Das ich High-End, besonders das mit Röhren befeuerte High-End, gerne mit lukullischen Genüssen vergleiche, ist bekannt. Diese Affinität kommt ja auch nicht von ungefähr - bildet die Röhrentechnik und die Kochkunst eine nicht zu verachtende Symbiose.
Nicht wenige Köche behaupten ja steif und fest, dass ein gutes Essen nur dann gelingt, wenn auch wirklich gute Nahrungsmittel - sprich Zutaten - verwendet werden. Dasselbe gilt auch beim Röhrenverstärker, der ja auch alle Chancen hat gut zu werden, wenn die wenigen Bauteile von guter Qualität sind. Damit sowohl das Gericht als auch der Verstärker wirklich gut wird, liegt dann am Können und am know how.
Billig kann jeder. Und damit Billiges nicht auffällt, wirds halt verchromt und mit blau leuchtenden LED's versehen. Allein schon die blaue LED, die so hell leuchtet, dass man blind wird, sorgt dann für High-End Feeling. Manchmal fühlt man sich in die akustisch dumpfen und optisch grellen 1970'er Jahre versetzt wo viele Schieberegler, Zappelzeiger (VU-meter) und Glühlämpchen Studioqualität vorgaugelten. Köche mussten damals nicht nur kochen können, sondern wahre Dekorationsmeister sein. Und das umso mehr, je mieser die Qualität des Essens war, was da auf dem Teller drappiert wurde. Bei den High-End Sachen sieht's heute nicht anders aus.
Wie sehr Küche und Röhrentechnik - oder High-End im allgemeinen - zusammenhängen, kann man auch daran erkennen, wenn man einmal die letzten Jahrzehnte Revue passieren lässt.
Die kühlen 1980'er brachten nicht nur kalt klingende CD-Player sondern auch die Rückbesinnung auf das Wesentliche. Paul Boccuse verhiess verheissungsvolles und, er und seine Getreuen, paukten den Deutschen jahrelang ein, dass man Gemüse nicht zu Zellulose verkocht sondern durchaus noch Biss haben darf. »Al dente« nannte das der Italiener - lange vor Boccuse. Puristisch ging es nicht nur im Bereich HiFi (ein Netzschalter und ein Lautstärkeregler reicht), sondern auch auf dem Teller zu, wo man das Essen mit der Lupe suchen musste und man es schlussendlich unter einem Berg von Deko wiederfand. Es entstand nicht nur der Surround-Sound sondern auch abenteuerliche Geschmackverirrungen wie (fettige) Kartoffelreibeplätzchen an Lachsscheibletten (oder wars umgekehrt?).
Die 1990'er Jahre waren wieder etwas verspielter. Molekularküche wurde langsam genauso modern wie die längst totgeglaubte Röhrentechnik. Wer auf sich hielt, hörte Musik mit Röhrenverstärker. Letzterer ist geblieben und die Molekularküche hat sich auch nach 15 Jahren nicht wirklich durchgesetzt. (Gott sei Dank - aber im Jahre 3000 wird man sagen, dass das die Vorstufe zum Mahlzeiten-Replikator war.) Billige Importe aus China machten den Röhrenverstärker dann auch für Otto-Normalhörer zugänglich. Mit ganz viel Chrom und Plunder. Und die Lebensmittel fingen an mit BIO zu glänzen dafür aber weniger zu schmecken.
Wer noch nie einen gut abgestimmten Verstärker hören durfte, der kann eben nicht beurteilen, wie es sich anhören kann, wenn mit guten Bauteilen und einem durchdachten Schaltungskonzept ein Röhrenverstärker entsteht der sich High-End rühmen darf. Und wer noch nie ein richtig, schickes »Fresserchen« geniessen durfte, für den bleibt die »grosse Küche« fremd.
Das wirklich Gute braucht keine Zierleisten (Vincent Klink) und keine überflüssige Technik. Warum ich zB. eine 845 oder 300B mit einem Schaltnetzteil befeuern soll, will sich mir nicht erschliessen. Was da die »langen Radiowellen«, die zwangsläufig entstehen und mitverstärkt werden, mit dem Klang machen, will ich nicht wissen. Das geht wesentlich einfacher, billiger und vor allem Nebenwirkungsfrei. Aber nun - solcherart Technik ist derzeit (noch) genauso populär (und überflüssig) wie es eben die Molekularküche war.
