Craftsmen 500

Der Begriff „High Fidelity“ wurde als zu billig betrachtet, also wurden die Craftsmen – typisch amerikanische Denke – in die eigens dafür erfundene HiFi-Oberklasse „Ultra Fidelity“ eingestuft. „Ultra Fidelity“ – der Vorläufer des Begriffs „High-End“. Witz dabei: Den Begriff „High Fidelity“ (HiFi) gab’s so eigentlich noch gar nicht.

Dreh- und Angelpunkt eines Williamson-Verstärkers ist der Ausgangsübertrager. Hier legte Williamson sehr hohen Wert auf bestmögliche Symmetrieeigenschaften der jeweiligen „Push- und Pull-Verstärkerzweige“. Ob’s die Craftsmen-Macher es nun genauso hielten, oder auch hier ein eigenes Süppchen kochten, muss sich noch herausstellen.

Aber schön zu sehen: Damals war man stolz auf die erreichten technischen Daten. So denn auch alles stimmt. Technisch gesehen ganz ohne Hogwart’sche Produkte, wie zB. einen Hildegard-Orgon-Akkumulator. Heute wird ja aus jeder Bling-Bling Erscheinung „High-End“. Katzengold reicht ja schon.

Und noch eins: Augenscheinlich handelt es sich bei diesen Craftsmen um eine Version für das 220V-Netz (Europa oder Asien). Eine solche Version der Craftsmen finde ich aber nirgendwo offiziell dokumentiert, so dass ich von einer „professionellen Nachbearbeitung“ ausgehe. Dabei wurden aber kleine Stolpersteine übersehen…

Craftsmen: Der Auftrag

Das Ergebnis der ersten Sichtung kurz zusammengefasst: Da hat man an den Craftsmen schon richtig – mehr oder weniger gut – herumgefuhrwerkt.

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Die Röhrenfassungen und Lötleisten… Statt Verschraubung wurde seinerzeit genietet (da kommt Freude auf, wenn was kaputt geht…).

Ein an’s Chassis geklebter Miniatur-Umschalter als Netzschalter, beim anderen Mono hatte der Kleber bereits das Zeitliche gesegnet. Das Krönchen war dann die Sache mit dem Schutzleiter.

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Unpassende Widerstandtypen (nicht ganz so schlimm), aber wertemäßig nicht nach Schaltplan. Der Knaller waren die isoptonischen Quantenheuler aka Ölkondensatoren als Koppelkapazitäten. Typische Schandtaten der sog. High-End Szene…

Je ein Vierfach-Becherelko (2x 40µF und 2x 8µF) in den Monos ist wohl in den 1970’er- oder 1980’er-Jahre durch 4x 40µF ersetzt worden.

Es wird ernster

Der andere Becherkondensator (ein 4µF Ladekondensator für den Gleichrichter) entpuppte sich als Öl-Kondi. Was mir bei einem Mono nun ganz und gar nicht gefallen wollte, war der leichte Glanz am Gewinde. An dieser Stelle hat aber nichts zu glänzen… Ergo: Undicht. Erste Aktion daher: Jens Spahn Gedächtnismaske und Handschuhe überziehen und raus damit, aber flotti galoppi.

Warum Maske und Handschuhe? Ganz einfach deshalb, weil die PCB-Wahrscheinlichkeit schon gar keine Wahrscheinlichkeit mehr ist. Scheiss was auf Originalität. Wirklich, das geht mir voll am Südpol vorbei. Leute, wenn Ihr diese Zellmutations-Bomben unbedingt da drin behalten wollt, dürft Ihr so etwas nicht bei mir abladen. Nein, die bleiben auch nicht zur reinen Schau drin stecken. Kurzer Prozess. Da kenn‘ ich keine Verwandten.

Zweite Aktion: Die Sache mit dem Netzschalter. Ursprünglich war ein Schiebeschalter verbaut. Jetzt eben reingepfuschte Miniaturschalter. Einen richtigen Netzschalter zu implatieren war aber (zumindest mir) nicht möglich.

Also wieder ein Miniaturschalter. Diesmal aber einen mit der stärksten Schaltleistung den man für Geld kriegen kann. Zudem Doppelpolig und mit X2-Kondensator (wegen Abreissfunke) versehen. Das Ganze dann ordentlich verschraubt und jut is‘.

frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg' ich ein Hörnchen. Autor der Bücher: Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen. Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2): Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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