Röhrenverstärker! Immer wieder nur Röhrenverstärker, Röhren und HiFi! Ich kann's nicht mehr hören!
Gibt es eigentlich kein anderes Thema mehr?
Klagen dieser Art kenne ich. Meist von meiner Frau, wenn ich mal wieder zu lange mit den Röhren beschäftigt war. Diesmal hatte sie kein Grund zu jammern. Zumindest nicht wegen der zuvor genannten Gerätschaften. Meine, über sechs Jahre treu dienende Festplatte, meinte in der ersten Januarwoche, den Schreib-Lesekopf auf die Datenscheibe knallen und damit den Elektroniksuizid begehen zu müssen was zur Folge hatte, dass ich mehr mit Datenrestaurierung und »System neu aufsetzen« zu tun hatte, als mit Röhrentechnik.
Diesmal jammerte also nicht sie sondern ausgerechnet ein Händler, der mit Röhren und Röhrenverstärker den Lebensunterhalt verdient. Was der genaue Grund für die Klagearie war, lässt sich im Nachhinein gar nicht mehr so genau festmachen. Auf jedenfall wurde kurzentschlossen ein vierzehntägiger Kurzurlaub anberaumt. Ohne Computer, ohne Fax und ohne Telefon. Bin dann mal eben weg…
Es kam, wie es kommen sollte. Nach vierzehn Tagen begrüsst mich ein völlig genesender Elektronikhändler und zeigt mir die Urlaubsandenken. Diesmal jedoch keine Photos oder Postkarten, Handtücher vom Hotel oder eine Speisekarte. Nein, es waren Röhren. Nichts als Röhren! Und was für welche. Nicht die schnöden ECC81 oder EL34. Nein. Hier eine AD1, dort eine PX4, ein paar 300B's, 2A3 und so weiter. Alles Originale, teils noch verpackt. Wie kommt man denn dazu? Die Antwort ist simpel und klingt nahezu unglaublich: Im Schuppen gefunden. Schwein muss der Mensch halt haben. Doch bevor nun Neid aufkommt - wie sich später herausstellte taugt über die Hälfte der Röhren nur noch als Anschauungsmaterial. Heizfadenbruch und fehlendes Vakuum… Man kann eben nicht alles haben.
Auszeiten sind nötig und wichtig. Wer das nicht beizeiten befolgt, dem droht Ungemach. Meist in Form einer Erkältung (es ist ja keine so gute Idee, die triefende Nase und tränenden Augen über eine Schaltung zu hängen, in der gerade 400 Volt herumgeistern). In seltenen Fällen kommt die Auszeit eben als Technikus interruptus.
Technicus interruptus - also eine technische Zwangspause - erlebte letztens ein Bekannter: Seine berühmt-berüchtigte Silvesterparty befeuerte er mit seinem neuen (und teurem) Röhrenverstärker der anderen Art: Einen Eintakter mit 845-Röhren. Berühmt-berüchtigt sind diese Partys deswegen, weil eigentlich immer etwas passiert (Kolletaralschäden durch Frontalzusammenstösse von Bowle und Mensch). Um 16:00 Uhr stand der Lautstärkeregler noch auf Neun Uhr. Gegen 19:00 Uhr Ortszeit bereits auf Elf. An 100dB-Hörnern ist das Tinitus-tauglich.
Noch etwas später. Die Stimmung war gut und der Regler auf Eins. Aber nicht lange, denn so um 22:00 Uhr, gab es einen Knall ein bisschen Rauch, einige verschreckte Gäste und dann war es ruhig. Nicht das Trommelfell war geplatzt, sondern Röhrenglas. Und das führte zu einem Totalschaden. Darf nicht passieren, kann aber. Bowle-benebelt zuckte man nur kurz mit den Schultern und ein eiligst herbeigeschaffener Ersatzverstärker sorgte dann doch noch dafür, dass die Party erst richtig los ging. Der Geruch des Feuerwerks überdeckte dann den Gestank von dem havarierten Verstärker.
Manchmal ist aber nicht die Technik schuld am gewollten Stillstand. Bei mir war es nach der Datenrestaurierung ein Buch. Normalerweise lese ich derlei Bücher nicht - aber Vincent Klink (z.B. das Buch "Sitting KüchenBull"), den muss man gelesen haben. Ein Küchenrambo mit einer sehr gesunden Einstellung. Zum Schluss keimt die Erkenntnis das gutes Essen und gutes High-End irgendwie zusammengehören. Gutes und vernünftiges High-End (Essen) kennt nur einen Preis: Fair und Vernünftig. Brimborium, Klangpäpste und Weihrauchkondensatoren braucht man ebensowenig, wie einen Sternekoch der Werbung für Fast-Food macht.
Manchmal wären / sind kleine Auszeiten sehr hilfreich…
In diesem Sinne
-Friedrich Hunold-
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