Schirmgitter-Ansteuerung

Class-A2

Die Betriebsart Class-A2 findet man nur bei Trioden-Eintakter. Sendetrioden, die mit positivem Gitterstrom gefüttert werden wollen. Was für »normale« Röhren sofort (!) tödlich ist (so schnell kann man gar nicht die Stromzufuhr unterbrechen), ist bei diesen Trioden fast schon essentiell.

Diese Gitterspannung ist hierbei eher »unauffällig« – nämlich etwa 15V die aber sehr »sauber« anliegen müssen. Pragmatiker verwenden dazu einen 08/15-Spannungsregler und fertig.

Oder so wie hier: Class-A2 plus Zero-BIAS. Auch hier hängt viel von der »Vorstufenröhre« ab…

805-a2

Erst dann werden derartige Röhren richtig wach. Beispiel 805-Triode: Mit Ach und Krach etwa 10 bis 15 Watt im »normalen« Single-Ended Modus. Knackige 35W (und mehr) aber in Class-A2. Mit Triode. Single-Ended, wohlgemerkt.

Diese hohe Leistung ist keine Zauberei, denn technisch gesehen wird (bei Ansteuerung) das Steuergitter der Triode nun auch noch zu einer Art »Hilfs-Anode«. Im Teamwork mit der hohen Spannung (etwa 1000V) entsteht dann natürlich ein »bisschen« mehr Power.

Prinzipiell also das gleiche Spiel wie mit »Enhanced Triode Mode« – nur das man sich kein Gitter »wegdenken« oder »wegtricksen« muss.

Achtung: Die 845 ist zwar eine HF-Triode, sie darf aber keinesfalls in Class-A2 arbeiten. Im Gegensatz zur 211. Die »darf«…

Das mit der 805 ist übrigens eher ein »Kaffekränzchen«. Die richtig »grossen Jungs« spielen mit ganz anderen Trioden…

Hier in Europa sind Class-A2 Röhrenverstärker eher eine Randerscheinung. Anders sieht das zB. in den fernöstlichen Ländern aus. Da gehört so etwas zum guten Ton. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Keine Reklame: Die MS-6 Triebwerke von Xindak (Audreal) sind beispielsweise solche (hierzulande seltenen) Class-A2 Röhrenverstärker. Silvercore macht (natürlich) auch so etwas mit der 833.

Zero-BIAS, Null-Volt-Technik

Prinzipiell zwei Begriffe, die das Gleiche meinen, wobei der Begriff Zero-BIAS (also Null-Ruhestrom) ein bisschen irreführend ist. Natürlich muss eine Röhre einen gewissen Ruhestrom ziehen. Dieser ist aber in der »Ruhephase« äusserst gering. Vergleichbar mit dem Standgas beim Automotor.

Das »Zero-BIAS« wird oft in Zusammenhang mit Class-A2 Trioden genannt. Die Null-Volt-Technik eher bei Pentoden-Gegentakter. Manchmal auch als Class-AB2 bezeichnet.

Das Gewitter kommt erst bei Ansteuerung. Und das ist das ganze »Geheimnis« (siehe zuvor die Sache mit der 46). Die Idee der »leistungslosen Ansteuerung« kann man daher vergessen.

Wie auch bei Class-A2 wird bei der Null-Volt-Technik mit einer »etwas« höheren Spannung als üblich gearbeitet – das »Perpetuum mobile« lässt ja immer noch auf sich warten.

Die Null-Volt-Technik lässt sich relativ einfach beschreiben. Man muss »nur« zwischen Gleichspannung und Wechselspannung (signalmodulierte Gleichspannung) unterscheiden.

Wie’s funktioniert

Zunächst werden alle Gitter einer Pentode gleichspannungsmäßig auf (fast) Null Volt gezogen – Kathodenpotential. Kommt die Signalwechselspannung in’s Spiel, dann bekommt meist nur noch das Schirmgitter, seltener zusätzlich auch noch das Steuergitter, eine entsprechend hohe Spannung.

Am einfachsten lässt sich das mit einer Spule (Drossel, Übertrager) realisieren. Siehe Datenblatt zur 46.

Drossel, übernehmen sie

Merkmal einer Drossel ist, dass sie für Gleichspannung einen niedrigen Widerstand aufweist – beispielsweise 100Ω. Der Wechselspannung setzt sie aber einen höheren Widerstand entgegen. Auch hier beispielsweise 10000Ω.

So wie zuvor skizziert, ist das Steuergitter »unschädlich« gemacht worden. Das Schimgitter »sieht« aufgrund des niedrigen Widerstandes der Drossel auch Null Volt (also Schaltungsmasse).

zero-bias

Der zwei dicken schwarzen Balken unten symbolisieren die Drossel.

Die von der »Treiberstufe« kommende Gleichspannung wird nahezu zu 90% gegen die Schaltungsmasse abgeleitet. Der Rest, also 10% von dieser Spannung, gelangt zum Schirmgitter (Steuergitter bei Triode). Damit tuckert die Röhre nur so vor sich hin und es fliessen auch kaum Ströme.

Kommt von der »Treiberstufe« aber eine signalmodulierte Spannung, trifft sie auf den höheren Wechselstrom-Widerstand der Drossel. Damit fliesst ein Grossteil der Spannung dann zum Schirm- / Steuergitter und steuert die Röhre entsprechend aus.

Fertig. Das war’s.

Soweit ich das feststellen konnte, lässt sich das Angebot derartiger Röhrentechnik – zumindest hier in Deutschland – an einem Finger abzählen. Auch keine Reklame: MF-Electronic hat es mit solche Gegentakt-Boliden…

Diesen Techniken gemeinsam ist, dass allein die Treiberstufe schon in der Lage ist, einen Lautsprecher anzutreiben!

Kommen wir kurz mal zum…

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frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg' ich ein Hörnchen. Autor der Bücher: Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen. Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2): Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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