SE-845 Röhrenverstärker

SE-845 dritter Akt

Ich hatte es hier ja schon angedeutet, dass es von den Music Angel SE-845 Verstärker noch eine dritte Art geben soll. Ein solcher steht nun auf der Werkbank. Äusserlich zunächst, bis auf ein Detail, alles wie gehabt. Das Innenleben sollte aber überraschen.

Bereits beim »auf die Werkbank wuchten« stellte ich fest, dass diese Art des musikalischen Engels wohl etwas an Gewicht zugelegt hatte. Das Teil, was ich für mich umgebaut hatte, war doch etwas leichter.

Das Detail: Drei Cinch-Eingänge die scheinbar auch so beschaltet waren. Zumindest liess sich der Eingangswahlschalter dreimal »bewegen«. Okay, Bodenplatte abgeschraubt und dann erst einmal ein wenig gestaunt.

Inspektion

Tatsächlich: Drei »echte« Cinch-Eingänge stehen diesmal zur Verfügung. »Echt« aus dem einen Grund weil alle Eingänge auch beschaltet waren. Bei den vorherigen SE-845 Artgenossen, waren oftmals nur zwei beschaltet. Oder es gab nur zwei Eingänge – auch wenn frontseitig mehr wählbare Eingänge vorgegaukelt wurde.

Die Netzteilplatine war anders. Die Bauteilqualität auch. Es wurde geklebt, ja, aber insgesamt machte das alles einen »akzeptablen« Eindruck. Es wirkte auch aufgeräumter, aber… Fehlte da nicht etwas…?

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Auch der Aufbau der Treiberstufe war anders. Dazu aber später. Na dann setzen wir das Ding mal unter Dampf. Zunächst ohne Röhren. Wenn’s knallt ist gut, wenn nicht, dann besser.

Quatsch. Habe ich natürlich nicht gemacht, sondern eine paar Sicherheitsvorkehrungen getroffen sowie einige Messgeräte angeschlossen.

Lightshow der besonderen Art

Die frontseitige LED leuchtete nach dem Einschalten mit einem wahren Farbspektakel auf. Statt einer blinkenden roten LED leuchtet da eine sog. Regenbogen-LED. Hatte ich auch noch nicht. Rot, blau, lila, gelb, grün usw. …

Nach etwa 15 Sekunden war’s aber vorbei mit dem Farbenzauber und der bekannte Scheinwerfer leuchtete auf und signaisiert damit ja Betriebsbereitschaft.

Die Konstruktion der zwei LEDs war zwar immer noch von der gleichen Art, aber professionell wirkend aufgebaut. Nunja. Die Regenbogen-LED (unter diesem Namen kann man das auch kaufen) wird später durch eine blinkende LED ersetzt.

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Die Treiberstufe…

…bestand diesmal aus nur einer halben 6N9 bzw. China-6SL7 (ähnlich einer ECC83), die auf eine China-6SN7 Möchtegern-SRPP arbeitete. Wird oft gemacht, um der »Kreisch-SRPP« wenigstens etwas Röhrenwürze mitzugeben. Meistens arbeitet die anderer Hälfte der Doppeltriode dann auf den anderen Kanal.

Weil das hier ja Monos in einem Gehäuse sind und für jeden Kanal eine 6N9 eingesetzt wurde, wurde die andere Hälfte dieser Doppeltriode nicht beschaltet. Autsch!

Das nämlich ist für das unbeschaltete Triodensystem ein schleichendes Gift. Die Kathode wird ja zwangsläufig mit aufgeheizt, aber aufgrund mangelnden Elektronenflusses versifft sie mit der Zeit (Kathodenvergiftung). Der Effekt: Das betreffende System wird taub. Da ist dann nix mehr zu wollen. Ein Rettungsversuch (durch starkes Überheizen) ist für diese Art der Röhre ja nun wirklich nicht lohnend.

Wenn man schon eine Triodenhälfte nicht nutzen kann (warum auch immer), dann sind alle unbenutzten Elektroden auf Schaltungsmasse zu legen. Das ist immer noch besser, als die Elektroden nicht zu beschalten.

Schaltungstechnisch scheint es also nur besser geworden zu sein. Das nur als reine Information. Ob diesmal die Beschaltung der Röhren richtig war, habe ich hingegen nicht mehr geprüft – sollte ja eh alles, samt Röhrenfassungen, verklappt werden.

frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg' ich ein Hörnchen.Autor der Bücher: Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen. Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2): Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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