Zwei SRPP Röhrenvorverstärker

Sie benötigen einen Röhrenvorverstärker? Na, da habe ich was. Der eine Vorschlag ist ein Umbau für fast »Noppes«, der andere Vorschlag schöpft aus dem Vollen. Einfach. Gut. SRPP. Allerdings – diese Röhrenvorverstärker sind nichts für Laien – es sei denn, man ist ein begeisterter Anhänger von »Learning by doing«. Vor allem sind diese Schaltungsvorschläge keine Instant-Schaltungen zum sofortigen Gebrauch! Zudem ist es ratsam, sich vorher die Grundlagen zu SRPP »anzutun«.

Line-SRPP für »Noppes«

Naja, nicht ganz für »lau«, aber gemessen am Aufwand geht das, aus monetärer Sicht, schon fast dafür durch. Ob’s HighEnd ist, weiss ich nicht, die Anforderungen für »simples« HiFi werden aber locker erfüllt.

Ideal ist eine Line-SRPP, wenn verschiedene Signalquellen mit unterschiedlichen Pegeln zuammengeführt und niederohmig zu der Endstufe weitergereicht werden sollen. Auch als »Aufholverstärker« für externe Phono-Vorverstärker ist diese Schaltung ideal, weil ein reiner (preiswerter) Phonovorverstärker kaum die »richtigen« Ausgangspegel zur Verfügung stellt, um einen potenten Verstärker richtig anzusteuern.

Man nehme einen Dynavox TPR1…

Für die »Noppes-SRPP« benötigen wir einen »abgehalfterten« TPR1 Röhrenvorverstärker. In meinem Fall war es ein in die Jahre gekommener Vorverstärker. Der Besitzer wollte einfach etwas »klareres«, hochverstärkendes. Und das bitteschön mit Röhrengleichrichter. Der TPR1 bringt alles mit, was man haben muss: Netztrafo mit den »richtigen« Spannungen, eine Drossel, Anschlussterminals, ein passables Chassis mit den entsprechenden Ausbrüchen. Was man sonst noch braucht findet sich in jedem gut sortiertem Bastler-Keller: Eine EZ81 Gleichrichterröhre, zwei ECC82 (12AU7), drei Noval-Röhrenfassungen für Chassismontage, ein paar Widerstände, ein paar Kondensatoren und sonstigen »Kleinkram«.

Von McIntosh C11/C22, Marantz C7 zu TPR1>
Schaltungstechnisch hat der TPR1-Röhrenvorverstärker seinen Ursprung im McIntosh C11 bzw McIntosh C22 bzw. Marantz C7 (Gibson hatte so einen Verstärker ebenfalls im Programm). Hauptmerkmal der Ur-Vorverstärker war: Der Standard-Röhrenschaltung mit ECC83 (12AX7), die für hohe Verstärkung sorgten, war ein Impedanzwandler (Kathodynschaltung) nachgeschaltet, der das Signal niederohmig weiterreichte. »Angereichert« war das Ganze mit viel Filtertechnik: kanalgetrennte Klangsteller (in 3dB-Schritten schaltbar als frequenzabhängige Gegenkopplung), Rausch- und Rumpelfilter und einen aktiven Entzerrer (Phono-Vorverstärker). Die technischen Daten können sich auch heute noch sehen lassen, beispielsweise der Frequenzgang: 20Hz bis 20kHz ±0,5dB.

Die Schaltung des TPR1 ist eine »kastrierte« Version der Vorfahren ganz ohne (naja, nicht ganz) jegliche Filtertechnik. Exakt diese kastrierte Schaltung existiert seit über 10 Jahren und wurde zuerst in einem amerikanischen Bastlerforum veröffentlicht und wird unausrottbar mitsamt dem »Bock« immer wieder neu veröffentlicht. Meistens, wie auch beim TPR1, mit den komischen 6N3-Röhren. Der »Bock« bei den Kastraten: Die Art und Weise, wie die spannungsabhängige Gegenkopplung gestaltet wurde, die so eigentlich gar nicht nötig wäre…
Äh… Ich schweife ab.

Also Umbau. SRPP mit ECC82.

Moooment… ECC82?

