211 Class-A1 / A2

Zwei 211 Single-Endeds auf (fast) einen Schlag. Einmal das chinesische Blendwerk und ein anderes Mal die taiwanesischen P88-Monos. Da bei beiden Verstärkern kein Customize im eigentlichen Sinne möglich war, musste komplett neu aufgebaut werden.

Die Unterschiede jedoch: Das 211’er Blendwerk arbeitet in Class-A1 (also »normal«), die P88-Monos in Class-A2… Zwei völlig unterschiedliche Schaltungskonzepte.

Geplant war, beide Verstärkerarten in einem Artikel zu besprechen. Weil A2 aber ausuferte, muss(te) das separiert werden. Auch, weil die P88-Monos noch nicht ganz Startklar sind.

211-class-a1

Die Class-A1 Geschichte… Das kann man prinzipiell auch aus diesem Artikel entnehmen. Die 845 ersetzt man halt durch 211. Deshalb wird 211 in Class-A1 nur kurz behandelt. Stattdessen etwas mehr über das »Drumherum«. Auch nicht so ganz unwichtig…

Besonders für die technisch interessierten Laien. Oder »Newbies«, die unbedingt selber mit dem Lötkolben »herummachen« wollen. Wobei ich immer noch der Meinung bin, so ein »Erstlingswerk« zu vertagen und sich stattdessen Erfahrung mit »einfacheren« Röhrenschaltungen anzueignen.

Für die, die es nicht lassen können, sei Hashimoto-San an’s Herz gelegt.

Was ja auch die P88-Monos bewiesen haben, wo man sich augenscheinlich gut verhoben hatte.

Die Meinungen, wie man mit solchen Trioden Röhrenverstärker bauen »soll«, gehen teilweise weit auseinander. Religion einerseits, Pragmatisch andererseits. Dazwischen ein Mix von Beidem. Geschmackssache… Soll jeder so machen, wie er meint.

Gerne hätte ich es auch – in Teilen – anders gemacht. Nur… Die Gegebenheiten wollten nicht so recht mitspielen. Das muss man bei solchen Dingen immer mit beachten und Kompromisse eingehen können.

211 Merkmale

Die 211-Triode wird oft mit einer 845 verglichen. Was das Äussere betrifft, geht das in Ordnung. Eine 211 (auch bekannt als VT4C) ist natürlich keine 845. Um das festzustellen, reicht ein flüchtiger Blick in’s Datenblatt.

Da wäre zunächst die Sache mit der Versorgungsspannung. Mit rund 750V wird sie deutlich eher wach, als eine 845. Gemeinsam ist diesen beiden Trioden nur, dass die Heizdaten gleich sind und eben das sie nahezu identisch aussehen.

Die Anodenverlustleistung ist gegenüber der 845 um 25% geringer. Also 75W. Nach der üblichen Faustformel und über den Daumen gepeilt, sind daher mit Ach und Krach und viel Klirr etwa 15W Ausgangsleistung in Class-A1 (also mit Ruhestromreglung) zu erzielen. Soweit so »langweilig«.

In Class-A2 aber, sollen deutlich mehr Watt erzielbar sein. Man munkelt da so von (wahrscheinlich unsauberen) 40 Watt. Andere Quellen geben realistische 30W an. Als Eintakter, wohlgemerkt. Derartige 211-Schaltungskonzepte sind hierzulande doch eher selten. Man findet höchstens etwas mit der 811 oder 805.

Langweilig?

Der Verstärkungsfaktor… Da kommt sie mit gut und gerne 12 daher. Eine 845 hat davon nur etwas mehr als 5 zu bieten. Allein dieser Unterschied wird sich deutlich bemerkbar machen. Zum Vergleich: Eine 300B hat einen Faktor von nur 4. Die 805 setzt dem mit 50 die (vorläufige) Krone auf.

Es ist dem Verstärkungsfaktor geschuldet, dass sich die 211 mit einer moderaten Amplitude (etwa 150V Spitze) am Steuergitter begnügt. Das bekommt man ohne grossen Aufwand (Verstärkerstufen) gut hin. Für Class-A2 aber will das Gitter nicht Volt, sondern Leistung »sehen«…

Leider geht der höhere Verstärkungsfaktor auch einher mit der latenten Neigung, hochfrequenten Unfug treiben zu wollen. Ein Schwingschutz-Widerstand an der Anode (wie im Blendwerk vorgefunden) ist nicht falsch. Ob er aber was nützt? Ein »sauberer« Aufbau, mit kurzen Wegen, ist die beste Versicherung. Auch eine Gegenkopplung – und sei sie noch so moderat – ist ein wirksames Antidot.

Die in einigen (alten) Datenblättern genannten 100W Anodenverlustleistung beziehen sich übrigens auf Hochfrequenz-Kram. 75W allerdings für Niederfrequenz, also Audio. Rein technisch gesehen, ist die 211 (oder die 845) nichts Besonderes. Hatte auch schon Eric Barbour (den muss man als Röhren-Junkie kennen) erkannt.

Hochspannend

Wie bereits in dem verlinkten 845-Artikel angedeutet, läuft es bei derartigen Verstärkern etwas anders. Nicht nur die Betriebsspannung will absolut sicher gebändigt und in »Schach gehalten« werden…

Die (hohe) Kunst liegt bei der Verdrahtung. Auch, wenn man in der Vorstufe mit einer deutlich niedrigeren Spannung arbeitet. Da kann man nicht »mal eben so« ein paar Strippen ziehen. Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Ab etwa 500 bis 600 Volt läuft es »etwas« anders.

Stufemasse und vor allem »kurze Wege« sind das Geheimnis. Nichts für Drähtchen-um-die-Ecke-Bieger. Das sind Verstärker, keine Schaltschränke. Funktion geht vor Schönheit. Es muss aber auch nicht unbedingt wie bei »Hempels unter’m Sofa« aussehen.

Apropos Verdrahtung: Man verwende entspechende Litze. Die Elektrikerstrippe ist völlig ungeeignet.

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frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg' ich ein Hörnchen. Autor der Bücher: Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen. Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2): Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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