Die Vorstufe zum EL504-Verstärker

Die Vorstufe meines PP-EL504 mit einer Subminiatur-Röhre auszustatten, wurde schnell ad acta gelegt. Das, was ich mir da ausgesucht hatte, will an anderer Stelle arbeiten. Mal sehen… Die Idee mit der EF50 als Eingangspentode wird mir immer sympathischer.

Ein Grund mit: Die hinteren »Problem«-Löcher im Chassis sind scheinbar für die Loctal-Sockel wie gemacht.

Sie wissen jetzt nicht, wovon die Rede ist? Dann bitte zunächst den ersten Teil zu diesem Projekt lesen.

Schaltungsänderung

Eine Schaltungsänderung (komplette Vorstufe) bleibt unausweichlich, wenn man den Schwachpunkt der Schaltung – nämlich die Phasenumkehr (Phase-Splitter) – umgehen will. Prinzipbedingt »entstehen« dort Signale, die unterschiedlicher nicht sein können.

Der Anodenabgriff besitzt eine höhere Amplitude als der Kathodenabgriff. Auch ist der »obere Teil« hochohmiger als der »untere Teil«. Im Übertrager, wo die beiden Phasen wieder »zusammengesetzt« werden, entsteht dann das, für diese Schaltung fast schon, typische Klangbild…

Im hinteren Teil meines Chassis befinden sich zwei große, runde, Ausbrüche, in die zunächst keine Röhrenfassung zu passen schienen. Was aber sehr gut passte, waren eben die Loctal-Fassungen zur EF50. Ja, ich habe mich da »anfixen« lassen…

Also: EF50 als erste Verstärker-Vorstufe. Fertig.

ef50-vorstufe

Probleme…

Wie sollte es auch anders sein? Bevor gelötet werden kann / darf, muss mechanisch die Voraussetzungen geschaffen werden. Und das heisst nichts anderes als zunächst »Löcher bohren«. Sowohl für Lautsprecherbuchse als auch Cinch. Für die Trafobefestigungen und natürlich auch für die Röhrenfassungen, die jetzt direkt an’s Chassis montiert werden.

Das manuelle »Nacharbeiten« eines »artfremden« Chassis kann aber auch bedeuten, dass eine »individuelle Note« eingearbeitet wird. Heisst im Klartext: Millimetergenau in einer Linie kann man knicken. Auch das man sich einmal »verbohrt«. Bei diesem Chassis hieß das: War die dicke Verchromungsschicht überwunden, musste man mit dem Bohrer sehr, sehr sensibel werden.

… umgehen

Aufgrund meines Handicaps war ich von diesen »niederen« Arbeiten befreit und ich habe deshalb die »fremde« Hilfe mit tausend Dank angenommen.

loetleisten

Danach die »üblichen« Vorbereitungen: Wo (und wie) befestigt man die Lötleisten? Und zum Schluss das Verlegen von Kabelzeugs für die Heizung. Sobald die Heizung steht, werden die Röhren gesteckt und für ein paar Stunden aufgeheizt. Man kann dazu stehen wie man will, ich habe gute Erfahrungen damit gemacht. Und diesmal dient das nicht nur zum gettern.

Heisse Kiste

Besonders die EL504 entwickeln – allein nur durch die Beheizung – eine beachtlich hohe Glastemperatur (rund 65°C pro Röhre). Wenn die Röhren später »Musik machen«, kommen noch »ein paar« Grad Celsius hinzu. Es kann durchaus vorkommen, dass die Heizungs-Temperatur ausreicht, um eine Röhre (oben am Anodenanschluss) »undicht« werden zu lassen.

Diese Temperatur ist bei derarigen Röhren aber normal. Laut Datenblatt darf das Glas maximal 280°C heiss werden. Diese hohe Temperatur wird in einem NF-Verstärker wohl nicht entstehen. Trotzdem – die entstehende Abstrahlungswärme macht sich natürlich auch an der Röhrenfassung und am Chassis bemerkbar.

Jetzt kommt blöde Physik

Hat mit HiFi nix zu tun: Alles, was warm wird, dehnt sich aus. Ob die Magnoval-Röhrenfassungen bzw. die Kontakte wirklich gut sind, lässt sich erst feststellen, wenn die Röhren heiss sind. Es kann durchaus vorkommen, dass dann die Röhrenpins den Kontakt zur Fassung verlieren. Dann müssen die Federkontakte nachgearbeitet werden.

Im kalten Zustand muss die EL504 fast schon mit sanfter Gewalt in die Magnoval-Fassung gepresst werden. Lässt sie sich dann wieder sehr leicht herausziehen, sind Kontakt-Probleme so sicher wie das »Amen in der Kirche«.

Röhren mit obenliegendem Anodenanschluss haben auch genau da ihren Schwachpunkt. Alle. Bedenken Sie bitte, dass da ein feiner Draht durch das Glas führt. Sitzt die Metallhülse für die Anodenkappe nicht mehr fest am Glas, dann ist das Vakuum im Glas auch bald Geschichte.

Wasserglas

Lebensverlängernd kann evtl. das Kleben (und Nachverdichten) mit Kali-Wasserglas (Baumarkt) oder Natron-Wasserglas (Apotheke) sein. Keinesfalls mit Sekundenkleber oder mit sog. Hochtemperatur-Kleber arbeiten, da derartige Kleber das Glas auch mikroskopisch klein »angreifen«. Ein gezieltes Wasserglas-Tröpfchen reicht schon vollkommen aus. Danach mindestens 24 Stunden trocknen lassen.

Jeder Bastler hat dabei seine eigene Methode. Egal wie: Das hält dann erst einmal eine Weile.

Kommen wir endlich zur…

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frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg' ich ein Hörnchen. Autor der Bücher: Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen. Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2): Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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