Icon Audio’s Stereo25 MK2

Semi-Automated BIAS?

Einen recht hohen »Unterhaltungswert« besitzt die Geschichte mit der Ruhestromregelung (der Stereo25 MK2 hat dafür – Moment, ich zähle nach – exakt ein Poti ). Obwohl als Class-A offeriert, arbeitet der Verstärker dabei irgendwie als Class-AB Verstärker (also mit Ruhestromreglung) und irgendwie als Class A-Verstärker. Irgendwie. Und irgendwer hat das im besten Marketingsprech als semi-automated bias (Zitat Handbuch) bezeichnet.

Ich bin mir fast sicher, dass – sollte so etwas mal ausgezeichnet werden – selbst die Jury sich nicht sicher sein wird, ob sie den Effie-Award oder den britischen »Foot in Mouth« Award vergeben sollen.

Jeder halbwegs bewanderter Röhrenversteher weiss, dass mindestens (!) noch ein Poti zur Ruhestromregelung fehlt (wir haben es mit einer Stereo-Kiste zu tun). Besser wäre es natürlich, wenn man die standardmäßigen vier Potis finden würde. Je Endröhre ein Poti. Dann klappt’s auch mit dem exakten Ruheströmen.

Und so soll es funktionieren: Die negative Vorspannung führt zum Poti und dieser hat nur die Aufgabe, die Spannung »gerecht« auf beide Kanäle aufzuteilen. Damit müssen sich die Endröhren nun zufrieden geben. Zumindest mit ausgemessenem Röhrenquartett läuft die Geschichte. Aber auch nur, wenn die Röhren neu sind. Mit Alterung der Röhren fährt diese Schaltungstechnik aber gegen die Wand, denn je älter die Röhren werden, desto mehr ist es ihnen egal, jemals ausgemessen gewesen zu sein. Zudem sind die Endröhren derart beschaltet, dass sie den irgendwann unweigerlich auftretenden unterschiedlichen Ruhestrom nicht selber ausgleichen können.

Uneinig scheint man sich auch darüber zu sein, ob die Tetroden (also die Endröhren) nun im Trioden- oder im Ultralinearmodus arbeiten. Sie arbeiten im Ultralinearmodus. Definitiv.

Leak + Quad + McIntosh = Stereo25 MK2?

Den Begriff »tertiary wounded transformers« höre ich jetzt zum ersten Mal, ich geb’s ja zu. Bei einem anderen Verstärker (Stereo40 6AS7) erklärt man es im Kleingedruckten so: » “Low Distortion Tertiary”. A Tertiary (3rd) winding is interleaved with the primary and secondary windings. This “balanced” system cancels much of the no linear distortion within the transformer. It is rarely used due to design and production costs. QUAD and McIntosh have previously used variants of this. … «

An anderer Stelle heisst es: »Our LDT Tertiary Output Transformers has an extra (third) winding which put simply, allows the output transformer to compare both the input and output, and ‘nulls’ distortion, thereby dramatically improving the performance, so much so that there is no global feedback (integrated).«

Ahja. Man beachte die Namen von zwei weiteren Verstärkerlegenden, die hier gekonnt ins Spiel gebracht wurden (und die Varianten (!) derartiger Übertrager verwendet haben sollen – Bullshit). Gemeint ist hier die doch sehr spezielle Übertrager-Wickeltechnik von McIntosh und Quad und sollten damals die unerwünschten Begleiterscheinungen von Übertragern minimieren und den Lautsprecher besser kontrollieren können. Es handelt sich hier (ganz salopp ausgedrückt) einfach um eine dritte Wicklung nur für die Gegenkopplung. Die originalen McIntosh- und Quad-Übertrager bzw. deren Beschaltung waren aber um einiges komplizierter. Zumindest in meinem Stereo25 MK2 ist man von der Übertragertechnik eines McIntosh oder Quad ganz, ganz weit entfernt.

Noch mehr Marketingssprech:
»Handwounded transformers« – Aha. Da lässt man doch am besten gleich die Finger von der Kiste. Menschen neigen nämlich dazu, Fehler zu machen und selbst die Chinesen wissen, dass es Maschinen gibt, die Trafos besser und schneller wickeln können.

