Butter bei die Fische (4)

Sieht nett aus, aber…

Und da wären dann die Unternehmen, welche auf „schlichte, unschuldige Eleganz“ setzen. Auffällig ist dabei ein „Mode-Label“ geworden. Ein und die gleiche Schaltung bekommt alle zwei Jahre nur einen anderen Knopf am Kleid verpasst: Entweder als Hinweis einer besonderen Edition oder gar mit „verbesserter Rezeptur“. Was das besondere einer Edition gewesen sein soll, oder was verbessert wurde, hat sich mir bisher noch nicht wirklich erschlossen.

Das hat lange gut funktioniert. Begleitet von entsprechenden Medienrummel hat’s zuverlässig für Umsatz gesorgt. Doch plötzlich war’s wohl vorbei damit. Also bekommt die Schaltung ein komplett neues Kleid verpasst. Die einzige „echte“ Änderung ist nunmehr die Verwendung eines Ringkern-Netztrafos. Erfolgreich ist aber wohl was anderes. Man braucht sich nur den Gebrauchtmarkt anzuschauen… Egal.

Dann kam man auf die Idee, prinzipiell die gleiche Schaltung, in einer Mörderverpackung zu stecken und diese in einer Ausbaustufe auszuliefern, bei dem man tonnenweise Spinat futtern muss, um das Teil anzuheben. Ursächlich dafür verantwortlich ist die Einweg-Gleichrichtung (!), die aus einer Zeit stammt, als die Dinosaurier die Pampa platt stampften. Nein, kein Scherz. Und ja, ich habe auch sehr doof geguckt…

Klitzekleines bisschen Technik: Damit das noch recht gut funktioniert, muss (!) der Netztrafo entsprechend fett gemästet sein. Die Siebkapazitäten müssen (!) fast schon gigantische Dimensionen annehmen. Wenn man das auch noch quasi als Monoblöcke in einer gemeinsamen Verpackung zwängt, dürfte das Gewicht selbsterklärend werden. Selbst Spock würde menschliche Regung zeigen und den Scheibenwischer machen…

Dazu kommt, dass, egal in welchem Kleidchen die Verstärker daherkommen, die Röhren unter dem Sadismus des „Entwicklers“ zu leiden haben. Dadurch entsteht aber auch mehr Klirr und das auch noch von den bitterbösen Ungradzahligen. Wenn das Preisschild stimmt, spielt das aber auch keine Rolle mehr, weswegen man speziell diese Angabe auch nicht nennt. Da könnte man ja auf krumme Gedanken kommen…

Schön, aber Schrott

Natürlich darf der Röhrenverstärker vom Typ C nicht fehlen. Optisch? Nunja, wer’s mag. Aber es macht schon was her, so eine Kiste. Nur…

Die eigentliche Schaltung bietet nichts Neues. Klar, wie denn auch? Neu ist nur, dass da eine Halbleiter-Schaltung drin steckt, die man in einem Röhrenverstärker gar nicht vermuten würde. Wer, bitteschön, kommt denn auf die Idee, einen Computer zu implatieren? Und was macht dieser Computer? Er abeitet streng nach seiner ihm eingepflanzten Logik. Das Wort „Computer“ wird natürlich mit keiner Silbe erwähnt…

Begleitet wird jede logische Entscheidung mit allerlei leuchtenden oder blinkenden LEDs. Digital und Röhre – natürlich geht das irgendwann voll in die Hose – spätestens dann, wenn bei den Röhren der Verschleiß anfängt. Der grosse Fehler: Die eingeplanzte Logik unterscheidet nur Schwarz und Weiss (Digital). Grauschattierungen (Fuzzy Logik) kennt dieser Computer nicht.

Allein wenn eine Röhre nur zwei Sekunden mehr Aufheizzeit benötigt… Und wehedem, eine Sinushalbwelle hält sich nicht exakt an die Logik, dann ist auch schnell Schluss mit Lustig. Und das heisst unter’m Strich: Der Verstärker geht in den Betriebszustand „Defekt“. Ja, das gibt es wirklich. Arschteuer…

Und nein, das lässt sich nicht reparieren. Wie denn? Das Teil steht irgendwann öfter in der Werkstatt, als im Wohnzimmer. In der Not macht der Vertrieb nun was? Er empfiehlt andere, neue Röhren. Gesagt – getan. Funktioniert, welch‘ Wunder, zuerst auch prima. Sie dürfen nun raten wie lange – bis das Spielchen wieder von vorne losgeht.

Das einzige was dauerhaft hilft: Das digitale Gerödel (und das ist nicht wenig) wie ein Krebsgeschwür zu entfernen und einen „echten“ Röhrenverstärker aufzubauen. Ja, ich weiss, das tut weh, aber danach hat man seine Ruhe. Garantiert.

Das ist die wunderbare Welt der elitären High-End Bruderschaft. Letztendlich Lug und Trug, mehr Schein als Sein.

Angebot und Nachfrage

Jeder Kaufmannsgehilfe lernt im ersten Lehrjahr, dass sich dieser urmenschliche „Haben-wollen“-Reflex wunderbar ausnutzen lässt. Wie dieser Reflex getriggert wird, ist dabei zweitrangig. Neid, Missgunst und das „Gefühl der Zugehörigkeit“ sind aber ganz weit vorne dabei.

Wie das funktioniert, bzw. wie Angebot und Nachfrage entsteht, bekommt im Asterix-Band „Obelix GmbH & Co KG“ eine unterhaltsame Nachhilfestunde. BWL für Dummies, quasi. Unter anderem wird auch gezeigt, wie man Nachfrage weckt (Technokratus erklärt Julius Cäsar, wie man Hinkelsteine vertickern kann). Nebenbei: Aus Technokratus wurde im Ruhrdeutschen Band („Die dickste Buxe vom Revier“) Merzenmus (Gruß geht ’raus an Hennes), der dem französischem „Vorbild“ gewissermaßen näher kommt..