Hat der frihu denn in dem »Ave SRPP« Artikel nicht geschrieben, dass so eine Röhre eigentlich gar nicht geht? Doch, der frihu hat das geschrieben. Eigentlich. Genauso wie eigentlich ECC81 und Consorten nicht geeignete Kandidaten für SRPP sein sollen. Eigentlich. Und jetzt relativiere ich das mal. Mit der ECC82 (12AU7) funktioniert das hier wunderbar. Sogar ausserordentlich gut, weil wir erstens mit der halbierten Versorgungsspannung (!) deutlich unter die Uf/k-Angabe bleiben und zweitens keine extrem hohe Verstärkung benötigen.
Aber der Reihe nach…

Der TPR1 wird, bis auf das Netzteil, den Signalquellenumschalter und den Anschlussterminals, »ausgeweidet«. Für die grobmotorische Demontage braucht es noch nicht einmal einen Lötkolben. Dann kommen Sie als »Gromo« aber nicht mehr weiter! In den drei »Riesenlöchern« werden Noval-Röhrenfassungen für Chassismontage montiert. Wie Sie hier vorgehen, ist Ihre Sache. Ich setze auf Mechanik (Verschraubung) und Chemie (Verklebung). Entweder mit temperaturfestem Zweikomponentenkleber oder Hochtemperatursilikon (mit diesem Silikon wird z.B. auch die Scheibe des Backofens geklebt).

Als nächstes nehmen wir den Dremel mit Schleifaufsatz und knöpfen uns die Netzteilplatine vor. Da müssen nämlich ein paar Leiterbahnen aufgetrennt werden. Die eingelöteten Siebelkos behalten wir aber, der Rest wird ausgelötet.

Als nächstes wird die Verkabelung für die Heizung vorgenommen. Es bleibt bei Wechselspannung! Die notwendige Symmetrierung erfolgt bereits am Trafo (also 3,15V – 0V – 3,15V). Als nächstes legen wir den »typischen« dicken Kupferdraht über die – aus unserer Sicht – Röhrenfassungen und verbinden diesen sofort mit der Schaltungsmasse auf der Netzteilplatine (die Massebahn sollte mit Kupferader »verstärkt« werden). Wenn an diesem Röhrenvorverstärker später direkt geerdete Röhrenendstufen angeschlossen werden sollen, sollte die Maseverbindung zum Erdungsanschluss aufgetrennt werden. Die »Erdung« wird dann über einen 100Ω-Widerstand wieder hergestellt (die Gefahr einer Brummschleife ist somit beseitigt). Achtung! Das Chassis wird natürlich direkt und ohne Umwege geerdet! Zum Schluss wird die Wechsel-Hochspannung zu der EZ81 verdrahtet.

KISS-es

Als Ladekondensator für die EZ81 wird ein 10µF MKP und ein 10µF Elko verwendet. Durch Parallelschaltung ergibt sich 20µF. Erlaubt sind, lt. Datenblatt, ja maximal 47µF. Die 20µF sind hier absolut richtig und völlig ausreichend (Die Maximalangabe ist ja kein Muss). Dann kommt die Drossel an die Reihe… und den Rest erklärt das Schaltbild. Die Serienwiderstände sind so zu wählen, dass man hinterher etwa 290 Volt (kanalgetrennt) erreicht. Für die ECC82-SRPP ideal – an den einzelnen Anoden »hängen« dann 145 Volt. Mit dieser Spannung liegen man deutlich unter dem kritischen Uf/k (max. 180V). Die EZ81 läuft zudem so langsam hoch, dass die ECC82 schon fast Betriebstemperatur hat, wenn die volle Spannung anliegt. Auch das wirkt quasi als Antidot gegen die typische SRPP-Krankheit (Pfeifen). Röhren, die einen niedrigeren Uf/k-Wert aufweisen, sind hier nicht angesagt!

Natürlich kann man die ganze Geschichte noch komplizierter machen. Zum Beispiel die Verstärkerröhren mit Gleichspannung zu beheizen und die Heizspannung »hochlegen«. Bringt in diesem Fall aber nichts. Wirklich nicht. Merke: Röhrentechnik folgte immer schon dem KISS-Prinzip. Mal mehr, mal weniger trickreich. Je mehr »Gedöns«, desto… Lassen wir das. KISS: Keep It Small & Simple

Zur eigentlichen SRPP-Schaltung: Für die ECC82 werden nun zwei rauscharme Kathodenwiderstände zu je 2,2kΩ/2W eingesetzt. Zwei Watt? Theoretisch sollten doch schon »Halb-Watter« reichen, oder? Ja, theoretisch ist das richtig. Praktisch bekommt man mit der Theorie aber ein Rauscherlebnis infolge der Erwärmung der Widerstände. Die Zwei-Watter werden dagegen kaum warm und wenn man dann noch rauscharme Widerstandstypen einsetzt, baut man auch keinen Rauschgenerator. Ganz einfach.

