A-55 T

Umschalterei

Wie mittlerweile üblich kann man auch beim A-55 die KT88 von »Möchtegern-Ultralinear« in den Triodenmodus ballern. Damit die Röhren nicht sofort gehimmelt werden, baut besonders dieser Hersteller einen »Schutzwiderstand« je Endröhre ein.

Dieser »Schutzwiderstand« bringt leider eine negative Eigenschaft mit sich: Ein bisschen Triodenmodus ist auch bei »Möchtegern-Ultralinear«. Hatte ich das schon irgendwann erwähnt?

Je Kanal machte je ein »Schutzwiderstand« (im Plan 47kΩ an Anode und Schirmgitter) aber keinen guten Eindruck mehr. Die Farbringe, die den Widerstandswert codieren, waren nicht mehr zu identifizieren.

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Die Schirmgitterwiderstände (deswegen ja »Möchtegern-Ultralinear«) sind bereits ersetzt worden. Und zwar gefährlich Laienhaft. Die Endröhren wurden bereits durch JJ-KT88 ersetzt.

Wetten, dass man unter Volldampf »herumgespielt« hat? Und – Wetten, dass die Schaltung in sich zu Instabilitäten neigt? Warum sonst, sollten die Schirmgitterwiderstände ersetzt worden sein? Also…

Was soll’s nun werden?

Das die Vorstufe geändert werden muss, war klar. Aber wie sieht’s rund um die KT88 aus? Neu war nun – je Kanal – das Platinchen, auf der sich Koppelkondensatoren, einige Widerstände und die nunmehr von aussen zu bediennende Ruhestromreglung befinden.

Die Anzahl der Widerstände machte aber stutzig. Da fehlte doch Einer…

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Das Herumhantieren, oder besser Nachbessern, an den entsprechenden Platinchen mit den viel zu dünnen Kupferbähnchen und Nadelöhrgrossen Durchsteck-Löchern war allerdings… Nunja… Speziell.

Der, für die KT88, letale Umschaltmechanismus wird ausser Gefecht gesetzt. Zukünftig sollen diese Tetroden im Pentodenmodus arbeiten und mindestens echte 30W an die Lautsprecher liefern. Die KT88 gehören hier übrigens wirklich hinein: Wegen der Betriebsspannung.

Die ist diesmal für eine 6550 nicht geeignet. Und schon gar nicht in Ultralinear. Eine 6CA7 oder EL34 würden es im A-55 T zwar auch tun – das sieht dann aber etwas »dünn« aus.

Abseits von den platt planierten Teerwegen gehe ich mit einer Kleinsignal-Pentode auf dem HiFi-Trampelpfad. Statt hochgezüchtetes und wohlgefällig gestuztes Grün am Wegesrand, »Gestrüpp und raue Wildnis«. Vor allem auch deswegen, weil so eine blöde Kleinsignal-Pentode auf Anhieb mit KT88 zurechtkommt. Nix mit Tricksereien, zusätzliche Treiberstufen und was es sonst noch so gibt.

Ich liebe dieses Pentödchen übrigens. Extrem rausch- und klirrarm und auf »langes Leben« gezüchtet. Um die Preise nicht zu versauen, gibt’s keine weiteren Angaben dazu.

Mit der Gegenkopplung liess sich nun auch wunderbar »spielen«. Statt 82kΩ deutlich unter 10kΩ. Generell: Findet sich ein Widerstand in der Gegenkopplung mit exorbitant hohem Widerstandswert (ab 20kΩ sollte man die Schalte überdenken), dann hinkt die Vorstufe. Nur nebenbei: Onkel Hashimoto hat mit EF86 so etwas ähnliches veröffentlicht.

Die alles entscheidende Frage:

Schafft der Netztrafo überhaupt den Mehrbedarf an Heizstrom? Die EL34 zieht sich die 6,3V Heizspannung mit 1,5A ‘rein. Eine KT88 zieht aber 1,6A. Bei vier Röhren also insgesamt 400mA (0,4A) Mehrbedarf. Das ist für Fernost-Netztrafos durchaus eine Nummer.

Die Frage stellt sich deshalb, weil der Besitzer den etwas zu warmen Netztrafo monierte.

An Heizspannung sollten im bestenfall tatsächlich 6,3V, mindestens aber 6V, anliegen. Alles darunter kann ein Hinweis sein, dass der A-55 T nur ein verkappter A-50 T ist. Erlebt man immer wieder, dass selbst die, die es besser wissen müssten, einfach »mal eben so« etwas in den Oktalfassungen flanschen, was da eigentlich nicht hineingehört. Auch wenn das Chassis mit den grösseren Ausbrüchen für die Endröhren etwas anderes vorgaukelt.

Die, im Leerlauf, gemessene Hochspannung (ca. 470V) darf zudem nicht über Gebühr absacken. Das wäre nämlich auch ein Hinweis, dass die Sekundärwicklung für die Heizspannung versucht, den Anforderungen nachzukommen und dafür an anderer Stelle etwas »abzwackt«.

Das ist es geworden

Ein netter, kleiner Gegentakter mit KT88. Kein – in jeder Hinsicht – mit Steroiden aufgepumpter Muskelprotz. Den Klang darf man nun durchaus als kernig, fast schon drahtig, bezeichnen.

Und mit etwa 35W Sinus hat der Fünfundfünziger auch ausreichend Schmackes.

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frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg' ich ein Hörnchen. Autor der Bücher: Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen. Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2): Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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