Sobald diese Maschenerie in Gang kommt, werden Sie, ob Sie nun wollen oder nicht, assimiliert. Widerstand zwecklos. Selbst der renitenteste Konsumverweigerer wird irgendwann kapitulieren.

Dieses Verfahren kostet allerdings Zeit und damit Geld. Da bekommt jeder gestandene BWL’er Stresspusteln. Viel einfacher und vor allem billiger (BWL-Trigger) wird’s, wenn man das „Ohr am Puls der Zeit“ hat. Glauben Sie nicht? Nun, wie sieht’s denn aus mit dem Single-Ended-Wahn? In der „Neuzeit“ ursprünglich eine Domäne der „Bastlerszene“, hat die „Industrie“ daraus nur den „heiligen Gral des Kling-Klang“ gemacht.

Ganz aktuell ist die Sache mit der Elektromobilität. Der Asia-Mann hat gut hingehört, wie die hiesige Auto-Industrie das nun schmerzhaft erfahren muss. Auffällig auch: Statt marktschreiische Werbung, hat man einfach nur die Zeit für sich arbeiten lassen, während VW, Mercedes oder BMW viel Geld für Werbung verbrannt [sic!] haben.

Während anderswo deutsches Know-how aus dem Bereich der erneuerbaren Energien genutzt wird, wird es hierzulande ausverkauft (Solartechnik) und ausgebremst (Windenergie, Wärmepumpen). Es mutet wie ein Treppenwitz an, dass ausgerechnet Deutschland im Sommer 2026 Frankreich mit Strom aus „erneuerbaren Quellen“ aushelfen musste, weil die Atomkraftwerke des Landes aufgrund von Kühlwasserproblemen heruntergefahren wurden.

Was der China-Mann…

…nicht liefern kann, das gibt’s auch nicht, so heisst es dann. Dreimal dürfen Sie raten, woher wohl die eingefüßig von Hand gewickelten Kondensatoren stammen? Ich möchte fast wetten, dass in so manchem dicken Plastikzylinder nur ein schnöder, kleiner Allerwelts-Kondi steckt.

Die erste Welle der China-Röhrenverstärker waren, das kann man ruhig so sagen, technisch oftmals sehr fragwürdig. Insgesamt eher als Deko gedacht. Der Gefahrenübergang geschah mit dem Einschalten. Eine wild zusammengewürfelte Schaltung und Bauteile die in einem NF-Verstärker nix zu suchen haben. Dazu die Qualität der Röhren.

In den virtuellen Selbsthilfegruppen wurde so manche Schaltung auseinandergenommen und mit mehr oder weniger sinnvollen Verbesserungen präsentiert. Und dann wunderte sich man, dass der China-Mann Verstärker auf den Markt brachte, die sich augenscheinlich nicht zu verstecken brauchten.

Mittlerweile ist es ja so, dass man aufpassen muss, nicht über derartige Geräte zu stolpern. Auch, wenn da stolz „Made in EU“ draufsteht. Papperlapapp. Alles, was in der EU passiert, ist der viel gerühmte letzte Handgriff – und wenn es nur der angeschraubte Reglerknopf ist. Alles, was mit einer Tausender-Losgröße auf den Markt geworfen wird, stammt aus China bzw. aus dem asiatischen Raum. Da kann man ruhig drauf wetten.

Das soll nicht heißen, dass die Ware aus China immer eine nahezu perfekte Schaltung aufweist. Eine bestimmte Marke kommt mit Marotten daher, die man schon fast lieb haben muss, weil sie immer dieselben sind, egal bei welcher Geräte-Mutation. Diese Marke hat das übrigens ganz clever drauf: Ein und dieselbe Schaltung wird – nur mit anderen Röhren-Äquivalenten – doppelt und dreifach vertickert. Da freut sich der BWL-Justus, weil das Minimal-Maximal-Prinzip (mit wenig Mitteln viel erreichen) nahezu perfekt umgesetzt wird. Sie erinnern sich an den Verstärkertyp B und B1?

Sture BWL und Technik beißen sich. Das war schon immer so. Aus technischer Sicht führt das dazu, dass diese Schaltung (die immer gleich ist) eine bestimmte, „total angesagte“, Leistungsröhre nur zu 65 % ausfahren kann. Und das wiederum macht sich im Klang bemerkbar. Für die gleiche Leistungsausbeute kann man auch einen anderen Röhrentyp verwenden, dann spielt der Verstärker plötzlich ganz locker auf.

Eine andere Marke hat einen dicken Fauxpas in der Schaltung. Und das seit nunmehr über 20 Jahren. Na klar ist Meldung erfolgt – aber man hätte genauso gut einen leeren Schrank voll labern können. Also, wenn Sie Röhrenverstärker besitzen, bei dem zwei (von vier) Kathodenwiderstände pro Gerät abgeraucht sind… Dat isser.

Nicht einfach durch 7W-Zementbunker ersetzen, sondern den Makel beseitigen. Dann klappt’s an diesen Stellen auch mit einem Watt Kohle. Erstaunlich, nicht wahr?

Wie gut (nicht nur) der China-Mann zuhören kann lässt sich heute auch an der Schaltung festmachen. Die SRPP, beispielsweise, war noch vor Jahren de facto Standard. Heute ist diese Schaltung in „echten“ China-Verstärkern nur noch selten zu finden. Bin mal gespannt, wann die mit EF86 und Consorten anfangen…

frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg' ich ein Hörnchen. Autor der Bücher: Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen. Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2): Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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