. Ja, das Ding hat schon gut gesounded (!). So wie es in den HighEnd-Sagen und HiFi-Mythen rund um einen SE-300B so erzählt wird. Trafo und Übertrager waren also in Ordnung. Das war mir das Wichtigste. Alles andere: Egal.

Also rein äusserlich… Okay, Music Angel. Aber bereits beim Abschrauben der Bodenplatte ahnte ich schon, das mich da wohl etwas erwartet, was nicht ganz koscher sein wird. Fehlende, unpassende und damit ‘reingewürgte Schrauben sind – erfahrungsgemäß – ein Alarmsignal. Auch die alten Schlitzschrauben auf der Rückseite bedeuteten alles, nur nichts Gutes…

Eine Erwartungshaltung hatte ich ja eh’ kaum, aber das, was sich mir dann präsentierte, hatte mit dem

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kaum noch etwas zu tun.

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»Stark modifiziert«… Ja, ne. Is’ klar. Selbst die »HaiEnd-Teerpappe« vom Fachhandel aus der Hogwart’schen Winkelgasse fehlte nicht. Ein Klasse-Brandbeschleuniger, übrigens… Das Krönchen des Trauerspiels: Wie war das nochmal mit dem Schutzleiter?

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»Ach komm. Schutzleiter ist vollkommener Quatsch. Nur ‘mit Ohne’ erlebt der wahre ‘HighEnder’ irgendwann die ganzheitliche Metamorphose vom schnöden Diesseits in’s hoisannageschwängerten Jenseits.« Luja! Sog i…

frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg' ich ein Hörnchen.Autor der Bücher: Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen. Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2): Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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