Unverhofft kommt oft. Das weiss schon der Volksmund. Aber darauf war ich nun wirklich nicht gefasst: Eher beiläufig stellte sich in netter Gesellschaft heraus, dass mein Gesprächspartner ebenfalls mit Röhren seine Musikkonserven abhört. Leider, so beklagte er sich, klinge es nicht mehr so wie früher. Die Klangbeschreibungen kennt man hinlänglich: Irgendwie dumpf, matt und verwaschen.
Da der Röhrenverstärker fast jeden Tag läuft und nunmehr ein paar Jährchen auf den Buckel hat, schlussfolgerte ich, dass da wohl neue Endröhren fällig sein würden. Wir vereinbarten nach längerem Fachsimpeln, dass er, wenn er wieder zu Hause ist, mal ein paar Photos machen solle, damit ich mir ein Bild machen kann, ob der Röhrentausch wirklich mal eben so durchzuführen ist.
Auch ich startete eine kurze Recherche. Man kann ja nicht jeden Röhrenverstärker bzw. dessen Hersteller kennen. Es stellte sich heraus, dass der Verstärker eine Single-Ended Variante mit EL34 ist. Nein, diesmal kein Chinese, sondern ein Brite. Wenigstens etwas. Von JJ hatte ich noch E34L vorrätig, die ich dem Leidensgenossen hätte schicken können. Einfach alte Röhren 'raus und neue Röhren 'rein. Doch ich wollte zuerst das Photo abwarten. Kann ja sein, dass da noch ein Trimmer sitzt, mit dem man eine negative Vorspannung einstellen kann.
Das Photo kam auch. Sauber photografiert. Gestochen scharf und riesengross. Nein, kein Trimmer zu sehen. Also Röhren einpacken und 'rübergeschickt. Doch halt. Was ist das?
Erst nach dem dritten Hinsehen, entdeckte ich den kleinen Widerstand, der wohl schon einmal bessere Zeiten erlebt hatte. Nix ist mit »mal eben die EL34 austauschen«. Gott sei Dank hatte der Besitzer ein Multimeter zu Hause und konnte auch noch damit umgehen. Kurz nachgemessen - ja, Widerstand habe ich hier, sofort mit dem Verstärker vorbeikommen.
Doch es sollte nicht bei dem Widerstand bleiben. Als nach dem Aufschrauben das Innenleben des Röhrenverstärkers sichtbar wurde zeigten sich die, kurz vor dem Erbrechen stehenden, Siebelkos in voller Pracht (Bild oben).
In einer HauRuck-Aktion wurde der Röhrenverstärker nun repariert. Nicht nur der Widerstand wurde ersetzt, sondern auch die Siebelkos. Der Austausch der EL34-Röhren war dagegen ein Kinderspiel.
Das ganze ist nun schon ein paar Wochen her. Der Verstärker steht wieder beim Besitzer im Wohnzimmer und macht das, was er auch machen soll. Der dumpfe, verwaschene Klang ist weg. »Es klingt wieder wie früher«. Na bitte. Für die tägliche Hintergrundbeschallung dient jetzt eine preiswerte Henkelware für ein »paar Euro fuffzich«. Das schont die Röhren, die Elektronik und ist auch in den Stromkosten billiger.
Die Lehren aus diesem Abenteuer? Gerade bei älteren und/oder unbekannten Röhrenverstärker empfiehlt sich immer ein Blick unterm Chassis. Spätestens nach zwei Jahren wird es höchste Zeit.
In diesem Sinne
-Friedrich Hunold-
|