Trotz dieses »Marketinggeblubbers« scheint das alles irgendwie zu funktionieren (aber nicht so wie im Marketingsprech dargestellt). Leider wurde die Basskontrolle (so man von einem englischen Verstärker von Bass reden kann) und – grob gesagt – die Auflösung sowie die fehlende Bühne bemängelt.

Customize Stereo25 MK2

Der Vorstufenbereich bleibt im grossen und ganzen. Das, was geändert wird, ist eher marginal. Alle drei Vorstufenröhren werden jetzt mit Gleichspannung beheizt. Ursprünglich wurde nur die 6SL7 mit Gleichspannung versorgt. Die beiden 6SN7GT hingegen mit hochgelegter (!) Wechselspannung, also mit definiertem Uf/k.

Auch das Netzteil wird im grossen und ganzen so gelassen, wie es ist. Es wird lediglich ein »dicker« MKP dazugeschaltet, der die Elkokapazitäten so richtig »flott« macht.

Komplett entkernt wird dagegen der Endstufenbereich und bauen einen richtigen Push-Pull Class-A. Dazu wählen wir als Endröhren die 5881WXT von Sovtek.

innenleben2Bevor es jedoch soweit ist, müssen die verklebten Elkos herausgebrochen werden. Eine Klebung an sich ist ja nichts schlechtes, wenn man temperaturfesten Kleber verwendet. Jeder Bastler wird jedoch ans Kreuz geschlagen, wenn er die Elkos so verklebt, wie im Stereo25 MK2.

Da Elkos Verschleissbauteile sind, trocknen die irgendwann mal aus. Dabei kann es passieren, dass diese sich aufblähen. An der Sollbruchstelle entweicht dann das letzte bisschen vorhandene Elektrolyt. Verklebt man diese Bruchstelle, dann macht das nicht »Pscht«, sondern ganz hifideles »Peng«. Faustformel: Je grösser der Elko, desto lauter das »Peng«. Ganz grosse Becherelkos hatten deshalb damals schon ein Ventil und jeder Azubi, jeder Amateur, wusste, dass man das besser nicht verschliesst, verklebt oder sonstwie unbrauchbar macht.

Zurück zum Class-A Gegentakt.
Damit sich das Röhrenpaar besser gegenseitig auf den optimalen Ruhestrom einstellen kann, werden die Kathoden je Röhrenpaar direkt verbunden und über einen dicken Kathodenwiderstand zu Masse geführt. Class-A heisst nicht nur »schönerer« Klang, sondern leider auch »Heizkraftwerk«. Die beiden Kathodenwiderstände werden nämlich hübsch warm. Aus Platzgründen mussten die Kathodenwiderstände »aufgeteilt« werden. Zusammen genommen ergibt sich nun ein »Brummer« von 20 Watt je Kathodenwiderstand.

Im Betrieb balancieren sich die 5881 Röhrenpaare nun auf (ziemlich exakt) 38mA je Röhre aus. Mehr kann zwar, muss aber nicht. Ein erstes Testhören bestätigte dann auch, dass man das so lässt, wie es ist. Lediglich an der Gegenkopplung darf noch etwas »gedreht« werden.

Jetzt wollen wir doch mal messen und beim betrachten des Oszilloskopbildes machte sich Fassungslosigkeit breit. So ein sauberes Rechtecksignal habe ich selten gesehen. Es war auch nicht möglich, dem Stereo25 MK2 irgendwelche Unsauberkeiten anzuzüchten. Da der Verstärker dabei auch noch klingt und richtig Musik macht, lassen wir auch das so, wie es ist. Soll ich etwa den Übertrager austauschen, der dafür als Hauptverantwortlicher zeichnet?

Mal sehen wie er sich an den Hörnern des Besitzers macht. Vermutlich werden ihm die Ohren abfallen, denn der Verstärker schafft tatsächlich 25 Watt pro Kanal. Sinus.

Ich mach’s kurz: Das ist richtig guter Klang. Lebendig, kräftig, ausgewogen – es passt einfach. Ein toller Verstärker!

Vielen Dank, ich bin sehr zufrieden!

frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg' ich ein Hörnchen. Autor der Bücher: Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen. Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2): Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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