211 Class-A2

P88 – Das A2-Handicap

Es lag »nur« an der »winzigen« Kleinigkeit, wie die 6SL7-Vorstufe mit Spannung versorgt wurde (Ub2) und vor allem in welcher Höhe sie wohl anlag. Damit war kein Blumentopf zu gewinnen.

Mit mehr oder weniger gewagten Tricksereien, konnte die Vorstufe mit »richtiger« Spannung versorgt werden. Damit wurde dann auch richtiges – also funktionierendes – Class-A2 möglich. Das war allerdings wirklich nicht »Alltagstauglich« – vor allem zeigt man so etwas nicht. Irgendeiner ahmt das dann nach, fackelt im bestenfall die Bude ab und Schuld hat dann der, der’s gezeigt hatte…

Unter diesen Umständen wird Class-A2 für Unmöglich zu realisieren erklärt. Lieber sicheres (und richtiges) A1, als letales A2. Das alles erinnerte doch stark an Piroschka – prinzipiell das Gleiche in grün, nur eben mit 300B.

Fazit

Ob derartige P88-Modelle wirklich als Class-A2 Verstärker angeboten wurden, möchte ich ganz stark bezweifeln. Und, wenn doch, dann ist das eine »mit Ach-und-Krach« Lösung gewesen. Das sieht nur so aus wie Class-A2, in Wirklichkeit »nur« ein halbwegs funktionierendes Class-A1.

Schauen wir uns die technischen Daten des taiwanesischen Herstellers einmal genauer an:

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Die angegebenen 24W sind zwar nicht realistisch, aber auch nicht gelogen. Dieses Watt bezieht sich auf den untauglichen Spitze-Wert. Multipliziert man das mit (gerundet) 0,4 – kommt man überschlägig auf den Effektivwert. Und dann wird’s realistischer.

Auf diesen Trichter bin ich auch erst später gekommen, als ich – in einem anderen Fall – Schaltpläne verglichen habe, wo etwa die gleiche Leistungsangabe genannt wurde. Diese wurde nämlich hochgerechnet anhand der ebenfalls genannten 14V Ausgangs-Wechselspannung am Übertrager.

Die oftmals kolpotierten 40W (etwa 18V) mit 211 sind ebenfalls »spitz« gerechnet. Dreissig »echte« Watt sind »ehrlicher«. Und überhaupt: Nirgendwo erwähnt der Hersteller Class-A2. Lediglich Class-A, was, so gesehen, ja auch nicht (ganz) falsch ist…

Ich kann den (wohl) verzweifelten Ex-Besitzer und Bastler nun verstehen. Das alles musste ja in die Irre führen (Ja, ich bin selber darauf hereingefallen)… Kein Verständnis aber, dass das alles ohne Skrupel mehrfach verhökert wurde.

Aber… Wo die Kisten nun schon mal da sind, »probieren« wir mal A2 aus…

Class-A2 Vorstufe / Treiber

Eine dieser zuvor genannten Trickserei war, die nötige Vorstufenspannung aus Ub1 (rund 1000V) zu gewinnen. Ein paar dicke Widerstände und 5W-Zenerdioden waren für die »Spannungsvernichtung« zuständig.

Das ist – scharfe Betonung – bestenfalls Getrickst und nicht zur Nachahmung empfohlen. Die Widerstände sind oftmals nicht für diese Spannung gemacht!

So wurden etwa 500V erzielt. Die Originalschaltung der Vorstufe wurde geändert und noch auf eine höhere Verstärkung gepimpt. Erst damit kam es an der Kathode der EL34 zu deutlichen Spannungsänderungen und trieb damit die 211 auch in den Class-A2 Modus.

Vorstufe und EL34-Treiber – dieses Gespann ist aussergewöhnlich. Auch wenn es nicht so aussieht. Lediglich die Vorstufenröhre verstärkt, damit der EL34-Treiber die Amplitude eigentlich nur noch durchzureichen hat. Und damit geht’s schon los…

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frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg' ich ein Hörnchen. Autor der Bücher: Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen. Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2): Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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