Who are you, 6P42S?

Who are you…? Wenn’s um »meinen« EL509-Verstärker geht, habe ich ja schon oft genug die 6P42S erwähnt. Auch, dass diese Röhre eine verkappte 6P45S ist. Und die wiederum stellt ja bekanntlich ein EL509-, oder bessser, ein EL519-Derivat dar. Nun etwas zu den Hintergründen, was es mit dieser »Fake-6P42S« auf sich hat.

Mit so einem Single-Ended höre ich übrigens immer noch. Mit der maximal erreichbaren Leistung von knapp 15W kann ich gut leben. Vor allem deshalb, weil das an meinen 93, 94dB-Fostexe auch vollkommen ausreichend ist. Bei etwa 2W wird’s nämlich schon sehr ungemütlich. Akustisch, meine ich…

Diese Leistung können auch andere Eintakter locker hinstellen, ja. Aber da fehlt mir (und meiner Frau) das, was derartige Röhren eben auszeichnet. Natürlich hängt das auch vom Lautsprecher ab: Mit Designer-Lautsprechern (Wabbelmembrane in Edelholzoptik) kommt selbst mit so einem Verstärker keine Freude auf.

Derartige Lautsprecher kommen mit ebensolchen Designer-Verstärker (mit bis zum Anschlag angezogener Gegenkopplung) besser zurecht. Das hat aber mit Röhren-HiFi nichts mehr zu tun. Das ist und bleibt ein Verbrechen am HiFi-Grundgedanken. Ich frage mich immer, ob diese Designer je ein Schlagzeug in natura gehört haben, denn dann würde man nicht solche Katastrophen auf den Markt schmeissen…

Wie auch immer. Auf der Suche nach (bezahlbaren) Ersatz für die ursprünglich eingesetzte Winged-C EL509-2 bin ich auf das »Wolga-Glas« 6P42S gestossen. Beziehungsweise ich wurde von Aleksandr, einem russischen Bastler, darauf hingewiesen. »Muss aber aus den 1980’er-Jahren sein. Ganz wichtig.« Okay, schnell ein Paar besorgt (später war es ein bisschen mehr) und die Anschlüsse an der Fassung umgelötet. Die Röhrenpins mussten (natürlich) gereinigt werden (über Nacht in schnödes Tafelessig stehen lassen)…

6p42s-2

Dass die 6P42S / 6P45S mit den europäischen EL509 / EL519 eng verwandt sein sollen, war bekannt. An frei gehandelte Röhren wie EL509/519 war und ist kaum zu denken. Alles weg, oder aberwitzige Mondpreise selbst für ausgelutschte Gläser… Sporadisch tauchen aber noch heute die alten Winged-C Gläser 6P45S zu einem vernünftigen Kurs auf.

6P42S / 6P45S vs EL509 / EL519

Die 6P42S, die etwa 1967 auf dem sowjetischen Markt kam, war in jeder Hinsicht ein Sonderfall. Vor allem wegen des eigentümlichen Pinouts, war sie noch nicht einmal Anschlusskompatibel zum »Rest der Welt«. Gemeinsam hatte sie mit anderen, derartigen Röhrentypen nur, dass sie in der Horizontalablenkstufe (meine Abkürzung: »HZA«) in Schwarz-Weiss Fernseher ihr Einsatzgebiet hatte.

6p45-6p42-pinout

Mit Aufkommen der Farb-Fernseher (1967) musste auch eine stärkere »HZA«-Röhre her. Im Westen war das die EL519 bzw. PL519, mit einer »nur« 5W höheren Anodenverlustleistung, aber mit teilweise anderen Grenzwerten, als die EL509 (30W Anodenverlustleistung). Für Audioanwendung, das nur nebenbei, sollte das aber keine Rolle spielen. Eigentlich…

frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg' ich ein Hörnchen. Autor der Bücher: Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen. Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2): Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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