Schirmgitter-Ansteuerung

ETM-Abwandlung?

Ende der 1990’er wuchtete Bob Danielak sein »Technical Bulletin No 33« in’s Netz. Achtung: Diese Anleitung (PDF) gilt nur für die gerade vorgestellte russische »SED EL509 / 6KG6«. Keinesfalls für eine »Valvo / Siemens / Philips / Telefunken EL509«.

Top Secret: Man kann natürlich auch eine 6P45S einsetzen. Oder die 6P42 von etwa 1980 – nicht die 6P42 aus der Zeit davor! Die 1980’er 6P42S ist wegen der andersartigen Sockelbeschaltung billiger – ist aber eine 6P45S. Hatte nur Kompatibilitätsgründe. Erzählen Sie das aber bitte nicht weiter…

Das PDF ist Original von der damaligen Homepage. Die ursprüngliche Seite gibt es nicht mehr (vollständig).

danielak-el509

In dieser Variante wird das Steuergitter dann tatsächlich komplett »ausgeblendet«. Es existiert gar nicht mehr und sorgt so nur dafür, dass die Röhre nicht sperrt.

Danielaks Schaltung sieht nicht nur wie die EL519-Beschaltung für einen »Plasma-Tweeter« aus – das ist auch nichts anderes – nur eben »gezähmt«. Von etwa 50W HF-Leistung bleiben auch hier höchstens 13W saubere NF-Leistung übrig.

Danielak arbeitet mit einer geringeren Anodenspannung als im EAR-859. Das macht eine höhere Treiberleistung für das Schirmgitter erforderlich. Die verwendete (Leistungs-) Pentode ist daher logisch. Ein Triodenfetischist kann natürlich zu einer entsprechenden Triode (4W Anodenverlustleistung) greifen.

Hinweis nebenbei: Danielaks Schalte ist nur als »Applikation« zu verstehen…

Beiden Schaltungen…

… gemeinsam ist, dass die Ansteuerung über einen Kathodenfolger (gemeinhin auch als »Impedanzwandler«) erfolgt. Heisst: Niederohmig. Nebeneffekt ist eben auch, dass man für das Schirmgitter die passende »Vorspannung« erhält.

Diese beiden Varianten der »Schirmgitter-Modulation« (-Ansteuerung) finden sich auch in der HF-Technik wieder.

el519-sender

Hier steuert man ganz normal das Steuergitter an und sorgt mittels Spannungsverfielfacher »nur« für die richtige Spannungshöhe am Schirmgitter. »Zweigitter-Röhrentechnik« in Reinstkultur (nur »andersherum«).

Aber…

Die notwendige frequenzabhängige Gegenkopplung(en) (beim EAR und Danielak) sprechen eine beredte Sprache. Man darf zurecht annehmen, dass ohne diese technische K.o.-Tropfen »oben« ordentlich Rabatz gewesen wäre.

Im EAR wird zudem an mehreren Stellen »gegengekoppelt«. Ein bereits korrigiertes Signal wird also nochmals und immer wieder korrigiert…

Da das Schirmgitter mimosenhaft auf eine zu hohe Spannung (und sei es noch so gering) reagiert, darf die »Grundspannung« plus der aufmodulierte Spannungshub nicht einmal in die Nähe des Grenzwertes kommen (was sie aber tut).

Die Röhrenalterung muss man im Auge halten. Gut 100mA Ruhestrom sind auch für eine EL519 nicht zu verachten. Dazu kommt die Röhre der »Treiberstufe«. Eine »triodisierte Treiber-Pentode« ist daher eigentlich völlig richtig.

Tja…

Seitdem »muss« eben die EL519 (509) über das Schirmgitter angesteuert werden. Witzigerweise hat man oft den Danielak im Kopf, wenn man vom EAR-859 redet. Obwohl ähnlich, sind das aber zwei Paar Schuhe.

Halten wir also fest

1. Man lässt die Endröhren »selbstbestimmend« arbeiten, also in Class-A. Geht ja auch gar nicht anders. Also, ohne externe Ruhestromeinstellung, was Class-A1 bedeuten würde.

2. Entweder man nutzt die »Zweigitter-Röhrentechnik« (trickreich umgesetzt von Paravicini) oder man legt das Steuergitter komplett »flach« (Danielak). In beiden Fällen erhält man eine »Trioden-Funktion«. Die Eigenschaften beider Varianten sind ähnlich.

Wenn man es genau nimmt, bleibt die EL519 im EAR eine Pentode / Tetrode, weil das Steuergitter ja noch aktiv ist. Da es aber mit dem Schirmgitter (von hinten herum parallel dazu) angesteuert wird, kann man das »irgendwie« auch Triode nennen.

Danielak hat das Steuergitter komplett »lahm« gelegt und gewährleistet damit eher die »Trioden-Funktion«.

3. Sobald das Steuergitter, wie auch immer geartet, »aktiviert« wird, ist es Essig mit »Triode«. Die EL519-Pentode bleibt dann eine Pentode.

Das muss nicht schlecht sein! Ich steuere die Röhre ja auch ganz »normal« (Naja… Fast…) an.

Weil im Text erwähnt, »kurz« zu den »Nebenkriegs-Schauplätzen«.

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frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg' ich ein Hörnchen. Autor der Bücher: Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen. Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2): Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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