Der Verstärkereingang bekommt einen »dicken« Kondensator vorgesetzt dem ein 50kΩ-Lautstärkepoti vorgeschaltet ist. Somit bekommt die unterste Röhre auch einen festen Gitterableitwiderstand. Schwingneigungen verhindert der zusätzliche 100Ω-Gridstopper. Am SRPP-Ausgang wird ein 1µF/400V MKP angeschlossen. Das reicht völlig aus. Reell abgeschlossen wird mit einem 1MΩ-Widerstand. Das erscheint zwar nicht SRPP-konform, muss aber zu bedenken geben, dass man den Eingangswiderstand der anzuschliessenden Endstufe mit berücksichtigen sollte. Da der TPR1 noch über weitere Ausgangs-Anschlüsse verfügt, können weitere Ausgänge über seperate Ausgangskondensatoren bereit gestellt werden. Das muss man nicht, war hier jedoch »Vorgabe«.

Nach einigen Versuchen musste vom Prinzip der Ur-SRPP abgewichen werden. Der untere Kathodenwiderstand bekam eine sehr moderate Elkokapazität parallel geschaltet. Die Kapazität ist wirklich moderat und erhöht die Verstärkung etwas – aber ohne das die SRPP bei hohen Frequenzen ins Schwingen gerät (Ursache ist der oftmals viel zu hohe Kapazitätswert)! Für den Fall eines Falles sorgt ein zusätzlich seriell geschalteter 100Ω-Widerstand dafür, dass man eine Gegenkopplung »einbauen« kann (sollte so etwas nötig sein, fangen Sie mit Widerstandswerten ab 33kΩ an zu experimentieren).

Das wars. Verwendete Endstufen in diesem Fall: Totalumgebaute Dynavox VR80.

Objektiv

»Unten« wird spätestens bei 5Hz dicht gemacht und »oben« kommen wir verdächtigt nahe in den Langwellenbereich (90kHz). Die Verstärkung liegt bei rund 20dB (1kHz Sinus). Das ist durchaus eine Hausnummer. Sobald aber die Ausgänge alle beschaltet sind und der »neue TPR1« vier Monoblöcke versorgen muss (siehe Photostrecke), relativiert sich der Ausgangspegel.

Aufgrund der sehr hohen oberen Grenzfrequenz ist eine HF-mäßige Bauweise anzuraten: dicht an den Röhrenfassungen und ‘ne saubere Masseschiene. Ob die SRPP stabil arbeitet, testet man am besten zuerst mit einem Sinus durch. Das Oszilloskopbild muss das Sinus sauber anzeigen. Rechtecke sind als solche erkennbar und weisen keine »Überschwinger« auf.

Subjektiv

Noch einmal herzlichen Dank für diese Top Kombination. Die Abstimmung ist Ihnen super gelungen! Genau die richtige ausgewogene Balance zwischen (sehr) kräftig & knackig sowie sauber auflösend und feinzeichnend. Wie die kleinen NuWave 3 klingen habe ich ja schon kurz beschrieben […]
Heiliger Bim Bam! Das ist unbeschreiblich. Zu welchen Dynamik Attacken die 125er hier fähig werden hätte ich einer 86bB/m Box nicht zugetraut! Atemberaubend.

 

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frihu

…hört gerne Musik. Über Röhrenverstärker. Musikrichtung egal. Ausser Jazz, Hip-Hop, House, Metal, Trash, Schlager, Volksmusik, Gangsta-Rap (noch schlimmer, wenn in Deutsch gebrüllt). Da krieg' ich ein Hörnchen. Autor der Bücher: Hören mit Röhren, Röhrenschaltungen und High-End Röhrenschaltungen. Artikel in hifi-tunes (Röhrenbuch 2): Bauteileauswahl für Röhrenverstärker und EL509 Single-Ended Röhrenverstärker im Selbstbau

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