Zeiten und Geschmäcker ändern sich, aber man kommt immer wieder auf das Ursprüngliche zurück. Die Zeiten, in denen es modern war von »Schaumsößchen an geringeltem und mit grober Fleischmousse gefülltes Schweinsgedärm und geeistem Tomatenjus« zu reden, sind fast vorüber. Noch immer reden degenerierte Fernsehköche vom Süppchen. Aber es wird wieder besser. Das mit »Mousse gefüllte Schweinsgedärm« heisst wieder schlicht Bratwurst und die »Pommes de margouillis« (Ich schwöre, dass ich das auf einer Speisekarte gesehen habe) entpuppt sich als eine Melange aus Stampfkartoffeln und Endiviensalatstreifen (ein Gericht aus dem Ruhrpott und Teilen des Niederrheins, auch bekannt als »warmer Endiviensalat«). Wie da das Tomatenjus hinpasst, weiss ich allerdings nicht.
HiFi-Technisch gesehen ist man bei Schaumsüppchen und atomisierten Rinderfilet hängengeblieben. Noch immer schwirren die dollsten Begrifflichkeiten durch die Gegend und sagen eigentlich nichts aus oder verursachen eine überzogene Erwartungshaltung. Was bitteschön ist Studioqualität im gleichen Atemzug mit 7Hz -0,3dB, Zero-Feedback und Ultra Fast Caps? Wieso müssen Kabel angeboten werden, die wirbelstromfrei satte 3 Dezibel Klangwinn bringen? Und bei Bastlern weckt man eine viel zu hohe Erwartungshaltung wenn man statt Dynamoblech (auch Tranformatorenblech genannt) die chemische Molekularverbindung nennt.
Qualität hat seinen Preis und - das ist jetzt meine Erfahrung - je deutlicher dann das Kind beim Namen genannt wird, desto reeller wird die Geschichte. Eine Maultasche bleibt eine Maultasche (Vincent Klink) und ein Kondensator bleibt ein Kondensator. Wer aus letzterem ein »Geometrisches Arrangement aus Metall aus dem Erzgebirge und Kunstoff aus Peru an gesilberten Klangbeschleunigern« macht, verkauft halt nur billigen Mist.
Da lobe ich mir Jakob M. Mierscheid. Seit 1979 Mitglied im deutschen Bundestag und ist sich immer treu geblieben. Das schafft auch nicht jeder….
In diesem Sinne
-Friedrich Hunold-
Zum Abschluss ein Rezept, welches nicht nur gesund (es beugt auch einer Erkältung vor) sondern auch ausgesprochen lecker ist:
Eine simple(?) Zwiebelsuppe
Etwa 1 Kg Ziebeln in nicht zu grobe Streifen schneiden und in etwas Öl (Leinsaat- oder Sonnenblumenöl) andünsten. Sehr fein gehackte Knoblauchzehe dazugeben (bitte nicht mit der Knoblauchpresse misshandeln, sondern wirklich mit dem scharfen Messer kleinhacken) und mitschwitzen (goldgelb ist die einzigste Farbe, die das alles annehmen darf) lassen. Dazu ein paar Gewürze wie: etwas Thymian (frisch), etwas Muskat (gerieben) und grob geschrotteter Pfeffer - Safran ist auch nicht verkehrt. Alles ordentlich anschwitzen lassen und nicht zu knapp mit Weisswein (ich benutze Chardonay oder einen Riesling aus der Pfalz) ablöschen. Ein Lorbeerblatt, zwei Nelken und vier Wacholderbeeren dazugeben, aufkochen, etwas Salz dazu, mit Wasser bis zur gewünschten Konsistenz auffüllen, aufkochen lassen und dann etwa 30 bis 45 Minuten simmern lassen (je nachdem, wie dick Sie die Zwiebelstreifen geschnitten haben). Zum Abschmecken benutzen wir unsere Zunge und verlassen uns nur darauf! Fertig. Heiss geniessen und fröhliches schwitzen…
Wer Fleischbrühe (noch dazu aus der Tüte) für eine Zwiebelsuppe verwendet, setzt auch Schaltnetzteile in Röhrenverstärker ein. Den mit Käse überbackenem Crouton, oder die Verwendung von Creme Fraiche lasse ich persönlich weg, weil überflüssig. Ich serviere dazu Pizza-Brötchen aus eigenfüssig hergestelltem Pizza-Hefeteig. Alternativ lässt man sich ein französisches Baquette einfliegen.
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